Auf den Hund gekommen!

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (XI)

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Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Monaten da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. „Hille“, wie wir sie liebevoll nennen, war im Weihnachtsurlaub. Ab jetzt berichtet Frau Sander aber wieder freitags von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin. Heute: Hiltrud ist auf den Hund gekommen – unter www.wasserburger-stimme.de …

Hallöchen zusammen! Sicherlich haben Sie sich schon Sorgen gemacht, wo die gute Hille denn nun abgeblieben ist. Kein Grund zur Panik, Unkraut vergeht nicht, hier bin ich. Und wo „hier“ ist, das wissen Sie ja bereits: In Wasserburg. Obwohl, ganz ehrlich gesagt, habe ich mir schon so ein paar Gedanken gemacht, ob dieses bayrische Städtchen wirklich meine neue Heimat sein kann. Nachdem mich der geizige Mani ja aufs Übelste enttäuscht hat – Sie erinnern sich, zu Weihnachten meinte er doch allen Ernstes „mia schengma uns nix!“ – bin ich Hals über Kopf in Muttis Schoß nach Münster geflüchtet. Heute, vier Wochen später und satte fünf Kilo dicker, sehe ich die Angelegenheit etwas weniger verspannt. Mani? Kenne ich nicht. Auch andere Mütter haben schöne Söhne. Und wie sagt man in Bayern so treffend: Jetzt erst recht!

Wissen Sie, ich wollte meine Leser einfach nicht mit meinem Seelenmüll langweilen. Es ist schon völlig ausreichend, wenn mich mein entnervtes Muttchen nach einem Monat Aufenthalt beinahe gewaltvoll aus dem Haus kehren wollte. Wenn man jede Woche so über sich selbst schreibt, dann durchforstet man den Alltag permanent nach unterhaltsamen und originellen Situationen. Mein Leben war aber alles andere als aufregend und ich hatte schlichtweg das Bedürfnis, mal wieder ohne schlechtes Gewissen so richtig langweilig zu sein.

Mein Inneres präsentierte sich zerwühlt und am liebsten hätte ich in Münster wieder mein altes Jugendzimmer mit den Bravo-Starschnitten bezogen. Jeden Morgen sexy John Travolta in Originalgröße anzuschmachten und mich dann in rosa Plüschpantoffeln auf den Weg in die kuschelig beheizte Küche meiner Mutter zu machen…hach, das war göttlich. Mutti verwöhnte mich schon im Morgengrauen mit Rühreiern, Hefezopf und Stollen und kaum war das verdaut, durchzog der Duft von leckerem Braten das Haus. Kurz gerülpst und die Beine hochgelegt, dann stand auch schon Tantchen mit Kuchen vor der Tür und wir hangelten uns mit Kaffee und Eierlikör in Richtung Abendessen. Eine wunderbare Zeit!

Meine Kollegen in der Metzgerei zeigten Verständnis für diesen Selbstfindungstrip. Die Chefin räumte mir einen Monat Bedenkzeit ein, um mir darüber klar zu werden, ob ich in Wasserburg tatsächlich sesshaft werden möchte und ob ich in Sachen Wurstwaren 2014 so richtig durchstarten würde. Ja, ich will!

Ich bin jetzt nämlich nicht mehr allein. Püppi ist bei mir! Püppi ist unser Hund. Ich hatte ihn mir vor fünf Jahren mit meinem damaligen Lebensgefährten Gundolf zugelegt und schweren Herzens nach der Trennung bei meinen Eltern zurückgelassen. Püppi ist eine entzückende Mischung aus einem Spitz und ich weiß nicht was. Meiner Mutter wurde das Gassi gehen auf ihre alten Tage doch zu viel und ich dachte mir, so ein Vierbeiner könnte doch auch zum Kontakte knüpfen hübsch niedlich seinen Dienst tun. Meine Arbeitszeiten sind soweit hundefreundlich, was das Futter anbetrifft so sitze ich ja quasi an der Quelle und am Inn wimmelt es geradezu von reizenden Hundebesitzern…

Nun ist Püppi also auch Wasserburgerin und ich bemühe mich, das liebe Tier in meinem Single-Dasein nicht zu vermenschlichen. So richtig gelingen mag mir das allerdings nicht, denn allzu oft entdecke ich an Püppi menschliche Züge und finde das zu allem Übel auch noch süß. Fressen, Aufmerksamkeit, Zuneigung – am liebsten hat Püppi mich ganz für sich. Momentan muss sie mich ja auch nicht teilen. Aber das darf um Himmels Willen nicht zum Dauerzustand werden.

Dritten gegenüber tendiert Püppi leider zur Eifersucht. Das ist mir in Münster nie so richtig aufgefallen, aber hier in Wasserburg fühlt sich meine Hundedame wohl auch ein wenig desolat. Verdammt menschlich einerseits, andererseits wirkt es sich auf mein Vorhaben eher kontraproduktiv aus, weil Püppi dann eben auch zu den männlichen Hundebesitzern und deren Hunden nicht nett ist.

Sie kann es auch nicht ausstehen, wenn Frauchen fremde Hunde streichelt und währenddessen aufmerksam und interessiert die Konversation mit dessen Herrchen ankurbelt. Püppi kläfft dann einfach alles kaputt! Aber auch das werden wir in den Griff bekommen. Und wie Sie sich sicher vorstellen können, habe ich auch schon ein neues Opfer im Visier. Es ist sehr bayrisch und heißt Franz.

Franz ist, wie konnte es auch anders sein, Besitzer von zwei großen Hunden. Golden dingsda…naja, jedenfalls ganz schöne Tiere. Er ist Lokführer und hat sich letztens um 7 Uhr morgens so ein schwarzes Kack-Tütchen von mir ausgeliehen. Lokführer…das hört sich doch imposant an, was meinen Sie? Ach, ich liebe Uniformen….

Es grüßt Sie ganz herzlich

Ihre Hille mit Püppi

 

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