A Lausdeandl, des laut denkt …

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Fotos: Renate Drax

Rettenbach – Lausdeandl und blitzgscheits Madl vom Land – mit viel Mut zu Wut und Widerstand ! So gereimt könnte man das Kabarett von Martina Schwarzmann umschreiben, die am Samstagabend so richtig wohltuend für 1500 Gäste im Rettenbacher Festzelt eins vollbrachte: Es durfte herzhaft gelacht werden – gleich über zwei Stunden lang. „Schee, dass eich einegschwoabt hod“. Immer wieder nahm Martina Schwarzmann die extreme Wettersituation an ihrem Abend im Rettenbacher Festzelt mit ins Programm…

…schließlich werkelten die Burschen als Veranstalter schon stundenlang draußen, während drinnen sich alle köstlich amüsierten. De Dirndln warnte die Kabarettistin eindringlich: „Passt’s auf, dass ned schwanger werds heid, denn de Burschen san heid olle so voi Batz – da erkennst du koan – da woaßt du nimma, wer der Vater vo deim Kind is.“ Wochenlang war die Veranstaltung schon ausverkauft. Und wer die 34jährige aus Überacker bei Maisach im Fürstenfeldbruckerland noch nicht wirklich gekannt haben sollte – der war sicher a bissal überrascht über die oftmals recht derbe, geradezu groteske Komik, mit der Martina Schwarzmann Alltagssituationen zu Lachern macht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERASelbst eher die vermeindliche Unscheinbarkeit in Person –  braves geblümtes Bluserl, Haare sehr streng zurückgenommen, mit Brille und Gänseblümchen als Ohrring – sitzt sie den ganzen Abend fast unbeweglich auf ihrem Barhocker, ihre Gitarre festumklammernd – und wirkt eher wie eine schüchterne Lehrerin aus früheren Zeiten im ersten Berufsjahr. Uneitl ist sie, wie sie gerne zugibt und wie sie auch in vielen Liedern, die von ihr selbst erzählen, deutlich beweist. Das macht sie für alle – vor allem für das weibliche Geschlecht im Publikum – schnell vertraut. Und wirkt sofort für das Publikum sympathisch. Eigentlich im Grunde bescheiden wirkend, ist sie aber in ihrem Programm „Wer Glück hat, kommt“ gar nicht milde oder gar brav. Ganz im Gegenteil – eigentlich ist sie oftmals bitterböse und führt auch ihr Publikum – Naivität vortäuschend – gern aufs Glatteis. „I merk nix, dass i netter werd“, freut sie sich richtig – die zweifache Mutter und mehrfach preisgekrönte 34jährige. Nein, sie schließt Gewaltanwendung am Kinderwagerl gegen penetrante Babygrabscher nicht mehr kategorisch aus. Und gegen „Zu-Viert-nebeneinanderfahrende-Rennradlfahrer-auf-da-engen-Landstraß“ denkt sie sich Konkreteres bereits aus. „Ich könnt’ nie jemanden erschießen. Aber dann denk i mir, nur so a bissal ins Knia.“ Ein Lacher baut auf den nächsten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd wenn’s ganz arg grob wird und böse, wenn Martina Schwarzmann zum Beispiel die ältere Generation mit deren Schrulligkeit oder womöglich gar deren Demenz geradezu anklagt, dann sind die Grenzen des schlechten Geschmacks gefährlich nahe gerückt. Doch bevor die Situation kippt, spielt die Kabarettistin ihren lässigen Charme aus und meint „na, na – den Schmarrn denk i mir ned aus – der Schmarrn foit quasi üba mi ei.“ Sie spiele halt gern Streiche, sie könne ja nichts dafür – zumindest gedankliche Streiche. Und gemein – na, des kon sie doch gar ned sein. Und schon geht’s weiter mit der naturbelassenen Dorf-Philosophin. Schnell zeigt Martina Schwarzmann dem Publikum ganz andere Seiten von sich. Sehr versöhnliche. Dass sie zum Beispiel auch poetischen Hintersinn beherrscht – so wie in ihrem verträumten Liadl „Urlaub in der Wasserlache“, in dem sie die Welt einfach auf den Kopf stellt. Lachen und nachdenken – das gelingt ihr hier auf schönste Weise.

Wichtiges Herumwuseln, wichtige Wichtigtuereien sozusagen, des Umanandastressn – all das ist Martina Schwarzmann im Namen des Publikums äußerst zuwider. Aber über sich selber lachen, das tut Martina Schwarzmann gern. Zumindest nimmt man es ihr ab. Und ihren besten Rat an diesem Abend in Rettenbach haben vielleicht viele einfach mit nach Hause genommen: „Es muas oam a amoi wos wurscht sei kenna“ …

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