Ein schmerzlicher Schritt

Kapuziner und Klarissen-Kapuzinerinnen von St. Sebastian verlassen Rosenheim

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marinusDie Nachricht wurde gestern und heute in den Gottesdiensten von St. Sebastian in Rosenheim durch Bruder Marinus Parzinger (unser Foto) mitgeteilt: Die Kapuziner und Klarissen-Kapuzinerinnen von St. Sebastian werden die Stadt zum Jahresende verlassen. Die Kapuzinerpatres sollen aufgeteilt an anderen bayerischen Niederlassungen des Ordens eingesetzt werden. Die Klarissen-Kapuzinerinnen werden ihr Apostolat der Ewigen Anbetung deshalb in Bad Adelholzen fortführen. „Leider sind unsere Bemühungen, die Gemeinschaft zu stärken, gescheitert. Das ist schmerzlich, denn Rosenheim war und ist ein Ort, an dem unser Orden …

… das Wohlwollen der Menschen erfahren hat“, sagt Bruder Marinus „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir bedauern sehr, dass wir uns aus Rosenheim zurückziehen müssen.“

Wesentlicher Grund sei der Mangel an Berufungen, so der Provinzialminister: „Wir würden uns etwas vormachen, wenn wir meinten, wir könnten alle Klöster so fortführen, wie wir es bisher kennen. Wir können Schließungen leider nicht vermeiden.“

Die Kapuziner von St. Sebastian sind in der Seelsorge tätig; sie feiern Gottesdienste, wirken als Beichtväter und unterstützen die Seelsorgearbeit in den umliegenden Pfarreien. In Rosenheim war der Orden bereits von 1606 bis zur Säkularisation 1803 vertreten, seit 1856 gibt es das Kloster bei der Kirche St. Sebastian in der Nähe des Friedhofs, zu dem aktuell drei Ordensmänner zählen.

Seit 1986 leben in dem Kloster bei St. Sebastian auch Klarissen-Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung. Ihr Apostolat sind der Lobpreis Gottes und das Gebet für Kirche und Welt, die sie gemeinsam mit den Gläubigen in der eucharistischen Anbetung verwirklichen.

„Die Schwestern waren eine verborgene Oase für die vielen Menschen, die in ihren Nöten Rat und Orientierung suchten. Die Begleitung zur Persönlichkeitsstärkung und Glaubensorientierung war sehr geschätzt“, sagt Äbtissin Schwester Renate M. Tiefenthaler.

Durch den Weggang der Kapuziner müssen auch die derzeit drei Klarissen-Kapuzinerinnen Rosenheim verlassen. Sie gehen gemeinsam nach Bad Adelholzen, Landkreis Traunstein, dem Standort der Schwesternheime der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul. „Wir bedauern außerordentlich, dass wir Rosenheim verlassen müssen“, so Schwester Renate. „Gleichzeitig sind wir den Barmherzigen Schwestern dankbar, die uns ermöglichen, unser Apostolat eigenständig weiterzuführen.“

Auch das Erzbistum München und Freising bedauert den Entschluss der beiden Ordensgemeinschaften, Rosenheim zu verlassen. „Ihr Wirken hat das geistliche Leben in der Stadt mitgeprägt“, sagt Prälat Lorenz Kastenhofer, Leiter der Hauptabteilung Liturgie und geistliches Leben im Erzbischöflichen Ordinariat München. „St. Sebastian war ein Ort der Anbetung, der Sammlung und Stille, aber auch ein Ort, an dem zahlreiche Menschen Hilfe und Zuspruch erfahren haben.“

Gleichzeitig respektiert das Erzbistum die Entscheidung: „Angesichts der sinkenden Zahl von Berufungen ist es gut, wenn Ordensgemeinschaften bewusst und in einem intensiven geistlichen Prozess die Weichen für ihr zukünftiges Wirken stellen.“

Nach dem Weggang der Ordensleute werde es nötig sein, Ideen zu entwickeln, wie das Klostergebäude und die Kirche weiter genutzt werden könnten, die den Ordensgemeinschaften durch das Erzbistum überlassen worden waren.

1986 wurde das Kloster aufgeteilt. Den Hauptteil bewohnen Klarissen-Kapuzinerinnen aus Melville, Südafrika. Hauptaufgabe der Schwestern ist die Anbetung des Allerheiligsten bei Tag und bei Nacht. Sie arbeiten in Kirche und Sakristei, verrichten ihre Haus- und Gartenarbeit und sind auch künstlerisch tätig. Der kleine Kapuziner-Konvent bewohnt den Osttrakt des Gebäudes.

Geschichte des Klosters Rosenheim

Mit Erlaubnis Herzog Maximilians I. initiierte der Rosenheimer Bürger Martin Papin, dass in Rosenheim ein Kapuzinerkloster errichtet wird. Am 4. Mai 1606 kamen dreizehn Patres, die den Grundstein legten. Der Stifter Papin erlebte die Fertigstellung der Gründung nicht mehr. Am 14. Oktober 1607 erhielt die Kirche die Weihe durch den Weihbischof Bartholomäus Scholl von Freising. Die neue Klosterniederlassung zählte 27 Zellen, vier Gastzimmer und eine Armenstube. Anfangs war dort auch das Noviziat für die Bayerische Provinz angesiedelt, zugleich waren acht Theologiestudenten dort untergebracht.

Gefragt waren die Kapuziner als Beichtväter, als Prediger und Krankenkuraten. Unvergessen blieb ihr Einsatz während der Pest von 1634, 1686 und 1704.
Am 13. August 1749 brannte der bescheidene Klosterbau in Rosenheim nieder. Mithilfe der Bevölkerung konnte das Kloster jedoch wieder errichtet werden.

1802 begann vonseiten des Staates die Aufhebung der meisten Klöster. Den Priestern wurde angeboten, den Orden zu verlassen, die Laienbrüder wurden zum „Absterben“ an Abteien verwiesen. Die große Zahl der Übriggebliebenen wurde in Zentralklöster abkommandiert. Die Ordensbrüder wurden als „entbehrlich“ eingestuft. Von München kamen Kapuziner nach Rosenheim. Im Sommer 1803 lebten 43 Personen im bescheidenen Bau. Kurzfristig wurde der Befehl gegeben, dass alle zum 1. November 1803 in Altötting sein müssten. Die geringe Hinterlassenschaft wurde versteigert. Das Kloster und die Kirche wurden als Salinengebäude verwendet. Die Totengebeine wurden bei der Sebastianikapelle beigesetzt.

Am 21. Juli 1852 bat der Rosenheimer Pfarrer Rubenbauer den Kapuzinerprovinzial, in der Stadt wieder eine Niederlassung zu gründen. Am 9. Oktober 1854 begann der Bau des Klosters bei der Sebastianikapelle. Im Oktober 1856 konnten die Ordensmitglieder in das neue Kloster einziehen.
Im Jahr 1888 kam es zur Erweiterung der kleinen Sebastianikapelle. Drei Jahre später, 1891, kam Erzbischof von Thoma, um das Heiligtum zu konsekrieren. Für lange Zeit diente die Kapuzinerkirche zum Gottesdienst für die zahlreichen Schulen der Stadt.
1986 kamen Klarissen-Kapuzinerinnen aus Südafrika nach Rosenheim. Zu diesem Zweck musste das Kloster umgebaut werden. Die Kirche wurde zu einer Anbetungskirche umgestaltet.
Für ein kleines Kapuzinerkloster wurde der Osttrakt des Gebäudes eingerichtet. Die Klosterkirche wurde 1997 grundlegend saniert.

Foto: privat

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