Ein Feuerwerk, das in Erinnerung bleibt

Künstlerisch hochkarätig: Ensemble „I buffoni“ mit Commedia dell’arte in Wasserburg

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Wer nicht unbedingt eine der gängigen Faschingshochburgen stürmen, sondern in der Fünften Jahreszeit auf zugleich witzige – wie künstlerisch hochkarätige – Weise unterhalten sein wollte, war im Wasserburger Rathaussaal am richtigen Ort! Auf Einladung der „Concenti musicali“ um Peter Adler aus Edling zündete das Freisinger Multitalent Christoph Eglhuber mit seiner Musik-, Tanz- und Schauspielertruppe „I buffoni dispettosi“ ein Feuerwerk an Pointen, Rhythmen, Melodien und Slapsticks, die das Publikum zu Ovationen hinrissen.

Commedia dell’arte – quasi das Musical in der Zeit der Renaissance: Fünf ausgeprägte Typen der italienischen Kommödie genügen für ein atemberaubendes und abendfüllendes Spektakel. Inspiriert wurde die Handlung von den Fresken der „Narrentreppe“ auf der Landshuter Burg Trausnitz.
Da agieren also Chrisoph Eglhuber als reicher venezianischer Kaufmann Pantalone, der ungeschickt und mit unpassenden Mitteln Anti-Aging zu betreiben versucht.

Sein armes Mündel Columbina (Felicia Berg) sieht ebenso betörend anmutig aus wie sie singt. Der strenge Pantalone möchte sie zu den Nonnen schicken, falls sie sich seinen Heiratsplänen widersetzen sollte. Doch wer will schon den aufgeblasenen und eitlen Capitano Don Diego de Mendoza (Bernhard Girardi) zum Gatten, der seine Zukünftige in spe auf grotesk militärische Art zu „inspizieren“ versucht! „Naaa, i mog doch need ins Klosta!!“ zahnt Columbina in entzückend g’schertem Boarisch…
Bei Pantalone dient der pfiffig-tolpatschige, aber auch frustrierte Zanni (Andreas Kaiser), dem der knausrige Padrone nach jedem kleinen Missgeschick sofort das „Futter kürzen“ will. Was Wunder, wenn Zanni sehnsüchtig nach der Speisekammer, aber auch nach Columbinas Kämmerchen schielt – zu „naschen“ gäbe es ja hier wie dort…
Freilich ist Columbina emotional auf ihren Tanzlehrer Orlando (in einer Doppelrolle: Bernhard Girardi) eingeschworen.
Trotz aller gegenteiligen Bemühungen hat Pantalone körperliche Defizite an allen Ecken und Enden. Es knackt überaus hörbar im Gebälk, auch seine sonstigen Befindlichkeiten haben sich rapide reduziert. Trotzdem, er möchte noch einmal die Puppen tanzen lassen, natürlich mit der „angesagtesten“ Kurtisane Donna Lucia detta l’Appassionata (Susanne Kaiser).
Diese, eine „studierte“ und deshalb sehr vornehme Dame, ist eben dabei, ein Handbuch als Leitfaden für die Novizinnen ihrer Branche zu verfassen. Sie weiß dem tattrigen Pantalone elegant und mit hurtiger Hand das Geldsäckchen zu entreissen, ohne engagierte Gegenleistung: es lohnt sich ja sowieso nicht mehr (selbst die „physiotherapeutischen“ Versuche des treuen Dieners führen nicht zum gewünschten Ziel).
Die Situation spitzt sich zu: Tanzlehrer Orlando platzt mit seinem Täubchen just in diesem Augenblick ins Tete a tete. Pantalone, bestrebt, die Peinlichkeit der Lage zu vertuschen, willigt nun schnell und widerstandslos ein, dem jungen Paar seinen Segen zu geben…

Und die Musik? Namen wie Monteverdi, Thomas Morley oder William Byrd markieren nicht nur die Zeit, sondern auch das Niveau. Aber auch die anonymen oder heute unbekannten Komponisten schreiben eine mitreißende Musik voll sinnlichem Glanz und mit Ohren schmeichelnden Melodien, graziös und einprägsam. Lyrischer Überschwang, zärtliche Melancholie und vorwärtstreibende Rhythmik zeichnen diese Musik aus, die auch den sarkastischen, ja grimmig satirischen Tonfall kennt.
Muss man noch extra erwähnen, dass alle Mitwirkenden nicht nur getanzt, sondern auch mit leichter, schlanker Stimme gesungen und zum Teil mehrere (historische!) Instrumente wohlklingend und virtuos traktiert haben?
Diese turbulente „Karnevalssitzung“ wird man in bester Erinnerung behalten!

Walther Prokop

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