Der Beruf der Feintäschner

Agentur für Arbeit informiert über eine kreative, handwerkliche Ausbildung

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Der Feintäschner – eine kreative, handwerkliche Ausbildung, die vermutlich kaum jemandem bekannt ist. Die Agentur für Arbeit Rosenheim war nun vor Ort bei der Marstaller KG in Osterwarngau, um den Beruf der Sattlerinnen und Sattler der Fachrichtung Feintäschnerei zu erkunden (Titelbild). Was die Aufgaben dieser unerkannten Künstler sind, zeigt das Berufs-Profil …

Sattlerinnen und Sattler der Fachrichtung Feintäschnerei stellen Handtaschen, Kleinlederwaren, Koffer und Mappen her. Ihre wichtigsten Werkstoffe sind verschiedene Lederarten, sie verarbeiten aber auch Textilien und synthetische Stoffe.

Zunächst entwerfen sie den Lederartikel, fertigen Skizzen und Schablonen an. Nach der Auswahl des Materials schneiden sie die Einzelteile zu, schärfen die Lederkanten und schlagen sie ein. Dann nähen sie die Lederteile zusammen und fügen das Innenfutter hinzu. Die Näharbeiten führen sie entweder per Hand oder mit Maschinen aus. Das passgerechte Anbringen von Beschlägen und Verschlüssen vollendet die Arbeit. Je nach Betrieb übernehmen Feintäschner und Feintäschnerinnen auch Aufgaben in der Kundenberatung und im Verkauf.

Sattlerinnen und Sattler der Fachrichtung Feintäschnerei finden Beschäftigung in Betrieben der Lederwarenindustrie, des Sattler- und Feintäschnerhandwerks und im Reparaturservice von Lederwarenfachgeschäften. Dabei arbeiten sie in erster Linie in Werkstätten, aber auch in Verkaufsräumen. Überwiegend werden Auszubildende in den Betrieben mit einem Hauptschul- oder mittleren Bildungsabschluss eingestellt.

Die Agentur für Arbeit war zur Berufskunde vor Ort bei der Marstaller KG in Osterwarngau:„Die schulischen und beruflichen Möglichkeiten, die junge Menschen heutzutage haben, sind extrem vielfältig. Es ist nicht immer leicht, hier die richtige Entscheidung zu treffen. Information ist daher das Wichtigste“, so Dr. Nicole Cujai, die Leiterin der Rosenheimer Arbeitsagentur, beim gemeinsamen Betriebsbesuch in der Benno Marstaller KG in Osterwarngau. Cujai weiter: „Der Besuch ist eingebettet in die deutschlandweite Woche der Ausbildung. In Zeiten von Digitalisierung und Wandel der Arbeitswelt, wollten wir bewusst einen Betrieb besuchen, bei dem nicht alles vollautomatisch abläuft, sondern bei dem Handarbeit im Vordergrund steht.“

Begrüßt wurden die Gäste, Dr. Nicole Cujai, der operative Geschäftsführer Michael Vontra, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice Heike Völker, die Berufsberaterinnen Agnes Wieser und Claudia Fischer von Josef  Läuger, dem Geschäftsführer und Leiter Produktion sowie seinem Sohn Korbinian, zuständig für Vertrieb und Marketing in Osterwarngau.

Im Showroom, also inmitten von selbst hergestellten Lederwaren in höchster Qualität, erläuterten die beiden die Entwicklung des seit 120 Jahren bestehenden Familienunternehmens. Man ist schon verblüfft, hier in oberbayerischer Idylle einen derartigen Betrieb zu finden, der exklusive Taschen und Koffer, sowie „high-end“ Aluminium- und Demokoffer herstellt und sie in Läden in München verkauft.

Dazu kam es, als 1944 die firmeneigenen Geschäfte und Werkstätten zerstört wurden und dem Betrieb wurde daraufhin ein altes Bauernhaus in Osterwarngau zugewiesen wurde. Läuger Senior erklärte: „Wir produzieren hier in erster Linie Sonderanfertigungen nach Kundenwünschen. Wir bilden seit Jahren zum Sattler der Fachrichtung Feintäschnerei aus. Häufig bekommen wir Bewerbungen von jungen Mädchen und Frauen, die eine kreative Ausbildung und Arbeit machen wollen. Natürlich ist das Berufsbild des Feintäschners genauso gut für junge Männer geeignet.“

Läuger weiter: „Bei uns bekommt man die ganze Bandbreite des Berufsbildes vermittelt, von der kleinen Geldbörse über eine stilvolle Handtasche bis zum wertvollen Koffer. Da wir auch Alu-Koffer herstellen, wird bei uns nicht nur das Steppen von Hand gelehrt, sondern es fällt auch Arbeit an den Maschinen an. Auch Reparaturen werden von den Azubis gemacht. Wir stellen jedes Jahr einen Auszubildenden ein, die Stelle für heuer wurde allerdings vor kurzem besetzt. Wir arbeiten bei der Stellenbesetzung immer mit der Agentur für Arbeit zusammen und lassen die Stelle auch in der Jobbörse veröffentlichen. Es wird grundsätzlich ein Probearbeiten vereinbart, denn es geht sehr familiär zu im Betrieb und da muss der Azubi oder die Azubine einfach zu uns passen. Die Berufsschule ist für alle Nachwuchskräfte aus ganz Deutschland in Mainburg in Form von Blockunterricht.“

Und was macht man nach der Ausbildung mit einem so ausgefallenen Beruf? Auch darauf haben die Läugers eine Antwort: „Natürlich weiter bei uns arbeiten. Man kann sich aber auch zum Meister fortbilden oder sich selbständig machen, auf jeden Fall ist noch jeder untergekommen.“ SA

Für gesamten Steckbrief zu diesem interessanten Beruf hier klicken.

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