Unser Schulsystem – bitte endlich umkrempeln!

Sehenswerte Doku von Wagenhofer im Wasserburger Kino

image_pdfimage_print

Schule filmWasserburg – „Überspitzt könnte man es so formulieren: „98 Prozent aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schulzeit sind es nur noch zwei Prozent!“ Alphabet … so ist leider der eher unscheinbare Titel einer äußerst sehenswerten Doku, die derzeit im Wasserburger Kino gezeigt wird und in der es um unser Schulsystem geht, das als Relikt des industriellen Zeitalters überholt ist. Darüber ist man sich einig. Doch wo sind die wirklich neuen Konzepte? Die Herausforderungen unserer Zeit, die politische und wirtschaftliche Unsicherheiten mit sich bringen, können nur durch die Fähigkeit zum innovativen Denken gelöst werden.

Die Dokumentation zeigt, wie eindimensionale Denkmuster entstehen und was die Folgen für unsere Gesellschaft sind. Nach „We feed the World““ und „ „Let‘s make Money““ schließt der Österreicher Erwin Wagenhofer mit „ „Alphabet““ seine Trilogie über die Krise der modernen Gesellschaft ab. Es ist sein radikalster Film.

Vordergründig geht es um Bildung und die Frage, was Schule und Ausbildung aus unseren Kindern machen. Aber Wagenhofers Film geht weit über die übliche Diskussion um Schülerstress und Leistungsdruck hinaus. Er sieht in Bildung den Schlüssel zu einer anderen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der nicht mehr Konkurrenz und Leistung, sondern Kreativität und Freude am Lernen im Mittelpunkt stehen.

Das Statement des Regisseurs:

Nach zwei Filmen – über den Umgang mit Nahrung (We feed the World) und Geld (Let’s make Money) – stellte ich mir die Frage, warum kommt es überhaupt zu solchen Fehlentwicklungen und Verwerfungen?

  • Warum geraten Kulturen und Gesellschaften, die sich als hoch entwickelt sehen, in den Strudel von gewaltigen Krisen?
  • Warum sind wir so unglücklich, obwohl wir scheinbar alles haben?
  • Warum leben wir oder viele von uns in ständiger Angst/Existenzangst, obwohl unsere Volkswirtschaften einen unfassbaren Reichtum hergestellt haben?
  • Warum funktioniert die Verteilung dieses Reichtums so schlecht?
  • Warum ziehen wir das System der geschlossenen Angstgesellschaft einer offenen, freien Gesellschaft vor?
  • Warum leben wir in einer Erwerbsgesellschaft und nicht in einer Tätigkeitsgesellschaft?

Auf all diese Fragen würde ich gerne versuchen, mit dem vorliegenden Filmprojekt eine mögliche Antwort zu finden, und diese Antwort – darin sind sich Experten und Denker, Wissenschaftler wie Laien einig – lautet: Es liegt daran, wie wir auf dieses Leben vorbereitet werden, wie wir erzogen, sozialisiert und letztlich gebildet werden, mit anderen Worten, welches ”Alphabet” wir übergestülpt bekommen, mit dem wir dann ausgerüstet auf und in die Welt losgehen.

Die Idee zu diesem Film war also nicht Bildungssysteme miteinander zu vergleichen oder gar zu bewerten, sondern von einem nicht mehr tauglichen Ist-Zustand ausgehend, die Menschen auf eine Reise einzuladen, deren Ziel es ist, in Bewegung zu kommen, um selbst die ersten Schritte zu tun. Leben meint Bewegung. Demokratie meint so viele, wie nur möglich. Die Verantwortung für die Folgen unseres Handelns zu übernehmen, meint uns alle. Es ging darum, vor der eigenen Haustüre zu kehren.

Denn eines ist klar, unser westliches Modell einer sogenannten modernen, fortschrittlichen Gesellschaft ist einerseits ins Stocken geraten und an seine Grenzen gestoßen und wird andererseits als alternativloses Patentrezept verkauft. Es ist aber weder ehrenhaft noch verantwortungsvoll, etwas als die einzige Lösung in die Welt hinaus zu posaunen, was längst vergangen ist. Denn das Neue ist nicht die Fortschreibung des Alten, wie uns die Geschichte lehrt.

Erwin Wagenhofer

mehr auf horizonworld.de.

Österreich/Deutschland 2013 – REGIE Erwin Wagenhofer – KAMERA Erwin Wagenhofer – MUSIK André Stern – AB 0 JAHRE – LÄNGE 113 MIN. – FILMREIHE Auslesefilm – WEB-LINK www.alphabet-derfilm.at.

Das Programm heute und morgen:

Mittwoch, 6. November:

15.30 UHR Alfie, der kleine Werwolf

15.35 UHR Frau Ella

18.00 UHR Alphabet

18.30 UHR Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht

20.30 UHR Frau Ella

Donnerstag, 7. November

14.45 UHR Fack ju Göhte

17.00 UHR Fack ju Göhte

18.00 UHR Alphabet

19.15 UHR Fack ju Göhte

20.30 UHR Exit Marrakech

21.30 UHR Drecksau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.