Gab es an der Innschleife eine riesige Stadt?

Am Fletzinger Areal wird wieder gepinselt und geschaufelt - Ein Gespräch mit Stadtarchivar Matthias Haupt

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1238759_10201408187958077_20054816_nWasserburg – Dem wachsamen Auge von Anwohner Helmut Alzinger entgeht nichts: Am Fletzinger Areal, der größten Baustelle in der Altstadt, gibt’s offenbar wieder neue archäologische Funde. Das zeigen Alzingers aktuelle Fotos. Seit Ende letzter Woche sind neben den großen Baggern auch wieder Wissenschaftler mit Schäufelchen im Einsatz. Freigelegt wurden offenbar ein paar Feuerstellen aus längst vergangenen Zeiten. Ob da der Fletzi, der Mensch, dessen Skelett auf dem Areal gefunden wurde (wir berichteten), zu seinen Lebzeiten ein Süppchen gekocht hat? „Alles Spekulationen“, sagt Matthias Haupt, Wasserburgs Stadtarchivar und verweist auf einen wichtigen Termin: „Voraussichtlich Ende Oktober werden die Stadt und das Denkmalamt bei einem öffentlichen Infoabend über die Grabungsergebnisse berichten.“

„Wir planen einen öffentlichen Vortrag mit der Grabungsleiterin, Gwendolyn Schmidt sowie einem Vertreter des Landesamtes und sind gerade dabei, die Termine abzustimmen“, so Haupt. Trotz der Funde müsse man wohl die Stadtgeschichte nicht, wie es oft geheißen habe, komplett umschreiben. „Wir haben längst Belege dafür, dass es im Frühmittelalter an der Innschleife eine Besiedelung gegeben haben muss – der frühmittelalterliche Burgstall oberhalb Achatz sei ein Beispiel. Nach der ausstehenden Auswertung der Funde des Fletzingerareals durch die Fachleute müssten die Ergebnisse mit dem bisherigen Wissen in Beziehung gesetzt werden – sicher auch die frühe Herrschaftsgeschichte des Raumes anhand der schriftlichen Quellen nochmals genauestens wissenschaftlich untersucht werden. Man dürfe die jetzigen Funde nicht isoliert betrachten.

Die Stelle, an der in den letzten Monaten gegraben wurde und die bisherigen, schon bekannten Ergebnisse, findet Haupt „sehr spannend“. „Die Archäologen hätten sich wohl eher einen Ort im Zentrum der Stadt ausgesucht, wenn sie gekonnt hätten, weil man da natürlich die umfangreichsten Funde vermuten würde.“ Umso überraschender seien die Ergebnisse der Ausgrabungen an dieser, der alten Stadtmauer so nahen und damit vom Zentrum weiter entfernten Stelle. „Was da dann wohl alles in der Stadtmitte zu finden wäre? Wenn man’s einfach mal spaßeshalber hochrechnet, könnte man dann von einer fürs frühe Mittelalter riesigen Stadt ausgehen. Aber das ist jetzt natürlich reine Spekulation.“

Der Infoabend im Oktober zu der die gesamte Bevölkerung eingeladen sein wird, sei auf Initiative der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege geplant. Wohl Ende September, zum Jubiläum des Heimatvereins, stehe der Termin fest, sagte Haupt abschließend. Bis dahin müsse man sich aus verständlichen Gründen einfach gedulden. „Ist doch klar, dass das Denkmalamt nicht jeden Tag ein einzelnes Ergebnis präsentiert. Da würden die ja mit ihrer Arbeit nicht mehr fertig.“ (BS)

 

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