Feuerwehr: Es brennt an allen Ecken und Enden

Wasserburger Bilanz 2013: Zu wenig Nachwuchs / mangelhafte Alarmierung / schlechtes Gebäude / wenig Stammkräfte

image_pdfimage_print

2013-11-18 10.45.14„Vergangenes Jahr ging’s richtig ans Eingemachte.“ Wenn Thomas Rothmaier, Sprecher der Wasserburger Feuerwehr, stellvertretend für seine Kameraden auf das Jahr 2013 zurückblickt, legt sich seine Stirn in Sorgenfalten. „Wir hatten weit überdurchschnittlich viele und vor allem schwere Einsätze, die uns zeitlich und nervlich ans Limit brachten. Wir müssen uns ernsthaft Gedanken machen, ob das so weitergehen kann.“ Ein Dauerbrenner bei der Wehr: Die zu geringen Stammkräfte und massive Nachwuchssorgen. Aber Brandherde gibt’s auch auf vielen anderen Gebieten: www. wasserburger-stimme.de …

185 Einsätze, 25 Prozent mehr als noch im Vorjahr, mussten die 60 Aktiven der Wasserburger Feuerwehr absolvieren. „Wir rücken also mit unserer ehrenamtlichen Mannschaft jeden zweiten Tag aus, um Menschen zu helfen“, so Rothmaier. Und da seien die rund 50 Einsätze beim Hochwasser noch gar nicht mitgerechnet. „Die laufen bei uns als ein einziger Posten durch.“ Was 2013 besonders aufgefallen sei: „Die Schwere der Einsätze, ich meine damit die körperlichen und seelischen Belastungen, die waren vergangenes Jahr außergewöhnlich hoch.“ Man brauche da nur an Großbrände wie in Bachmehring zu denken oder an schlimme Verkehrsunfälle wie den tödlichen am Bahnübergang in Viehhausen.

Eine halbe Ewigkeit

Das alles sei aber zu verkraften, „dafür sind wir Feuerwehrler ausgebildet und schließlich auch da“. Was jedoch wirklich ernsthaftes Kopfzerbrechen bereite, sei der mangelnde Nachwuchs und damit die dünne Personaldecke bei Einsätzen. „Wir fahren manchmal mit sechs Leuten zum Einsatz. Das ist dann die sogenannte Fensterplatzbesatzung, weil im Wagen nur mehr die Fensterplätze besetzt sind. Schaut von draußen gut aus, für eine effektive Brandbekämpfung reicht das aber nicht.“

rothmaier_k

Und den Wasserburger Floriansjüngern brennen noch weitere Probleme unter den Nägeln: Die Alarmpolitik im Landkreis gehört dazu. „In Rosenheim sagt man uns, dass man Wasserburg und Attel-Reitmehring bei einem Einsatz in der Stadt nicht gleichzeitig alarmieren kann. Das sei technisch nicht machbar. Das heißt dann für uns: Wir können unsere Kameraden in Reitmehring erst nachalarmieren, wenn wir am Einsatzort sind. Da verlieren wir zehn bis 15 Minuten. Für Feuerwehrverhältnisse eine halbe Ewigkeit.“

Darüber solle sich der Rettungszweckverband mal Gedanken machen, sagt Rothmaier, der übrigens für eine Zusammenlegung der beiden Feuerwehren plädiert. „Unter Beibehaltung der beiden Standorte natürlich.“ Mittlerweile nähere man sich in dieser Sache durchaus an. „Auch bei Attel-Reitmehring ist die Personaldecke dünn.“

Als „völlig unzulänglich“ bezeichnet der Feuerwehr-Sprecher die Unterbringung der Wehr Im Hag. „Das ist in keinster Weise mehr ein Gebäude, das den modernen Ansprüchen eines Feuerwehrgerätehauses entspricht.“ Die Stadt sei aber dran, die Situation zu verbessern. „Wenn man über einen neuen Standort nachdenkt, muss man unbedingt darauf achten, dass der in der Altstadt liegt. Draußen in der Peripherie nützt uns das nichts.“ Für ihn komme damit nur der Standort an der Rampe oder am Gries in Frage, so der Sprecher.

