Janker: „Das ist doch Unsinn!“

Neue Regionalliga Bayern: Verbands-Spielleiter zieht Bilanz

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BFV-Verbands-Spielleiter Josef Janker38 Spieltage, 380 Meisterschaftsspiele – die erste Saison der neuen Regionalliga Bayern ist absolviert. Im Interview spricht Verbands-Spielleiter Josef Janker über die Premiere der neuen Amateur-Spitzenliga des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), den sportlichen Wert der Liga, die Zuschauerresonanz und die Entwicklungen.

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Herr Janker, wegen der anstehenden Relegation sind noch nicht alle Entscheidungen gefallen, die reguläre Premieren-Saison der Regionalliga Bayern ist aber vorbei. Ist der BFV-Verbands-Spielleiter zufrieden?

Josef Janker: Absolut! Wir können, denke ich, stolz auf das sein, was alle Beteiligten in den letzten Monaten geleistet haben und auch stolz auf die neue bayerische Amateur-Spitzenliga. Wir haben in ganz Bayern Spitzenfußball gesehen. Die Amateurvereine haben allen Unkenrufen zum Trotz bewiesen, dass sie nicht nur auf dem Niveau einer vierten Liga mitspielen, sondern mit den Zweiten Mannschaften der Lizenzvereine mithalten können. Auch in schwierigen Phasen – wenn ich da an den unglaublich langen Winter mit den vielen Nachholspielen denke – sind alle wie ein Team zusammengestanden und haben diese Herausforderung gemeistert. Dass das so gut klappt, ist für eine Liga mit 20 Mannschaften und einer Mischung aus Lizenzvereinen, Traditionsklubs und klassischen, kleinen Amateurvereinen nicht selbstverständlich.

Es kursierte immer mal wieder die Behauptung, dass die Regionalliga Bayern im Vergleich mit den anderen Regionalligen die sportlich schwächste Liga sein würde. Wie sehen Sie das jetzt, 38 Spieltage später?

Josef Janker: Das ist doch Unsinn! Jede Regionalliga hat starke Mannschaften, etwas schwächere Teams und nicht zuletzt auch immer Überraschungsmannschaften. Ich glaube, es gibt niemanden, der ernsthaft behauptet, dass beispielsweise die Zweiten Mannschaften vom FC Bayern München oder 1.FC Nürnberg nicht stark sind. Im Gegenteil! Da wird hervorragende Arbeit geleistet und deren Talente hätte wohl jeder andere Regionalligist, egal in welcher Staffel, gerne in seiner Mannschaft. Aber was ist passiert? Ganz oben steht das Team des TSV 1860 München II, eine ganz junge Truppe, die eine herausragende Saison gespielt und vor allem zum Saisonende einen unglaublichen Druck ausgehalten hat – eine phantastische Leistung! Wir haben dazu mit dem FV Illertissen einen Bayerischen Amateurmeister, der bis zuletzt ganz oben mitgemischt und sich als bestes bayerisches Amateurteam den Startplatz im DFB-Pokal wirklich verdient hat. Und auch die weiteren Amateurmannschaften wie zum Beispiel der TSV Buchbach oder der SV Heimstetten haben den großen Favoriten richtig Paroli geboten. Hier wurde keiner im Vorbeigehen geschlagen. Wie eng es in dieser Liga zuging, zeigt doch auch die Tatsache, dass die letzten Seite 2 von 3 Entscheidungen erst am letzten Spieltag gefallen sind. Und jetzt schauen wir mal, wie sich die Löwen in der Aufstiegsrelegation zur 3. Liga schlagen. Auch da traue ich der Mannschaft einiges zu.

Um den sportlichen Wert der Regionalliga Bayern muss sich sicherlich niemand sorgen. Eher um das Zuschauerinteresse?

Josef Janker: Das ist doch auch so eine Geschichte. Im Vergleich zu den anderen Regionalligen sind in Bayern weniger Zuschauer in die Stadien geströmt. Das stimmt! Aber dann muss man bitteschön auch mal einen Blick auf die Rahmenbedingungen werfen! Das heißt? Josef Janker: Zum einen haben die Fußballfans in Bayern den Luxus, Profifußball satt vor der Haustür zu haben. Bayerns Spitzenklubs spielen praktisch alle in den ersten drei Ligen. Woanders spielen die regionalen Spitzenvereine zum Teil in der Regionalliga. Es freut mich ja, wenn in der Regionalliga Nordost beim Leipziger Stadtderby mit fast 25.000 Zuschauern ein neuer Rekord aufgestellt wird oder im Westen in Essen beim ersten Spiel im neuen Stadion 10.000 Fans zum Traditionsderby von Rot-Weiss Essen gegen Rot-Weiß Oberhausen pilgern und der WDR live überträgt. Das sind Highlights, die für uns alle wichtig sind. Das ist aber doch eine ganz andere Konkurrenzsituation und es liegt auf der Hand, dass die Zuschauerresonanz dort höher ist. Wir sollten keinen imaginären Konkurrenzkampf zwischen den Ligen einer Spielklasse anfangen. Zum zweiten – wenn man schon die Fakten betrachtet – muss man sich anschauen, wie sich der Zuschauerschnitt bei den Vereinen verändert hat und dann stellt jeder fest, dass der Zuschauerschnitt bei nahezu allen Vereinen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Von daher halte ich diese Diskussion für überflüssig. Ich freue mich da eher über das wachsende Interesse an der Regionalliga Bayern. Woran machen Sie das fest? Josef Janker: Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir nicht einfach nur eine neue Spitzenliga in Bayern wollen. Wir wollten eine Liga, die sportliche Attraktivität, wirtschaftliche Machbarkeit für Amateurvereine und öffentliches Interesse miteinander vereint – ein echtes Zugpferd für den gesamten Amateurfußball. Und da haben wir, denke ich, viele wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht.

