Ein poetischer Hochgenuss und eine Wirtin

Ringelnatz und die Kathi: „Schief ins Leben gebaut" in der „Schranne"

image_pdfimage_print

RingelnatWasserburg – Sie zählt längst zu den Kultur-Hochburgen der Stadt – und ist immer wieder für großartige kulturelle Überraschungen gut: Die „Schranne“ im Herzen von Wasserburg. So auch am Donnerstag, 23. Oktober, wo sich das Publikum dank Inhaber Jürgen Häuslmann auf „Schief ins Leben gebaut“ freuen darf – eine szenisch-musikalische Lesung, bei der die Wirtin Kathi Kobus auf den Künstler und Poeten Joachim Ringelnatz trifft. In einer wunderbaren Kombination aus szenischem Dialog, Musik und Gesang spürt die Lesung dem spannungsreichen Verhältnis des bekannten Dichters und der Wirtin Kathi des Münchner Simplizissimus …

… nach. Auch Ringelnatz‘ Aufenthalt in Wasserburg und der Briefwechsel mit Peter Scher werden ein Thema sein. Den musikalischen Rahmen bildet Kammermusik – unter anderem von Alexander Gretchaninow, Darius Milhaud, Cyril Scott, Erwin Schulhoff und Jacque Ibert.

 „Die Löcher sind die Hauptsache an einem Sieb … ich hab‘ Dich so lieb!“ (Joachim Ringelnatz)

Im Mai 1903 eröffnet die gebürtige Traunsteinerin Kathi Kobus in der Münchner Türkenstrasse 57 die legendäre Künstlerkneipe „Simplizissimus“. Mit ihr ziehen auch ihre Stammgäste wie Frank Wedekind, Olaf Gulbransson und andere im Dunstkreis der gleichnamigen Satirezeitschrift in das neue Lokal ein. Kobus beschäftigt fortan ihre „Hausdichter“ Karl Valentin und Joachim Ringelnatz auf der Brettlbühne der Kneipe.

Anna Piano

Mimt die Kathi und sitzt am Piano – Anna Sutyagina.

Der mittellose Schriftsteller und Maler Ringelnatz verdient sich hier jeden Abend seinen Unterhalt mit dem Vortrag seiner Turn-, Tier- und Seemannsgedichte. Hin- und hergeworfen zwischen obskuren Geschäftsideen, Dichtelei und Broterwerb landet Ringelnatz schließlich mit der Malerin Leonharda „Muschelkalk“ Pieper in Berlin. Hier wendet er sich verstärkt der Malerei und Schriftstellerei zu, bis die Nazis seine Bücher verbrennen, ihn 1934 mit einem Auftrittsverbot belegen und damit seinem künstlerischen Handwerk ein jähes Ende bereiten.

Der Abend wirft einen humoristischen Blick zurück in ein Schwabing als Mekka der Kleinkunst und Satire, einem München im Kampf um Ordnungsstrafen wegen Ruhestörung und Zechprellerei. Neben seinem dichterischen Werk, wird auch der bildende Künstler Ringelnatz als Zeichner, Karikaturist und Maler gewürdigt, der als Universalkünstler einen unverstellten Blick auf die Ereignisse und Zerwürfnisse der Weimarer Republik gewährt.

Es wirken mit:

Joachim Ringelnatz: Robert Kühn (Foto ganz oben)

Kathi Kobus: Anna Sutyagina

Saxophon/Geige: Olena Savka

Klavier: Anna Sutyagina

Text, Dramaturgie und Regie: Jörn Mensching

Frühere Programme von Anna Sutyagina‘s musikalisch-literarischer Salon:

Sie + Er x Er – George Sand und Alfred de Musset (Seidlvilla München, 2012), Im Wendekreis des Krebses – Anais Nin und Henry Miller (Steinwayhaus München, 2012), Jenseits von Gut und Böse – Lou Salome und Friedrich Nietzsche (Steinwayhaus München, 2013), Menschen im Strom – Martha Gellhorn und Ernest Hemingway (Steinwayhaus München, 2013)

Der Abend in Wasserburg:

Donnerstag, 23. Oktober, 20 Uhr

Cafe „Die Schranne“ in Wasserburg, Marienplatz 2, Wasserburg/Inn

Anna Sutyagina‘s musikalisch-literarischer Salon Nr. 9

in Kooperation mit Theater post it – productions:

„Schief ins Leben gebaut – Joachim Ringelnatz und Kathi Kobus“


Szenisch-musikalische Lesung frei nach Motiven aus dem literarischen und biographischen Werk von Joachim Ringelnatz, Kathi Kobus und Leonharda Pieper

Eintritt: 15 Euro
Kartenvorbestellungen: 089/23541721 oder Email: jmensching@gmx.de

Fotos: Giulie Sandoval

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.