Mehr als ausgelastet

Was die Wasserburger Wehr zusätzlich belastet sind die zahlreichen Einsätze zur Hilfeleistung. „Mittlerweile werden wir sogar parallel zur Wasserwacht alarmiert, wenn auf oder im Inn etwas passiert ist. Man holt uns zu Personenbergungen in der Altstadt und zum Öffnen von Wohnungen.“ Und dann gibt es auch noch die wachsende Zahl von Brandmeldeanlagen. „Die Zahl der Alarmierungen wegen solcher Anlagen liegt bei 35 Prozent.“ Oft rückt die Feuerwehr aber nur aus, um die Anlage nach einem Alarm wieder zurückzustellen. „Das dürfen nur wir.“

Leider seien viele der Brandmeldeanlagen technisch falsch konzipiert. „Ich sag’s mal krass, aber das ist wirklich fast so: Da hängen welche in der Küche überm Herd. Logisch, dass die ständig anspringen.“ Den Betreiber der Anlage koste übrigens ein Feuerwehreinsatz zwischen 200 und 400 Euro – ob’s brennt oder nicht. „Beim ersten Mal rücken wir noch kostenlos aus, dann wird’s teuer.“

Geradezu paradox …

Zu viele Alarmierungen auf der einen, brachliegende Ausrüstung auf der anderen Seite. Auch das ärgert die Wehr. Denn: „Das hört sich jetzt paradox an, weil wir ohnehin mehr als ausgelastet sind. Aber bei manchen schweren Unfällen auf den Bundesstraßen rund um Wasserburg werden wir nicht mehr dazugeholt, obwohl wir die beste Ausrüstung haben. Wir könnten helfen, dürfen aber nicht. Das ist bitter.“ Das liege daran, dass mittlerweile  viele Ortsfeuerwehren rund um die Stadt auch ganz gut ausgerüstet seien. „Dennoch liegt dann beste technische Ausrüstung nutzlos rum, während Menschen in Not um ihr Leben kämpfen.“

Damit die Wehr für solche Fälle bestens gerüstet ist, kämen zusätzlich zu den Einsatzstunden – die rund 20 Stammkräfte absolvieren im Schnitt bis zu zehn Stunden ehrenamtlichen Dienst pro Woche und werden dafür von ihren Arbeitgebern freigestellt – auch noch die Ausbildungszeiten obendrauf. Diese seien vor allem für Führungskräfte nicht unerheblich. „Wir wissen ehrlich nicht, wie lange das ehrenamtlich noch zu packen ist.“ Deshalb sei jetzt vordringliche Aufgabe, Nachwuchs zu gewinnen, um die Last auf mehr Schultern verteilen zu können.

Wie lange ist das ehrenamtlich noch zu schaffen?

„Wir geben den jungen Menschen wirklich wichtige Dinge mit auf ihren Lebensweg. Da kann man wirklich etwas lernen. Deshalb bitte ich Eltern und Jugendliche, sich bei uns zu melden. Einfach bei mir unter 10511, im Feuerwehrhaus oder bei den Kommandanten anrufen.“ Und eine weitere Überlegung der Wehr: „Vielleicht sollte man bei der Stadt bei Neueinstellungen daran denken, dass der oder die Neue bereit ist, sich bei der Feuerwehr zu engagieren.“

Bei all den Problemen und der übermäßigen Belastung steht für Rothmaier und seine Kameraden der Wasserburger Feuerwehr dennoch fest, dass sie weiter gerne ihren freiwilligen Dienst am Nächsten ausüben wollen. Denn: „Das Gefühl, wenn man jemandem in schwieriger Lage geholfen hat, ist manchmal wirklich unbeschreiblich schön“. HC

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Gedanken zu „Feuerwehr: Es brennt an allen Ecken und Enden

  1. Ich dachte ja immer, dass die Feuerwehren Wasserburg und Attel-Reitmehring schon immer eine Wehr waren? Zumindest rechtlich, sie gehören doch schließlich beide der Stadt Wasserburg an oder nicht?

    0

    0
    Antworten
    1. siehste, falsch gedacht……..

      0

      0
      Antworten