„Granteln für Anfänger!“

Warum Grant eine Kunstform ist, zeigt Jörg Herweg am 19. September und 1. Oktober

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„Granteln für Anfänger! Grumbling for beginners!“  – so heißt das Programm, das Jörg Herwegh am 19. September und 1. Oktober auf die Bühne bringt. „Er“ spricht durchaus oft mit seiner Frau. Diskussionstechnisch. „Sie“ wirft ihm gerne vor, „Er“ sei ein zwiderner Grantler. Das macht „Ihn“ glücklich. Denn wer glaubt, ein Grantler sei ein mürrischer, unzufriedener und humorloser Raunzer, der hat das wahre Wesen des Grants nicht verstanden.

Grant ist eine zur Kunstform erhobene Form des Widerstands. Das technische Rüstzeug bedarf langjähriger Übung. Allein durch die vollendete Beherrschung seiner Mimik drückt der Grantler perfekt seine Abneigung gegen einen „Schmarrn“ oder einen Deppen aus.

Dann das Granteln selbst, welches nur im bayerischen Dialekt möglich ist. Ein hochdeutscher Miesepeter ist nur negativ und mürrisch und hält lange Reden, um möglichst viele zu überzeugen. (In der Fachsprache „Clevershitting“ oder auch „Klugscheißerei“ genannt).

Das ist dem wahren Grantler fremd. In kurzen, wohldosierten Raunzattacken voll poetischer Wucht beweist er seine Kunstfertigkeit. Er findet dabei zu einer geradezu heiteren Gelassenheit, die Mitmenschen hinter dem Grantler-Gfries gar nicht vermuten. Der Grantler ist ein positiver Mensch. Er weiß ja, dass er Deppen und Schwachsinn nicht ändert. Darum will er auch niemanden überzeugen, sein Granteln ist eine solitäre und unabhängige Kunstform. Daher artikulieren sich die Großmeister des Grants gerne in unverständlichen Lauten, weil keine Diskussion erwünscht wird. Diese Unnahbarkeit hat  zu unrecht zum negativen Image des Grantlers geführt.

Hinter den kantigen Verwerfungen der Grantler-Mimik herrscht listig – spöttischer Humor. Wie ein unfehlbarer römischer Kaiser hebt oder senkt er den Daumen in der Arena, nur dass die Zielscheibe seines Grants nicht von einem Löwen zerrissen oder einem Gladiator erdolcht wird. Das Fällen eines absoluten Richtspruchs lässt keine Debatte über gerecht oder ungerecht zu. Der Grantler hat gegrantelt. Fertig. Die damit einhergehende befreiende Befriedigung machen IHN immun gegenüber depressiven Zuständen. Die unzähligen Lebensratgeber und Lebenshilfe-Kurse finden im Grantler keinen Kunden.

Jörg Herwegh lässt sich unter anderem aus über den Alltag und seiner Begleiterscheinungen wie Shopping, Entertaining, Social Networking, Hipping und Politics Making.

 

Dienstag, 19. September – 20 Uhr

Wasserburg, Hotel Paulanerstuben (Innsaal)

Sonntag, 1. Oktober

Wasserburg, LandWirtschaft Staudham (Theatersaal)

Vorverkauf: Buchhandlung Fabula, Wasserburg, Ledererzeile 23

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