Eine Büttenrede in der Kirche

Pfaffing: Unvergesslicher Gottesdienst für Groß und Klein mit viel Beifall

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Eine Büttenrede in der Kirche? Ja, die gab’s in Pfaffing! Und Luftballons und Kostümierte dazu! Michael Kafka hatte sich für seine ungewöhnliche Predigt die Arbeit in Reimform gemacht und erntete große Begeisterung dafür. Die Pfaffinger Kirchgänger konnten es erst kaum glauben – viele Kinder und einige mutige Erwachsene kamen verkleidet in die Kirche. Unter dem Motto: „Weil Gott uns liebt, wie wir sind – vor ihm brauchen wir uns nicht verstecken“ fand ein Familiengottesdienst in der Pfaffinger Kirche Sankt Katharina statt, der ziemlich unvergesslich bleiben wird …

Es ging nicht darum, den Fasching in die Kirche zu holen, sondern vielmehr zum Ausdruck zu bringen, dass Christen Grund zur Freude haben und es gut tue, auch mal über sich selbst zu lachen, so das Organisations-Team.

Im Predigtspiel verdeutlichten die Kinder, warum sie gerne einmal in eine andere Rolle schlüpfen würden:

Als Prinzessin müsste man nicht immer sein Zimmer aufräumen, Hausaufgaben machen und zu Hause helfen, sondern würde von allen bewundert und bedient werden.

Der Clown stellte fest, dass viele Leute immer sehr ernst wären, als ob es nichts Schönes auf der Welt gäbe und möchte am liebsten alle zum Lachen bringen.

Krieg, Gewalt, Ungerechtigkeit und alles Böse würde der Zauberer kurzerhand wegzaubern.

Als Indianerin könnte man viele Abenteuer erleben und wäre sehr mutig, auch wenn man im echten Leben vielleicht etwas schüchtern und ängstlich ist.

Dass sich vor Gott niemand verstellen brauche und jeder den Mut haben dürfe, Gefühle und Schwächen zu zeigen und seinen eigenen Weg zu gehen, das wurde im Gottesdienst in Pfaffing deutlich.

Die Idee von Pfaffings Pfarrer Josef Huber für den Gottesdienst am Faschingssonntag setzte das Familiengottesdienst-Team mit den mitwirkenden Kindern großartig anschaulich und kurzweilig um.

Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Kinderchor um Umi Horiguchi.

Die gereimte Büttenrede von Pfaffings Gemeindereferent Michael Kafka (unser Foto) wurde in der Kirche spontan mit starkem Applaus belohnt.

Hier der genaue Wortlaut der gereimten Predigt als Büttenrede:

So mancher stellt sich dieser Tage
in unserm Land die bange Frage,
was heißt für mich ein Christ zu sein?

Bin ich nicht einsam und allein?
So viele sagen: Mit Kirche und Religion
hab ich lieber nichts zu tun.
Da gibt es nichts als Langeweile,
die Musik, die ist auch nicht schön,
was der Pfarrer sagt, ich auch nicht teile
warum soll ich zur Kirche gehen?

Lies ich die Zeitung, ist´s nicht anders,
das Bild zeigt sich hier allgemein:
Kirche ist der größte Spaßbremsenverein.

Doch dieses Bild geht mir nicht ein,
ich leb doch hier in der Pfarrei,
und bin mit Freude hier dabei!
Drum sag ich laut. was ich dazu mein:
Es macht Spaß, ein Katholik zu sein!

Wir haben doch bei uns Katholiken
so viel Schönes für alle zu bieten!
Unsere Kirchen voller Pracht,
dass vor Staunen mancher den Mund aufmacht.

Denk doch mal was der Tourismus zu bieten hat,
gäb´s nicht die Kirchen in Land und Stadt?
Für jeden Anlass findet jedermann
einen Ort, der passt,
wo Feierlich begangen werden kann
was Herzen höher schlagen lässt:

Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit –
die Kirche ist für Sie bereit.
und zaubert, so wie es jeder kennt,
für jeden Anlass den passenden Event.
Da kann man sich des Lebens freun.
Es macht Spaß, ein Katholik zu sein.

