Außergewöhnlicher Kunstgenuss in Attel

Solisten und Chor präsentieren am Sonntag Werke eines Wasserburger Genies

image_pdfimage_print

Programmheft_Attel_2013-3_kWasserburg/Attel – Der Madrigalchor „Concenti musicali“ präsentiert seit Jahren unveröffentlichte Musik aus Renaissance und Barock mit namhaften Gesangssolisten und Instrumentalbesetzungen. Die Wiederentdeckung des Wasserburger Barockkomponisten Abraham Megerle (1607-1680) begann in Attel 2007 mit der Aufführung eines „Miserere“ um 1633. Seither steht fest: Die berühmtesten Barockmessen wurden nicht in Österreich, sondern in Bayern von einem Wasserburger geschrieben. Am Sonntag wird eine davon in der Attler Kirche präsentiert …

Im Rahmen „300 Jahre Barockkirche Attel“ kommen die Barockmesse „Missa Bruxellensis“ und das „Te Deum“ von am Sonntag, 20. Oktober, um 19 Uhr zur Aufführung.

Solisten: Gunhild Lang-Alsvik und Kristine Jaunalksne Sopran, Markus Forster und Benno Schachtner Altus, Daniel Schreiber und Henning Jensen Tenor, Michael Mantaj und Christian M. Schmidt Bass, mit Pauken und Trompeten, Streichern, Zinken und Posaunen,

Bläser des Grassauer Blechbläserensembles

Continuo-Orgel und Chor Concenti musicali, Leitung: Peter Adler

Nach drei Konzerten mit wiederentdeckter Musik des Wasserburgers Abraham Megerle durch den Edlinger Chor „Concenti musicali“ unter der Leitung von Peter Adler soll als Krönung die „Missa Bruxellensis“ in einem weiteren außergewöhnlichen Konzert im Rahmen von „300 Jahre Barockkirche Attel“ in St. Michael in Attel am 20. Oktober 2013 um 19 Uhr aufgeführt werden.

Diese Festmesse ist eine Fortsetzung der berühmten „Missa Salisburgensis“. Beide anonym überlieferten Messen haben die gleiche Handschrift und musikalische Konzeption und zählen zu den größten Barock-Messen, geschrieben für außergewöhnliche Festtage in Salzburg. Nach neuesten Recherchen dürfte die Messe zur Fertigstellung des Salzburger Barockdoms am Domweihtag, dem 25. September 1675 geschrieben worden sein.

Mit der schrittweisen Wiederentdeckung der Musik Megerles fanden sich zahlreiche Argumente für die Neuzuschreibung der berühmten, unter dem Namen von Heinrich Biber bekannten Messen an den langjährigen Salzburger Domkapellmeister Megerle. Mit einer hochkarätigen Besetzung hoffen wir auf einen denkwürdigen Abend der ersten Aufführung dieser Festmesse unter ihrem richtigen Autor.

Kartenpreis: 20 €, ermäßigt 15 €, freie Platzwahl

Vorverkauf: Ticketservice Sparkasse Wasserburg (online) oder Abendkasse!

Der Schirmherr Festkonzerts am 20. Oktober in Attel ist Altabt Odilo Lechner.

ZUR BIOGRAPHIE VON ABRAHAM MEGERLE

„Abraham Megerle war einer der fruchtbarsten und berühmtesten Tonsetzer des siebenzehnten Jahrhunderts“, so urteilte noch Mitte des 19. Jahrhunderts Anton Schmid, der in Wien die Österreichische Nationalbibliothek aufbaute. Im übrigen 19. und weitgehend auch 20. Jahrhundert ist Abraham Megerle quasi von der musikalischen Bildfläche verschwunden und der einstige Ruhm nicht mehr nachvollziehbar. Abraham Megerle wurde 1607 in Wasserburg am Inn geboren, kam 1617 als Sängerknabe nach Innsbruck und ab 1621 in die Innsbrucker Hofkapelle unter Johann Stadlmayr.

Mit der Kaiserhochzeit 1622, zu der die gesamte Wiener Hofkapelle anreiste, und vor allem mit der Hochzeit Leopolds V. mit Claudia di Medici 1626 erlebte er in Innsbruck starke italienische Einflüsse. Bereits zu diesem Fest dürfte er als „neunzehenjähriger Kapellmaister“ bei den Servitinnen seine erste Messe geschrieben und anlässlich des Besuchs der Hochzeitsgesellschaft am 25.4.1626 aufgeführt haben. Nach einer Romreise Ende 1633 (als Novize der Benediktiner in Garsten) kam Megerle als Organist und Domkapellmeister nach Konstanz – sicher durch einflussreiche Vermittlung (Claudia di Medici?) und wurde schließlich 1640 Domkapellmeister in Salzburg.

In den „wilden Jahren“ seiner steilen Karriere wurden die westlichen Orgelemporen unter der Kuppel des Salzburger Doms erweitert und ebenso der umfangreiche Druck der „Ara musica“ mit 107 Werken (nur der dritte Band ist erhalten, unvollständig) 1647 veröffentlicht. Hier ist noch der experimentelle Charakter des Kompositionsstils Megerles zu entdecken, sowohl in bis zu fünfchörigen unterschiedlichsten Werken (samt variabel angegebenen Besetzungen), als auch in kleinen, musikalisch sehr interessanten Entwürfen. Einige musikalisch auffällige Ideen, die er in seinen letzten großen Messen im Großen ausführte, sind hier bereits 30 Jahre früher im „Bonsai-Format“ zu finden.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.