Das Geheimnis um den alten Fahrweg

Werner Gartner stöberte in Katakomben an der Berggasse - Sanierung beantragt

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berggasse1Erst ein einstündiges Referat über die Kalkulation der Grabgebühren 2017 bis 2020, dann Zuschussanträge und schließlich ein ganz ein außergewöhnliches Thema: Bei der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses der Stadt hatten die Räte zunächst über trockenes Zahlenmaterial zu entscheiden. Dann aber stand ein spannender Antrag von Werner Gartner (SPD) auf dem Programm. Es ging um die Berggasse und den mysteriösen Tunnel unter dem ehemaligen Wehrgürtel der Burg und der heutigen Staatsstraße.

Auf halber Höhe der Berggasse von der Altstadt zur Burg befindet sich eine schmiedeeiserne Tür (Foto oben). Hinter dieser Eisentür wurde vor langer Zeit eine alte Holztür angebracht, damit ist der Blick auf den dahinter befindlichen zirka 100 Meter langen Gang verwehrt. Dieser Gang ist nach der Quellenarbeit von Stadtarchivar Matthias Haupt der Rest des unterirdischen Zugangs von der Stadt zur Burg.

berggasse2„Die Eingangssituation zu dem Gang ist in einem ausgesprochen jämmerlichen Zustand und sollte unbedingt verbessert werden, der hochinteressante Teil, der Gang hinter der Tür, bleibt leider unsichtbar“, so Werner Gartner.

Stadtarchivar Matthias Haupt habe mittlerweile nahezu zweifelsfrei herausarbeiten können, dass es sich bei der Berggasse um einen alten Fahrweg von der Stadt auf die Burg hinauf beziehungsweise umgekehrt handelte. „Urkundlich ist dieser Fahrweg als Furtaller Berg im Stadtarchiv bereits ab 1515 nachzuweisen.“

Alte Planzeichnungen verdeutlichten, dass die Berggasse erst nach dem Bau der Neustraße 1852 grundlegend umgestaltet worden sei, „so dass aus dem alten Fahrweg der durch das Gewölbe ansteigend auf die Burg hinaus führte, schließlich eine Treppenerschließung wurde. Diese wiederum führt dazu, dass man sich den alten Fahrweg heute nur noch schwer vorstellen kann“, so Gartner.

 

Er beantragte, den in dem Gang befindlichen Müll zu entfernen und den alten baulichen Zustand wieder herzustellen. „Damit ein Einblick in den Gang gewährleistet ist, muss die Holztür dauerhaft entfernt werden. Der Gang könnte mit LED-Lampen geringfügig beleuchtet werden, um die alte Bausubstanz für die Bürger der Stadt und für Touristen sichtbar zu machen. Vorstellbar ist auch, dass die Besichtigung dieses Gangfragmentes Teil einer nächtlichen Stadtführung werden könnte. Am Eingang sollte ein historisches Schild die ursprüngliche Nutzung des Ganges erklären.“

Diesem Antrag stimmte der Hauptausschuss ohne Gegenstimmen zu.

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Ein altes Bettgestell befindet sich in dem Tunnel unter der Burg – woher es stammt, bleibt wohl für immer ein Rätsel.

 

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4 Gedanken zu „Das Geheimnis um den alten Fahrweg

  1. Ein Wasserburger

    Das ist eine gute Idee. Man sollte das enorme historische Potenzial der Altstadt maximal ausnutzen und die Beschilderung/Besichtigung dieses Gangs ist da ein zusätzliches Element.

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  2. Ich bin 1949 in Wasserburg geboren und bin am Gries in die Schule gegangen. Uns wurde in dieser Schule gelehrt, das dies der Zugang für das damalige Wasserburger Gefängnis war.

    Nach diesem Bericht haben uns die damaligen Lehrer, vermutlich falsch „die Geschichte Wasserburgs“ vermittelt.
    Wer hat mit der Berggasse nun Recht …

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    1. Also ich glaube dem Stadtarchivar, der alte Dokumente und Pläne vorliegen hat, mehr, als Grundschullehrern, die mehr auf örtliche Tradition und Hörensagen bauen mussten. Vor allem: Was täte ein städtisches Gefängnis unter der herzoglichen Burg? Oder andersherum: Warum sollte ein herzogliches Gefängnis einen Zugang aus der Stadt haben?

      Toll wäre, wenn man das ganze Gewölbe wiedereröffnen könnte, aber wohin mit dem Parkplatz des Vermessungsamtes?

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  3. Oft bin i als Fußgänger die Treppe gegangen. Jedesmal hab i gerätselt was hinter dieser Tür wohl sein mag. I find des sehr spannend, und schön für unsere alte Stadt, wenn es immer wieder was zu entdecken gibt. Auch sollte man solch alte Mauern und Gänge erhalten. Das macht unsere historische Stadt noch viel interesanter.
    Margit

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