Und zu allen Lebenslagen
hat die Kirche was zu sagen!
In jeder Hinsicht hilft sogar
eine riesengroße Heiligenschar.

Ist so manches Ding verschwunden,
St. Antonius hat´s wieder gefunden .
Hast mit dem Halse du Verdruss,
hilft dir der Heilge Blasius.
Ist die große Liebe mal dahin,
wende dich an St. Valentin.

Geht’s um das liebe Vieh im Stall,
St. Leonhard hilft allemal.
Wenn Hausmusik dir auf die Nerven geht,
schick St. Cäcilie ein Stoßgebet!
Und strebst du einen Neubau an,
hilft garantiert St. Florian.

Ist deine Frau mal wieder malad,
wend dich an St. Hildegard.
Machen Behörden dir Verdruss,
bete zum Heiligen Bürokratius.

Ich weiß nicht wirklich, ob´s ihn gibt,
doch ist er dennoch sehr beliebt.
Was auch immer helfen kann,
die Heiligen packen für dich an,
du kannst dich des Lebens freun.
Es macht Spaß, ein Katholik zu sein.

Nun, bei aller guten Laune, auch bei uns gibt es Verdruss.
Ein Katholik doch nicht verzagen muss.
Denn er holt flugs aus seinem Keller
gar manchen Stimmungsaufheller.

Die Mönche haben´s früh erkannt.
War´n und sind für ihre Kunst bekannt,
den Weinanbau sie kultivierten,
das meiste davon selbst probierten.

Die braven Mönche und auch Nonnen
und fühlten überirdische Wonnen.
Und reichte das nicht, gab es auch
wirkungsvoll den Weihrauch.
In guten Klöstern ward und wird
manch´ Kraut und Frucht fein destilliert,
was Hals und Magen Wohlsein gibt,
auch unser Pfarrer das sehr liebt.

Selbst in der Fastenzeit,
bald ist´s ja wieder soweit,
bangen wir Katholiken natürlich nicht,
weil Flüssiges das Fasten bricht.
Als Abhilfe da haben wir
unser beliebtes Fastenbier!
Sowas gibt´s bei uns allein:
Es macht Spaß ein Katholik zu sein.

Weil vom Fasten ich grad sprach:
Es bereitet manchem Ungemach,
dass es in der Kirche so viele Regeln und Gebote gibt.
Diese sind nicht sehr beliebt.

Doch wo Regeln geben festen Rahmen,
gibt es umso mehr Ausnahmen.
Drum ist bei Katholiken sehr verbreitet,
dass man anderen den Tisch bereitet
in der Fastenzeit ist nämlich Brauch:
Fremder Tisch bricht Fasten auch!

Am Freitag kommt auf unsern Tisch
kein Fleisch nicht – sondern Fisch.
Wer keinen Fisch mag, der sagt fein,
wickel ich mein Fleisch in Teig hinein.
Denn Mehlspeis, die ist ja erlaubt,
froh ist, wer katholisch glaubt!

So muss uns niemals bange sein,
es macht Spaß, ein Katholik zu sein.

Drum, liebe Kinder, wenn ihr heut
im Fasching gern wer andrer seid,
weil ihr träumt, dass man dann,
viel mehr Tolles machen kann,
so ist das gut, denn irgendwie
hilft oft auch schon die Phantasie,
dir in deinem Leben
neue Kraft und Schwung zu geben.

Doch wenn der Fasching ist vorbei
und all die fröhliche Narretei,
gibt´s anderes was wichtig ist:
Dass du wieder du selber bist.
Und in dir spürst, da ist noch mehr,
es ist einer da, der liebt dich sehr.

Darüber kannst du dich dann freun,
brauchst niemals es bereun.
Zu deinem Glauben heut zu stehen
und sonntags in die Kirch zu gehen.
Von Gottes Liebe will ich künden.
Hier kannst du immer Trost und Freude finden.

Der Glaube hilft uns, Groß und Klein,
ein froher, guter Mensch zu sein.
Drum stimmt jetzt alle fröhlich ein:
Es macht Spaß, ein Katholik zu sein!

Michael Kafka, Pfaffing

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