„Für eine bessere Patienten-Versorgung“

Hochschule Rosenheim: Neue Qualität in der Pflege - Forum zum Bachelor-Studiengang

„Wir brauchen Bachelor-Absolventen in der Pflege, die argumentieren können, was im Versorgungsprozess wichtig ist – was der Patient braucht und wie wir die erbrachte Qualität nachweisen können. Kosten und Qualität müssen sich nicht widersprechen.“ Das sagte jetzt bei einem Forum am Campus Mühldorf der Hochschule Rosenheim Günter Milla von der Leitung am Klinikum Schwabing. Er sprach sich klar für hochschulisch-ausgebildete Pflege-Experten aus – für mehr Qualität. Quasi weg von einem „Des hamma aba immer scho so gmacht“ …

Unser Foto zeigt von links die Gastgeber und Referenten: Prof. Dr. Katharina Lüftl, Prof. Dr. Martin Müller aus Pfaffing (beide Hochschule Rosenheim), Lena Heylemann (Katholische Stiftungsfachhochschule München), Sabine Balzer (kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg), Prof. Dr. Michael Simon (Universität Basel) und Prof. Heinrich Köster, der Präsident von der Hochschule Rosenheim …

Die erfolgreiche Einmündung der Absolventen des dualen Bachelorstudiengangs Pflege in die berufliche Praxis ist ein zentrales Anliegen der Hochschule Rosenheim. Die ersten Absolventen werden ab Herbst 2019 ihre Rolle als hochschulisch-ausgebildete Pflege-Experten wahrnehmen.

Damit sich Führungspersonen von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen frühzeitig über die Studienziele, über etablierte Konzepte und Forschungsergebnisse zur beruflichen Einmündung informieren, hatte die Hochschule zum „Forum Berufliche Einmündung von Bachelorabsolventen in der Pflege“ an den Campus Mühldorf eingeladen.

Prof. Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosenheim, begrüßte zu dieser ganztägigen Veranstaltung 40 Gäste aus der Region, um den Dialog zu diesem wichtigen Thema zu beginnen. Seit Oktober 2015 wird am Campus Mühldorf der duale Bachelorstudiengang Pflege angeboten.

Über die wesentlichen Ziele des Studiengangs berichteten die Studiengangsleitung Prof. Dr. Katharina Lüftl und ihr Kollege Prof. Dr. Martin Müller.

Prof. Dr. Michael Simon vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel und Bereichsleiter Universitäre Forschung Pflege am Inselspital Bern stellte das dort etablierte Einmündungskonzept „Akademie-Praxis-Partnerschaften“ dar. Er zeigte detailreich, wie hochschulische Bildung von Pflegenden eine bessere Patienten-Versorgung ermögliche, die Versorgungsqualität nachweislich erhöhe und eine Einrichtung für Pflegende zu einem überaus attraktiven Arbeitgeber mache.

Prof. Simon betonte, dass eine erfolgreiche Praxisentwicklung durch enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Pflegepraxis möglich ist.

Diplom-Pflegepädagogin Sabine Balzer, Schulleitung der Berufsfachschulen für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg, beleuchtete in ihrem Vortrag die Chancen für Organisationen, wenn diese hochschulisch ausgebildete Pflegende in ihre Pflegeteams integrieren. Sie stellte das Konzept der „Nursing Development Units“ vor: Arbeitskreise, in denen Studierende frühzeitig beruflich und wissenschaftlich sozialisiert werden, um sie dauerhaft für die Qualitätsentwicklung von Einrichtungen zu gewinnen.

Lena Heyelmann, Referentin im Fachbereich Pflege der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, stellte Ergebnisse ihrer Studie zu den Erwartungen der Arbeitgeber im Altenpflegebereich vor. Ihre Ergebnisse zeigen einen großen Informationsbedarf der Arbeitgeber darüber auf, dass die Studierenden für eine Tätigkeit in der direkten Pflege qualifiziert werden und unterstrichen damit die Bedeutung des Forums.

