Eine Frau mit Persönlichkeit

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (IV)

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Fashion models. Sketch.Wasserburg – Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Wochen da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. Zum Beispiel: Wie man sich in Wasserburg einen Mann angelt. Immer freitags wird Frau Sander jetzt von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin berichten. Ihr neuester Bericht auf www.wasserburger-stimme.de:

Wo waren wir nochmal stehengeblieben? Ach ja, die Altersvorsorge. Sinnlos und völlig überbewertet muss ich inzwischen bekennen. Wie´s zu meinem Sinneswandel kommt? Nun, ich habe einen Termin bei meiner Bank wahrgenommen… mit dem Berater meiner Wahl und mit dem Ziel vor Augen, diesen feschen Mann zu erobern! Jeden Tag, pünktlich 12 Uhr, reichte ich ihm die Leberkässemmel über den Tresen. Seit mittlerweile drei Monaten, souverän und routiniert, gelernt ist gelernt. Unsere Blicke berührten sich täglich und ich wollte meinen Hintern darauf verwetten, auch ihm stand der Sinn nach „ein bisserl mehr“.

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Eine Frau mit Persönlichkeit muss Farbe bekennen! Ich entschied mich an diesem sonnigen Herbstmorgen für eine mutige Kombination in brombeere und sonnengelb. Die Knie keck freigelegt, das goldene Haar peppig in Form geföhnt, eine satte Portion Rouge auf den Wangen und die Lippen großzügig geglosst, spazierte ich in das Foyer meiner Bank. „Ich habe einen Termin mit Herrn Rüpelmann!“ Selbstbewusst und erhobenen Hauptes verlangte ich nach dem Objekt meiner Begierde. Altersvorsorge … na, wenn das mal nicht symbolträchtig klang! Ich glühte vor Verlangen, als man mich in das Büro des dynamischen Zweigstellenleiters führte.

„Herr Rüpelmann, Frau Sander wäre nun da!“ Elegant in einen dunklen Anzug gepackt und schwer konzentriert, studierte mein Liebesgott irgendwelche Tabellen. Also, man kann ja nicht immer ein Gesicht wie ein Honigkuchenpferd machen, so süß und so glücklich, aber ein wenig mehr Begeisterung hätte ich mir schon erwartet. Dieser Mann dachte nach… und so sah er eben auch aus: Nachdenklich. Meine Augen scannten derweil den Schreibtisch um Indizien für eine etwaige Konkurrenz zu finden. Kinderbilder! Nicht ein, nicht zwei, nein satte drei Mal hatte dieser Mann sich bereits reproduziert. Zu den rosigen Kindergesichtern gesellte sich liebevoll eingerahmt die fruchtbare Gattin vom Typ bebrilltes Hausmütterchen. Dieser gierige Dschinghis Khan! Meine rouge-getränkten Wangen glühten, mein Puls raste, der Körper zitterte. Wie konnte dieser Schuft nur einen solch intimen Termin mit mir vereinbaren und parallel mit dieser – mir fehlen die Worte – eine Art Kinderkrippe gründen!!!

Wenn ich Ihnen sage, dass mir als gelernter Fleischereifachverkäuferin in diesem Moment die Tofu-Blässe im Gesicht stand, dann bedeutet das Alarmstufe Rot. Dieser Gigolo! Na warte, bis du mich morgen wieder gekonnt mit Fleisch und Wurst hantieren siehst und ich dir Schmackhaftes aus meiner Manufaktur über den Tresen reiche. Dann wirst du mich aus deinen treulosen Ehemannaugen anstarren und es bitter bereuen, so unüberlegt mit diesem langweiligen Reh eine Art Hasenfamilie gegründet zu haben. Was darf´s denn heute sein, Herr Rüpelmann? Kochwürste, Bratensülze, Kalbskopf, Kaminwurzen, Bauernwurst oder Weißwürste…kesselfrisch und vorgebrüht! „Eine Leberkässemmel zum Mitnehmen…ohne Senf“, wirst du wie jeden Tag mit deiner unerotischen Grunzstimme sagen. Ohne Senf, gähn…ich hab doch wirklich was Besseres verdient!

Und außerdem? Der Nächste bitte!

Herzlichst,

Ihre Hille

 

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