Inwiefern?

Josef Janker: Stichwort sportliche Attraktivität: In der Regionalliga Bayern gibt es da doch überhaupt keine Diskussion. Wer neben der sportlichen Qualität die entsprechenden finanziellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen hat, kann sich über die Aufstiegsrelegation für die 3. Liga qualifizieren. Auch ich hätte mir gewünscht, dass ein Meister direkt aufsteigt, aber man muss kein Mathematikgenie sein, um festzustellen, dass Seite 3 von 3 das bei drei freien Plätzen und fünf Ligen nicht aufgehen kann. Mit der Bayerischen Amateurmeisterschaft und dem damit verbundenen Startplatz in der 1. DFB-Pokal- Hauptrunde haben wir aber auch für alle Vereine, die wissen, dass die 3. Liga für sie nicht infrage kommt, eine unglaublich attraktive sportliche Alternative. Was meinen Sie, was es für den FV Illertissen bedeutet, nächste Saison im DFB-Pokal zu spielen, womöglich gegen einen echten Großkaräter? Außerdem ist die Regionalliga Bayern auch als Schaufenster für Talente attraktiv, Trainer und Spieler können sich für Profivereine empfehlen.

Welche Schritte meinen Sie noch?

Josef Janker: Stichwort wirtschaftliche Machbarkeit: Die vierte Liga ist deutlich billiger als die alte Regionalliga Süd aber sie gibt es nicht zum Nulltarif. Da haben wir immer mit offenen Karten gespielt und jeden Verein auch individuell beraten. Die Tatsache, dass sich alle Regionalligisten auch für die kommende Saison beworben haben zeigt doch, dass wir die schwierige Gratwanderung zwischen nötigen Anforderungen und womöglich Überforderungen ganz gut gemeistert haben. Und zum öffentlichen Interesse: Wir gehen auch hier offensiv nach vorne. Mit ganz viel Herzblut präsentieren wir jeden Sonntag mit „BFV.TV – Das Bayerische Fußballmagazin“ den Fußballfans eine Internet-Sportschau, die in Deutschland einzigartig ist. Wir bieten alle Spiele, alle Tore, alle Highlights – und das professionell. Die Sendung ist mittlerweile deutschlandweit bekannt und bekommt von Fachleuten großes Lob. Dieser Imagegewinn ist nicht zu unterschätzen, ein Türöffner, der uns in den nächsten Jahren und bei den kommenden Schritten helfen wird. Davon bin ich überzeugt. Dazu haben wir einen professionellen Liveticker zu allen Spielen auf die Beine gestellt. Hier sind unsere neuen Spiel- und Medienbeauftragten – alles ehrenamtliche Helfer – mit ebenso viel Herzblut bei der Sache. Es gibt keinen Liveticker, der so ausführlich von allen Spielen der Regionalliga Bayern berichtet! Die stetig steigenden Zugriffszahlen belegen, dass dieses Angebot bei den Fans super ankommt. Ich betone nochmal: Hier gehen alle Helfer – in den Vereinen und auf Verbandsseite – ans Limit und zwar aus Freude am bayerischen Amateurfußball! Das wird mir zu oft vergessen.

Wie geht es mit der Regionalliga Bayern weiter?

Josef Janker: Wir fangen in der neuen Saison schon eine Woche früher an, um die bundesligafreie Zeit für uns optimal zu nutzen und die Liga in den Fokus zu rücken. Aktuell besprechen wir mit den Vereinen auch verschiedene Relegationsmodelle. Und wir wollen unseren Service für Fußballfans weiter ausbauen und zum Beispiel Daten aus dem Online- Spielbericht verstärkt in unsere Angebote wie die BFV-App einfließen lassen. Auch BFV.TV entwickeln wir immer weiter. Aber jetzt drücke ich erst einmal dem TSV 1860 München II die Daumen für die Aufstiegsrelegation zur 3. Liga. Und natürlich stehen mit den Paarungen BC Aichach gegen den FC Augsburg II und TSV Großbardorf gegen die SpVgg Bayern Hof auch zwei ganz heiße Duelle in der Regionalliga-Relegation an. Dann wird einmal ganz kurz durchgeschnauft und schon geht’s wieder mit Volldampf ins zweite Jahr der Regionalliga Bayern. -WS-

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