In der abschließenden Plenumsdiskussion wurde deutlich, dass die Teilnehmer große Hoffnungen in die Bachelor-Absolventen setzen und ihre Fähigkeiten für die Pflegepraxis als wichtige Bereicherung betrachten. Dabei wurde beispielsweise die Fähigkeit zur Recherche wissenschaftsbasierter Handlungsstrategien und zum kritischen Hinterfragen historisch gewachsener Pflegerituale hervorgehoben.

Deutlich wurde aber auch, dass die ersten Absolventen von klinisch orientierten Bachelorstudiengängen in der Pflege Unterstützung von Seiten der Einrichtungen benötigen, damit sie zu einer neuen Pflegequalität beitragen können. 

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7 Gedanken zu „„Für eine bessere Patienten-Versorgung“

  1. Super, jetzt auch noch einen Studiengang anbieten in einem Bereich, wo Arbeitsbedingungen und Bezahlung unterirdisch sind.

    Wann fangen die Damen und Herren da oben eigentlich mal an, den Beruf attraktiv zu machen durch bessere Besetzung und eine Gehaltssteigerung von mindestens 50 % aufzuwerten?

    Der Bachelor-Pfleger hilft nämlich niemandem, wenn es keine Menschen mehr gibt, die das, was er sich ausdenkt, durchführen!

    Seit Jahrzehnten redet man davon, dass es zu wenig Pflegekräfte gibt, was hat man getan, nichts außer gejammert!

    Warum soll ein junger Mensch einen Beruf ergreifen, wo sowohl der Bandscheibenvorfall und später nicht von der Rente leben können, als auch regelmäßige Überstunden vorprogrammiert sind?

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  2. Ich finde es toll, wenn die Pflege reformiert wird.
    Aber ich habe zwiespältige Gefühle, wenn das Leute tun, die zwar eine Uni von innen kennen, aber keinen Pflegefall in Extremsituation erlebt haben (zum Beispiel von oben bis unten mit den eigenen Ausscheidungen verschmutzt).
    Hier helfen keine Pflegeprozesse, da hilft nur zupacken.

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    1. Ich kann beiden Kommentatoren nur voll und ganz zustimmen. Vor langer Zeit, als ich mich Praktikum für die Krankenpflege befand, da schenkte mir eine sehr erfahrene Pflegekraft ein Buch mit dem Titel: Pflegen mit Herz und Verstand. Es hat mich während meiner gesamten Ausbildung begleitet. Heute muss ich, zum Teil, mit Schrecken erkennen, dass zwar viele der jungen Menschen einen Hochschulabschluß haben, die Menschlichkeit dabei leider aber oft zu kurz kommt. Und der Krankenpflegeberuf ist wahrlich alles andere als lukrativ. Doch freue ich mich über jeden jungen Menschen, der ihn bewußt ergreift und (auch ohne Bachelor oder Master) in erster Linie dem Menschen helfen will. Frei nach dem Motto: Gesundheit fördern und erhalten. Leider aber stehen heute viele nichtpflegerische Tätigkeiten im Vordergrund (Datenerfassung,etc.) und der Patient ist oftmals nicht im Mittelpunkt. Mit ganzheitlicher Pflege hat das oft nur sehr wenig zu tun. Was würde wohl Florence Nightingale zu dieser Entwicklung sagen?

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  3. …..des ham ma immer scho so gmacht!

    Dass man in die Pflege Neuerungen einführen könnte und sollte, das wissen auch die Pflegenden, die seit Jahren auf den Stationen und in den Einrichtungen ihren Dienst tun! Wenn sich aber nur 2 Pflegende pro Schicht um 20 oder mehr Patienten kümmern müssen, dann Hilft auch kein Studium! Oder ist im Studiengang ein Semester Holzbearbeitung integriert, um sich gute Pflegende zu schnitzen???? Hierzu müssten ebenso erst von den armen Kassen und Trägern Gelder zu Stellenschaffung locker gemacht werden!

