Eröffnung mit Musiktheater-Uraufführung

Belacqua-Spielzeit 2014/15: „Mindestens haltbar bis“

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_BEL5309_k„Mindestens haltbar bis“ lautet die Überschrift für die Spielzeit 14/15 am „.theater wasserburg“. Für manches ist eben irgendwann die Zeit abgelaufen. Anderes hat länger Bestand. Ein paar Grundfragen unseres menschlichen Daseins zum Beispiel. Fragen, die am Theater immer wieder neu aufgeworfen werden – ob nun auf Basis älterer oder neuerer Werke. In diesem Sinne gibt es am Theater Wasserburg in dieser Spielzeit einige Wiederaufnahmen. Los geht‘s im September mit „Misery‘s the river of the world“.

2011 hatte „The Black Rider” in Wasserburg Premiere, 2012 „Alice”, 2013 „Woyzeck” (Foto). Damit hat Regisseur Uwe Bertram alle drei Waits/Wilson-Produktionen in direkter Folge inszeniert. Das ist bislang einzigartig im deutschsprachigen Theaterraum. Vollendet wurde die „Trilogie der Zauberstückchen”, wie Egbert Tholl in seiner Kritik vom 30. Januar 2013 in der SZ schrieb, „mit traumhaft suggestivem Musiktheater”.

Was so mit „Woyzeck“ seine Erfüllung fand, hatte 2011 mit „The Black Rider“ begonnen. Seither schraubten Theaterleiter und Regisseur Uwe Bertram und der musikalische Leiter Georg Karger an einer gemeinsamen Übersetzung der Waits-typischen Stimmung und Kraft. Für Uwe Bertram war vor allem die Suche danach interessant, was die Macher Tom Waits und Robert Wilson dazu bewogen haben könnte, genau diese drei Stücke zu machen. Gemeinsam mit Dramaturgie und Ensemble fand er ein übergreifendes Thema: Eigenverantwortung. Drei Stücke, drei Individuen, eine Fragestellung: Wer ist für das eigene Handeln verantwortlich? Ein Gott oder ein Teufel, die Gesellschaft, Umstände? Kann man tun, was man will, weil man ja eh nicht anders kann? Töten zum Beispiel? Man ist ja gar nicht selbst schuld. Oder?

Aus diesen Fragestellungen heraus entstanden Welten, die schon für die Jury der 30. Bayerischen Theatertage in Augsburg vor zwei Jahren den Ausschlag für einen Preis gegeben haben. Da war es die Welt von „The Black Rider“, die sich die Jury „in keinem Detail anders vorstellen“ wollte. Dann kam „Alice“: ein Stück, das den inneren Kosmos von „Alice im Wunderland“-Autor Lewis Carroll beleuchtet. Im Sinne dieses Autors entsteht laut Kritiker Rainer W. Janka eine „Odyssee durch Träume und Nonsens“, mit einer Musik, die mit „liebender Hingabe und fiebrig-intensiver Genauigkeit“ gespielt wird. Und bei „Woyzeck” setzt sich das laut dem Kritiker fort: „Die Schauspieler sprechen den Büchner-Text (…) grausam gestanzt, geradezu tödlich genau artikuliert und in didaktischer Langsamkeit. So wächst diesem (…) eine bedrohliche Wahrheit zu.“

Nun kommen zur Spielzeiteröffnung 14/15 alle drei Stücke am Stück zurück – im Sinne einer Uraufführung. Im „.theater wasserburg“ sind die drei Produktionen, die unter dem Titel „Misery‘s the river of the world“ als Trilogie zusammengefasst sind, also in direkter Abfolge an einem Wochenende zu erleben: „The Black Rider” wird am Freitag, 26. September, gezeigt, „Alice” am Samstag, 27. September, und „Woyzeck” am Sonntag, 28. September. Am ersten Oktoberwochenende wird die Trilogie nochmal so gezeigt: „The Black Rider“ am Freitag, 3. Oktober, „Alice“ am Samstag, 4. Oktober, „Woyzeck“ am Sonntag, 5. Oktober. Die Vorstellungen am Freitag und Samstag beginnen um 20 Uhr, die Vorstellung am Sonntag um 19 Uhr.

Es folgen Wiederaufnahmen von „Johan vom Po entdeckt Amerika“ (ab 10. Oktober), von „Mist. es könnte schlimmer sein.“ (ab 24. Oktober) und von „Kafka“ (ab 14. November). Eine Neu-Inszenierung von „Arsen und Spitzenhäubchen“ steht ab 28. November als Winter-Komödie auf dem Spielplan. Für die ganze Familie – mit Kindern ab 5 Jahren – ist „Spatz Fritz“ ab 7. Dezember zu sehen. Die Geschichte des in Wasserburger geborenen Autors Rudolf Herfurtner inszeniert Jörg Herwegh. Für Kindergärten und Schulen gibt es zwischen 8. und 19. Dezember Vormittags-vorstellungen je nach Gruppen-Buchung über Telefon 08071/597345 oder E-Mail semmler@belacqua.de.

Auch Gäste sind im Herbst am Haus: Das Metropoltheater zeigt im November nochmal „Schuld und Schein. Ein Geldstück“. Diese Produktion in der Regie von Jochen Schölch hatte bei den 10. Wasserburger Theatertagen den Inszenierungs-Preis gewonnen. Ebenfalls zu Gast ist die „Theaterlust“ mit der Komödie „Gretchen 89ff“.

Der zweite Teil der neuen Spielzeit – ab Januar 2015 – wird unter anderem mit dem Gymnasium Wasserburg, mit Borchert und mit den 11. Wasserburger Theatertagen bestückt.

Kontakt, weitere Informationen und Karten über www.belacqua.de. Büro: Telefon 08071/597345. Kartenvorverkauf über Buchhandlung Fabula Wasserburg, Kulturpunkt Isen und Kroiss Ticketzentrum Rosenheim.

 

Foto: Christian Flamm

 

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