Der Appell eines Bestseller-Autors

Josef Kraus im Gymnasium zu Gast: „Wo Sprache verödet, da verödet das Denken“

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Trotz hochsommerlicher Schwüle und Biergartenwetters fanden zahlreiche Interessierte den Weg in die Aula des Luitpold-Gymnasiums in Wasserburg, um den Ausführungen des Bestseller-Autors („Helikoptereltern“) und langjährigen Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, zu folgen. In seinem neuesten Buch „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ beschäftigt sich Kraus mit den Veränderungsprozessen, die unsere Sprache durchläuft. So stand sein Vortrag unter der Überschrift „Wo Sprache verödet, da verödet das Denken“.

Bereits die Überschrift lässt erkennen, dass Kraus viele sprachliche Entwicklungen für gefährlich, mindestens aber für lächerlich hält.

Ausgehend vom Zitat des österreichisch-britischen Philosophen Wittgenstein „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ versuchte Kraus, gelegentlich provozierend und immer sehr pointiert, Missstände und Fehlentwicklungen aufzuzeigen.

So prangerte er die „Denglischseuche“ in der Wirtschaft und auch in der Pädagogik an, die von Girls‘ Day, Soft Skills und Just-in-time Knowledge spricht. Kraus erlaubte sich die ironische Frage, ob Schüler nicht auch bereits das „Last-Minute-Learning“ erfunden hätten.

Anschließend wandte er sich dem „Academic Pidgin English zu (oder BSE: Bad Simple English?), das Deutsch als Wissenschaftssprache verdränge. Die Muttersprache Deutsch als Wissenschaftssprache diene aber –so Kraus – der Demokratisierung von Wissen.

Die „Geniestreiche“ der Gender-Ideologen standen anschließend im Mittelpunkt. Besonders emotional und ironisch kritisierte Kraus hier Auswüchse und überzogenes Gender-Denken.

Der Bestseller von Bastian Sick „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ kann als Vorlage für die Warnungen des engagierten Pädagogen vor der Entwicklung der sogenannten „leichten Sprache“ dienen, die auch vor Klassikerausgaben in leichter Sprache nicht haltmache und auf jedwede sprachliche Anforderung verzichte.

Dies führte Kraus unmittelbar zu den pädagogischen Sünden wider die Muttersprache.

Die geringe Zahl der Deutschstunden am Gymnasium und die seiner Meinung nach misslungene Rechtschreibreform waren hier zentrale Gesichtspunkte seines Vortrags.

Besonders kritisch setzte sich Kraus mit dem Verschwinden der Schreibschrift auseinander und erteilte den pädagogischen Bestrebungen, das Erlernen der Schreibschrift für Schüler abzuschaffen, wie es der Pisa-Sieger Finnland praktiziere, eine klare Absage.

Mit der Forderung, die deutsche Sprache lebendig zu halten und mit Selbstbewusstsein zu verwenden, sie auch auf politischer Ebene als offizielle Arbeitssprache der EU immer wieder einzufordern und sie als Sprache der Bundesrepublik Deutschland im Grundgesetz zu verankern, beendete Kraus seinen engagierten Vortrag, in dem er bewusst auf eine Powerpoint-Präsentation („betreutes Lesen“) verzichtet hatte.

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