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  4. Gehts nun wieder nur darum, nach aussen zu zeigen, dass sich neue Berufs-Studienmöglichkeiten in der Pflege auftun und somit ja „aktiv was zur Besserung der Situation getan wird“???
    Die Frage, die sich mir stellt ist, ob Bachelor-Pflege-Absolventen, es schaffen, die „Oberen“ zu überzeugen, dass mehr in gutes Personal investiert werden muss, um die Freude und das Ansehen des Berufes anzuheben (Generationen von Krankenschwestern an „forderster Front“ haben es bisher ja leider nicht vermocht!) ???

    Nach wie vor – tendenziell immer schlimmer werdend, eigentlich – ist ja für MDK und Krankenkassen der von den Kliniken gern tutulierte „Mittelpunkt Mensch“ nur ein krankes Bein oder ein krankes Organ, aber kein Mensch mit Herz und Seele.

    Ja, wenn ein Bachelor da ein Umdenken bewirken könnte – hätte er seinen guten Zweck erfüllt. Andererseits, eine Klinikleitung weiß doch genau um die Probleme und Entwicklungen im Haus und das nicht erst seit gestern, das trifft im selben Maße auf die Politik zu.

    Da hätte man sich schon bei Zeiten mal was überlegen können. Aber ein neues Studium aus dem Boden zu stampfen, ist natürlich eleganter.

    Hoffen wir einfach, dass es besser wird und sich die neuen „studierten Pfleger“ nicht wieder unterordnen müssen. Und hoffen wir, dass aus dem Gedanken der „besseren Pflege“ nicht nur wieder ein neues schön gerahmtes Bild im Wartebereich von Kliniken wird oder der Bachelor-Absolvent zum Aufpasser mutiert, der die Synergieeffekte der knapp bemessenen Pflegekräfte austüfteln darf, bis diese endgültig die Segel streichen.

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  5. Hier kann man eigentlich nur eine Frage stellen!
    Warum hören in diesem Beruf soviele Personen nach ihrer Ausbildung auf und machen etwas anderes?
    Ich habe noch eine zweite.
    Warum sind gerade im Pflegbereich soviele Personen alleinstehend?
    Und warum haben viele Mitarbeiter im Pflegebreich noch einen zweit Job?
    Das können uns bzw. dem Pflegepersonal dann mit Sicherheit die Damen und Herren mit dem Bachelor für den Studiengang Pflege erklären.
    „Des hamma aba immer scho so gmacht“ Mit großer wahrscheinlichkeit wird sich dann in der Pflege was grundlegendes ändern. Die Männer werden dann nicht mehr von oben oder unten rasiert sondern von links nach rechts, un der Popo ist schneller gegen den Uhrzeigersinn als mit dem Uhrzeigersinn saubergemacht. Merken Sie was?
    Ich jedenfalls habe ganz großen RESPEKT vor den Menschen die diesen Beruf ausführen und sich oft mit viel Liebe um dies Menschen kümmern.
    Aber ein Studiengang ist wichtig?

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    1. Ich bin froh, dass mich hier die Anonymität schützt.

      Ich bin Pfleger. Im fortgeschrittenen Alter. Wenn ich an meine Zukunft denke, werde ich depressiv.

      Ich bin zuständig für Schwerstkranke. Aber ich verdiene so wenig (trotz 100 Prozent Beschäftigung), dass ich davon nicht leben kann.

      Jeden Monat die Angst, dass keine Reparatur oder sonst was dazwischen kommt. Wenn doch, versuche ich über Ebay lieb gewonnene Sachen zu verkaufen, um es irgendwie zu schaffen.

      Oft nehme ich die hammerharten Schicksale und, ja, auch die ekligen Seiten der Pflege mit nach Hause.

      Es gibt für mich aber keine Supervision oder andere Gesprächsangebote, um damit fertig zu werden. Oft weiß ich nicht, wie lange ich das noch schaffe.
      Das ist auch die Pflegebranche Deutschland im Februar 2017.

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