Provinz ist, wo Hille ist!

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (XIV)

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Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Monaten da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. „Hille”, wie wir sie liebevoll nennen, berichtet jede Woche von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin. Heute stellt sie glasklar fest: Das Leben ist keine Ganzkörpermassage – unter www.wasserburger-stimme.de …

Mit dem festen Vorsatz, meinen freien Nachmittag an der frischen Luft zu verbringen, verlasse ich voller Vorfreude die schattigen Räumlichkeiten meiner Metzgerei. Draußen scheint die Sonne und mir geht es wie im Urlaub. Endlich fühlt sich alles gut an. Meine Kolleginnen haben mir zum Neustart ein Laugen-Herzerl geschenkt, die Chefin hat mich an sich gedrückt wie eine wiedergefundene Tochter und meine Arbeit hinter dem Tresen ist beflügelt durch die Gedanken an meinen Lokomotivführer.

Aus vollem Herzen sage ich „Ja“ zu meiner neuen Heimat und suche mir glückselig ein Plätzchen auf der Terrasse meines Lieblingscafés. Die Sonne scheint intensiv und meine Wangen glühen rot. Alles ist so wundervoll, alles tut so gut.

Armer Franz. Das Leben an meiner Seite ist wahrlich keine Ganzkörpermassage. Da wäre zum Einen die Sprachbarriere. Ich verstehe, obwohl er sich redlich bemüht in Zeitlupe und nach der Schrift zu sprechen, nur einen Bruchteil des Erzählten. Zum anderen bin ich wohl auch sonst nicht das, was man als leichte Kost bezeichnet. Ich bin gebrandmarkt, und wen wundert´s.

Mein langjähriger Lebensabschnittsbegleiter Gundolf hat mich wegen einer jüngeren Bäckereiverkäuferin verlassen und meinem bayrischen Neustart Mani war ich noch nicht mal ein Weihnachtsgeschenk wert. Mit meinem Hund Püppi habe ich versucht, die Leere und Einsamkeit in meiner neuen Heimat Wasserburg besser zu ertragen und Püppi habe ich es auch zu verdanken, dass ich im sanftmütigen Lokomotivführer und Hundehalter Franz Gschwendner einen neuen Partner gefunden habe. Franz scheint es ehrlich mit mir zu meinen. Das beweist mir nicht allein die Tatsache, dass er mich seinen Eltern vorgestellt hat.

Aber zurück zur Ganzkörpermassage. Der Franz hat lange warten müssen, bevor ich mich vor ihm und mit ihm nackig gemacht habe. Jetzt kämpft er mit Püppi um den Platz an meiner Seite. Püppi mag nämlich kein weiches Hundekörbchen. Sie möchte in unserem Bett schlafen und trotz bester menschlicher Vorsätze setzt sie das auch unwiderruflich durch. Ansonsten bellt sie was das Zeug hält.

Laut Mietvertrag darf ich eigentlich gar keine Tiere in meiner Wohnung halten. Das scheint Püppi zu wissen. Sie nutzt ihre Macht schamlos aus und der Franz hat sich zu beugen. Gedanklich gibt er mein Hündchen sicherlich schon längst zur Adoption frei. Vor allem, nachdem sie sich am Samstag auf dem Teppich vor unserem Bett übergeben hat.

Armer Franz…. keinen Mann vor ihm habe ich so gnadenlos auf Charakterstärke und Liebesfähigkeit getestet. Und kein Kerl hatte es jemals so schwer, entspannt mit mir ins Gespräch oder gar ins Bett zu kommen. „Püppi, aus! Püppi wirst du wohl brav sein! Püppi hörst du wohl auf an Franzls Zeh zu knabbern! Püppi, das geht doch überhaupt nicht . . .

Am Wochenende fahren wir nach Italien. Der Franz, sein Hund Seppi, die Püppi und ich. Ich war noch nie außerhalb der Landesgrenze und bin sehr gespannt auf das, was man dort „La dolce vita“ nennt….

Arrivederci Pizza Funghi!

Ihre Hille

 

 

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