Hand in Hand in der Katastrophe

Vortrag in Bad Aibling: Wie Polizei und Feuerwehr beim Zugunglück zusammen gearbeitet haben

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hackl_feuerwehrBad Aibling – Es ist schon nun schon fast sieben Monate her, seitdem das verheerende Zugunglück die Region erschütterte. Doch vorbei ist nicht vergessen. Noch immer wirken die Eindrücke und die Bilder auf die Beteiligten nach. Um das Geschehene noch einmal aufzuarbeiten, lud die Feuerwehr Bad Aibling am Donnerstagabend die Mitglieder zu einem Vortragsabend in die Feuerwache ein. Sowohl Kreisbrandrat Richard Schrank als auch Kriminaldirektor Bernd Hackl (Foto) schilderten in ihren Vorträgen den Einsatz aus Sicht der Feuerwehr und der Polizei.

So unterschiedlich die Einsatzbereiche von Feuerwehr und Polizei bei einem derartigen Großeinsatz auch sein mögen, eine Gemeinsamkeit stand bei Schrank und Hackl ganz oben: Nur durch das kollegiale Miteinander aller Einsatz- und Rettungskräfte konnte in dem ganzen Chaos so vorbildlich gearbeitet werden. Richard Schrank: „Ein großer Vorteil war da auch, dass man sich untereinander kennt.“ So war von Anfang an eine wichtige Vertrauensbasis gegeben.

Der Kreisbrandrat beschrieb noch einmal anschaulich den Einsatz, vom Eingang des ersten Notrufs um 6.52 Uhr bis um 20 Uhr, als das Feuerwehrhaus Kolbermoor als Betreuungsstelle wieder geräumt war. Sein Fazit: Vieles lief sehr gut, weniges hätte noch besser gemacht werden können. Um das ganze Ausmaß des Großeinsatzes zu veranschaulichen lieferte er noch einmal die Zahlen in der Übersicht:

Es gab 94 Verletzte, 12 Tote und mehr als 20 traumatisierte Helfer. In Einsatz waren 79 Fahrzeuge der Feuerwehr mit insgesamt 270 Kräften. 175 Fahrzeuge und 250 Helfer vom Rettungsdienst standen bereit. 18 Hubschrauber flogen die Verletzten aus, das THW war mit 8 Fahrzeugen und 50 Helfern vor Ort. Die Polizei beorderte 200 Kräfte zum Einsatzort.

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Foto: Kreisbrandrat Richard Schrank (l.) und Bad Aiblings federführender Feuerwehrkommandant Wolfram Höfler beim Vortrag in der Feuerwache

Schrank zeigte auch auf, wie schnell die Einsatzleiter den Ernst der Lage erkannten. Innerhalb einer Stunde wurden so viele Hilfskräfte organisiert, dass die Rettung der Verletzten schnell erfolgen konnte. Ein großes Problem dabei: Die Oberleitung war abgerissen und den ersten Hilfskräften war nicht klar, ob man in den verunglückten Zug vordringen konnte, ohne einen Stromschlag zu riskieren. Schrank: „Doch es ging um Menschenleben. Deshalb sind wir rein.“ Die Sache ging gut, und kurz darauf konnte die Leitung geerdet werden.

Nachdem den Feuerwehr-Mitgliedern ihr eigener Einsatz noch einmal vor Augen geführt wurde, zeigte Kriminaldirektor Bernd Hackl auf, wie die Kripo während der Katastrophe gearbeitet hat. Denn: Man arbeitet zwar zusammen an einer Sache, hat allerdings andere Einsatzbereiche. Und so sagte Hackl auch: „Wir von der Kripo waren vor Ort gar nicht mit so vielen Beamten präsent. Wir waren oft woanders bei Ermittlungen unterwegs.“ Bedeutet – die Kripo-Beamten kümmerten sich um die Befragung von Bahnbediensteten, um Einsicht in die Fahrten-Protokolle der Züge, sprachen mit Leuten auf den Fahrdienststellen und überprüften alle Möglichkeiten, die zu dem Unglück hätten führen können. Schon schnell geriet der Fahrdienstleiter dabei ins Visier der Polizisten, um 14.55 Uhr am 9. Februar wurde er vorläufig festgenommen, am gleichen Tag jedoch wieder entlassen, da die Beweislage zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend war.

Parallel richtete die Polizei sehr schnell eine Service-Nummer ein, über die die Beamten rund 1.300 Anrufe entgegen nehmen mussten. Sie organisierte die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Betreuung von eintreffenden Politikern vor Ort.

20160209_100222Die eigentliche Ermittlungsarbeit zog sich vom Unfalltag über mehrere Wochen hinweg. In mühseliger Kleinarbeit wurde der Unfall rekonstruiert, nach zwei „Blackboxes“ wurde gesucht, zwei „Redboxes“ wurden gefunden – alle Daten mussten ausgewertet werden. Hackl dazu: „Da waren verschiedene Geräte von verschiedenen Firmen in den Zügen eingebaut, da war die Recherche nicht einfach.“ Außerdem wurden u.a. sämtliche verletzten Personen von den Beamten zum Unglück befragt und Gutachten von verschiedenen Behörden und Sachverständigen eingeholt.

Auch das Verhalten des beschuldigten Fahrdienstleiters, der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzt, wurde genau überprüft. Spezialisten konnten nachweisen, dass er bis kurz vor der Kollision aktiv auf seinem Smartphone gespielt hatte.

Doch alle kriminalistische Arbeit hätte nicht so reibungslos ablaufen können, wenn nicht alle Einsatzkräfte so kollegial zusammengearbeitet hätten, sowohl am Unglückstag als auch danach. Und so wandte sich Bernd Hackl auch als Privatperson an die Feuerwehrler und meinte: „Als Bürger sage ich danke!“

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