So wia’s Leben is

Unser Kino-Tipp: Filmprojekt mit der Stiftung Attl und den Brückner-Brüdern

image_pdfimage_print

attl„So wia’s Leb’n is!“ Hinter diesem Titel verbirgt sich ein Filmprojekt, wie es einzigartiger nicht sein kann. In einem zweijährigen Projekt entstand dieser Spielfilm, dessen Protagonisten überwiegend von Betreuten der Förderstätte der Stiftung Attl dargestellt werden. Mit an Bord: Die Schauspielbrüder Florian und Maximilian Brückner, die das Filmprojekt aktiv unterstützt haben. Und obwohl Behinderung im Film allgegenwärtig und sichtbar ist, ist Handicap nicht das Thema des Films. Am Mittwoch, 1. Juni, ist die Premiere im Wasserburger Theater Belacqua. Der Film ist anschließend auch im Kino Utopia zu sehen …

„Um was geht’s im Leb’n?“ Die Mutter aller Fragen stellt sich auch Andreji auf seiner Fahrt im Zug nach Rosenheim. Die Begegnung mit interessanten Menschen und seine Tagträume verhelfen ihm dabei zu Erkenntnissen wie „miteinander schaff‘ ma hoit ois“. Aber Andreji, der im wirklichen Leben Artem Arndt heißt, hat schon alleine Großartiges geschafft: Der mehrfach schwerbehinderte 28-Jährige spielt nämlich mit viel Charme und Witz die Hauptrolle im Film.

Dahinter verbirgt sich ein ebenso außergewöhnliches wie ehrgeiziges Projekt der Förderstätte der Stiftung Attl, der Einrichtung für Menschen mit Behinderung. In zwei Jahren Laufzeit entstand dieser Spielfilm, in dem nahezu sämtliche Rollen von schwer und schwerst beeinträchtigten Betreuten übernommen wurden.

„So wia’s Leben is!“ ist das Ergebnis einer Idee von Rita Fichtl-Spionjak und Annemarie Maurer. Für die beiden Frauen ist die künstlerische Arbeit mit Menschen mit Handicap kein Neuland. Für zahlreiche Theateraufführungen und Kurzfilme zeichnen Fichtl-Spionjak und Maurer verantwortlich, die freilich bislang nur innerhalb der Stiftung Attl zu sehen waren.

Rund 80 Mitwirkende waren an „So wia’s Leb’n is“ beteiligt, darunter auch Maximilian und Florian Brückner (u. a. Rubbeldiekatz, Rosenheim Cops, Das finstere Tal, Was weg is‘, is‘ weg). Während Maximilian Artem seine Stimme leiht, ist Florian in einer kurzen Rolle zu sehen. Teile des Soundtracks sind selbstverständlich auch „Made in Attl“. Für den passenden Rap sorgten die Förderstätten-Bewohner Constantin Pittner und Hilmi Cansizoglu.

„Dieser Film wurde von den Betreuten der Förderstätte und den Mitarbeitern gemeinsam entworfen, überlegt, diskutiert und in Szene gesetzt“, sagt Fritz Seipel, Vorstand der Stiftung Attl, „heraus kam ein großartiger Film mit viel Humor, der sehr liebevoll dargestellt ist.“

Den Anfang bildete das große Casting vor zwei Jahren. An 28 Terminen konnten die Bewohner der Förderstätte mithilfe von Fotos und in Gesprächen ihre Rolle – meist verschiedene Berufe – selbst bestimmen. Auch Andrea Blenk, die darauf bestand, den Pumuckl spielen zu dürfen. Mit einer roten Wuschelperücke konnte selbst ihrem Wunsch entsprochen werden.

Aus den Vorstellungen und Einfällen der Schauspieler in spe wurde schließlich das Drehbuch entwickelt. Im Film mimt Artem die Hauptfigur Andreji, der mit dem Zug nach Rosenheim fahren will. Auf dem Bahnsteig fährt er aber zuerst mit seinem Rollstuhl den der Schaffnerin Lisa an (Lisa Bensegger, 25)– eine schicksalshafte Begegnung, denn Lisa will ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Auf der Fahrt, in seinen Träumen und bei seinem Aufenthalt begegnen ihm verschiedene Situationen und Menschen, die ihn zu wahrhaft philosophischen Gedanken inspirieren. Ob bei einer Friedensdemo, im Bierzelt oder im Gespräch mit einem sehr dienstbeflissenen Polizisten – Andreji findet zu jeder Lebenslage seine ganz eigene, oft bayrisch-tiefenentspannte Betrachtungsweise und teilt sie mitunter per Sprachcomputer auch selbstbewusst mit.

„Als wären sie alle Profis“, lobt Fritz Seipel das ganze Ensemble, „die den ganzen Tag nichts anderes machen wie Filme drehen.“ Dieser Eindruck dränge sich dem Betrachter schon nach den ersten Bildern auf und ziehe sich bis zum Schluss durch, so der Vorstand. Seipel: „Hier ist gelebte Inklusion ins Bild gesetzt und von allen Beteiligten authentisch dargestellt – ein Ergebnis, das nie und nimmer so zu erwarten war.“

Gibt’s ein Happy-End mit Andreji und Lisa? Das wird noch nicht verraten, nur so viel: Alles ganz normal wie im richtigen Leben …

Die Termine im Kino Utopia:

–       Sonntag, 5. Juni, 18 Uhr

–       Samstag, 11. Juni, 15 und 18 Uhr

–       Dienstag, 14. Juni um 19 Uhr

Das Kino-Programm in Wasserburg an den nächsten Tagen:

Mittwoch 18.05
15.30 UHREin Hologramm für den König
15.45 UHRRico, Oskar und der Diebstahlstein
18.15 UHRJanis: Little Girl Blue
18.30 UHRVOM LIEBEN UND STERBEN
20.30 UHREin Hologramm für den König
20.35 UHRDie Kommune
Donnerstag 19.05
15.30 UHREin Mann namens Ove
15.45 UHRRico, Oskar und der Diebstahlstein
18.15 UHRSchrotten
18.45 UHRKein Zickenfox – das Frauenblasorchester Berlin
20.25 UHREin Hologramm für den König
20.30 UHRIch bin tot, macht was draus!
Freitag 20.05
15.30 UHREin Mann namens Ove
15.45 UHRRico, Oskar und der Diebstahlstein
18.00 UHRDer Schamane und die Schlange
18.15 UHRSchrotten
20.25 UHREin Hologramm für den König
20.30 UHRBauernopfer – Spiel der Könige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.