„Alte Stadtmauer aus 1451 in überraschender Qualität“

Exklusiv-Interview mit Dr. Jochen Haberstroh, stellvertretender Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege beim Denkmalamt

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_haberstrohWasserburg – Seit drei Wochen stehen auf dem Fletzinger-Areal im Herzen der Stadt die Bagger still – zumindest auf einem Teil von Wasserburgs größter Baulücke. Der Grund: Denkmalschützer haben alte Mauerreste aus längst vergangenen Tagen entdeckt. Wir sprachen mit Dr. Jochen Haberstroh, stellvertretender Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege und Leiter des Referats Oberbayern/München über den Fortgang der Grabungen in Wasserburg:

Was wurde bisher gefunden und wie sind die Funde einzuordnen? Die Qualität der Funde und Fundzusammenhänge sind überraschend: Die Voruntersuchungen ergaben bisher Reste der Wasserburger Stadtmauer, vermutlich derjenigen von 1451, einer städtischen Wohnbebauung und Latrinen.

Wie lange wird schätzungsweise noch gegraben? Die Voruntersuchung ist seit 22. April abgeschlossen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat sich am 29 April ein Bild von der Situation gemacht und das Areal begutachtet. Nun wird die archäologische Grabungsfirma einen Zeit- und Kostenplan erstellen, der auf den Bauzeitenplan des Bauträgers abgestimmt sein wird. Vorher ist derzeit keine Prognose möglich.

Droht dem Bau die Einstellung oder drohen dem Bauträger Auflagen? Einen Baustopp gibt es nicht. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege wurde frühzeitig in die Planung einbezogen. Aufgrund unserer Stellungnahme konnte die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim einen denkmalrechtlichen Bescheid erlassen. Er ist die Voraussetzung für den Bau unter anderem einer Tiefgarage. Von 15. bis 22. April liefen daher archäologische Voruntersuchungen auf dem Gelände. Die nun folgenden Grabungen sind die ersten modernen Stadtkerngrabungen in größerem Umfang in Wasserburg. Der reibungslose Verlauf des denkmalrechtlichen Verfahrens verschafft dabei die nötige Planungssicherheit für alle Beteiligten. WS

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