Die Spielzeit 12/13 endet mit „Woyzeck“

Musiktheaterproduktion am Belacqua mit „Wasserburg leuchtet"

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belacqua_woyzeck1Wasserburg – Mit „The Black Rider” ist das BELACQUA. theater wasserburg Anfang des Monats in den Musiktheater-Juni eingestiegen, es folgte „Alice“ und nun kommt nochmal „Woyzeck“, die jüngste der Musiktheater-Inszenierungen von Theaterleiter Uwe Bertram. Damit beschließt das BELACQUA. theater wasserburg die Spielzeit 12/13, um im Herbst mit Ibsen und Strindberg und anderen zurückzukehren.

Jetzt aber zunächst noch einmal Musik von Tom Waits. Und Text von Georg Büchner. Also „Woyzeck“. In der Süddeutschen Zeitung wurde die Produktion unter dem Titel „Bertrams Fest“ als „traumhaft suggestives Musiktheater“ gefeiert. Mitte Juni war sie außerdem auf den 31. Bayerischen Theatertagen im Schauspielhaus Nürnberg gezeigt und vom Publikum applaudierend, johlend und stampfend sensationell gewürdigt worden.

Über alle drei Musiktheater-Stücke hinweg zog sich in den letzten beiden Jahren des Arbeitsprozesses für Uwe Bertram eine Fragestellung: Wer ist für das eigene Handeln verantwortlich? Ein Gott oder ein Teufel, die Gesellschaft, Umstände? Kann man tun, was man will, weil man ja eh nicht anders kann? Töten zum Beispiel? Man ist ja gar nicht selbst schuld. Oder? Woyzeck zum Beispiel?

Der Mensch hat „eine viehische Vernunft”; oder hat er vielmehr „eine ganze vernünftige Viehigkeit”?, lässt Büchner den Ausrufer überlegen. Jedenfalls dreht die Welt sich in seinem „Woyzeck”, unbeirrt davon, wie die „Kreatur” nun beschaffen ist, ewig, immer weiter und ewig weiter, dass einem ganz schwindlig wird davon. Gefangen im endlosen Rhythmus der Zeit sind Woyzeck, der Hauptmann, der Doktor, der Tambourmajor, Marie, Andres … alle. „Es ist alles eins” und alle sind, was sie sind, Prototypen mit Funktionen innerhalb der Welt, die sich „in einem Tag herumdreht”. Veränderung? Entwicklung? Die Fortschritte der Zivilisation? Moral? … „Das ist, wenn man moralisch ist”. Ein „interessanter Kasus … der Mensch. Es ist viel möglich”. Und dann der Mord. „Ein guter Mensch.”

Die Welt – ein Rummelplatz, auf dem sich Schuld und Entschuldigung tummeln, auf dem sich die Verantwortung verhetzt versteckt und die Schicksalsergebenheit rotiert. Komponist Tom Waits gibt dieser Welt von Büchner den Klang dazu. Diese Musiktheaterproduktion beinhaltet außerdem einen neuen Bestandteil: Für die visuelle Komponente sorgt mit der Technik des „3D-mappings“ Gerhard Höberth – damit trifft hier erstmals „Wasserburg leuchtet“ auf Theater Wasserburg.

„Mit der Zeit entsteht im Vertrauen auf die emotionale Kraft der Musik ein irrsinniger Sog, das Statische der menschlichen Puppen löst sich auf in viele subkutane Explosionen, die einen mit Kraft in das hineinwerfen, was Büchner hier erzählt. Und wenn man die Augen zumacht, dreht sich die Welt und die Geige spielt immerzu, immerzu, und alles geht zugrunde, krachend und mit dunklem Glanz.” (Egbert Tholl, SZ, Kultur)

Regie: Uwe Bertram. Musikalische Leitung: Georg Karger. Arrangements: Georg Karger & Wolfgang Roth. 3D-mapping: Gerhard Höberth. Es spielen: Ernst Matthias Friedrich, Susan Hecker, Hilmar Henjes, Nik Mayr, Annett Segerer. Musiker: Pit Holzapfel, Georg Karger, Anno Kesting, Christoph Reiserer, Leonhard Schilde, Regina Alma Semmler.

Beide Vorstellungen – am Freitag, 28., sowie am Sonntag, 30. Juni – beginnen um 20 Uhr. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Weitere Informationen gibt es unter www.belacqua.de oder über Telefon 08071/597345. Der Eintrittspreis beträgt 24 Euro, ermäßigt 14. Karten sind außerdem in allen Filialen der Sparkasse Wasserburg, in der Buchhandlung Fabula in Wasserburg, im Kroiss Ticketcenter in Rosenheim, in der Buchhandlung Cortolezis Bad Aibling, beim Traunreuter Anzeiger, beim Kulturpunkt in Isen und bei TUI Travelstar RT-Reisen Ebersberg erhältlich.

Foto: Christian Flamm

 

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