Es hat sich ausgespuckt

Aus dem Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (XXI)

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Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Monaten da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. „Hille”, wie wir sie liebevoll nennen, berichtet jede Woche von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin. Heute: Für Hiltrud hat sich’s ausgespuckt… www.wasserburger-stimme.de …

Sie müssen jetzt ganz tapfer sein. Der Franz und ich, wir waren nämlich schon verdammt tapfer. Seit dem Wochenende haben wir Gewissheit: Es wird keinen kleinen Franzi geben. Im Krankenhaus hat man mir gesagt, dass sowas ganz oft passiert und dass ich mir keine Sorgen machen muss, wenn es beim ersten Mal nicht hinhaut mit der Schwangerschaft. Der Arzt meinte sogar, dass wir es doch einfach noch mal probieren sollen…

Aber der Franz und ich haben beschlossen, dass wir es gut sein lassen. Wir haben ja uns und die eifersüchtige Püppi und wir kennen uns doch noch gar nicht so lang. Und die Tatsache, dass der Franz und ich ja schon stramm auf die 50 zusteuern, das macht die Angelegenheit auch nicht gerade leichter.

Es hat halt nicht sollen sein. Die Mutter vom Franz zeigte ausnahmsweise Gefühl, indem sie mich mitleidig herzte und mir einen warmen Apfelstrudel mit auf den Heimweg gab. „Du muasst jetzt stark bleim!“, so ihr weiser Ratschlag. Das Mitgefühl nehme ich ihr zwar nicht wirklich ab, aber die Tränen sind mir trotzdem gekommen.

Die Spuckerei hat schlagartig ein Ende gefunden, dafür lässt sich der Tränenkanal nicht mehr schließen. Das braucht halt seine Zeit, meint der Franz.

Ich habe mir auch sagen lassen, dass Kinder für viele Frauen das Karriere-Ende bedeuten. Gerade jetzt, wo meine Chefin sich so um mich bemüht hat und auch die Kolleginnen mit meiner Münsteraner Art klar kommen. In der Metzgerei wäre ich als Teilzeit-Tussi nicht mehr aus der Kühlkammer rausgekommen und würde mich mit den Kolleginnen über Babygebrüll, Windelsorten oder Einschlafmodalitäten unterhalten.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Für einen Moment wäre ich schon gerne Mutter geworden und hätte mit dem Franz am gemeinsamen Lebensabend geschraubt. Aber jetzt kam es halt anders und der liebe Gott wird schon wissen, warum das jetzt so ein jähes Ende genommen hat mit dem Kindertraum.

Ich bin fast 45, kinderlos und trotzdem sehr glücklich. Und den Gedanken, mit dem Franz in Oibich ein Haus auf dem Grundstück seiner Eltern zu bauen, den fand ich von vornherein wenig inspirierend. Ich liebe meine kleine Wohnung in der Lederererzeile, ein Gläschen Eierlikör nach Feierabend, enge bunte Leggings und sonntags den Tatort mit einer Tüte Erdnussflips und einer Flasche Prosecco.

Keine Sorge also, liebe Freunde, Hille bleibt Hille!

P.S.: Und das mit den Baby-Tränen, das krieg ich auch noch in den Griff.

 

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