Zug-Unglück, weil ein Handy-Spiel ablenkte?

Aibling: Nach neuestem Stand der Ermittlungen geht man davon aus - Festnahme

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kranzAuf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein hat das Amtsgericht Rosenheim Untersuchungshaft gegen den beschuldigten Fahrdienstleiter (39) wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr angeordnet, heißt es heute am Dienstagabend in einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Rosenheim. Nach dem neuesten Stand der Ermittlungen hat der Beschuldigte unter Verstoß gegen Fahrdienstvorschriften der Bahn während seines Dienstes am Morgen des Unglückstages sein Mobiltelefon eingeschaltet, ein Online-Computerspiel gestartet und über einen längeren Zeitraum bis kurz vor der Kollision der Züge aktiv gespielt, so die Mitteilung der Polizei am Abend.

Elf Menschen waren am 9. Februar bei dem Unglück nahe Bad Aibling ums Leben gekommen. 85 Personen erlitten zum Teil schwerste Verletzungen.

Es muss aufgrund des engen zeitlichen Zusammenhangs davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte durch das Spiel auf seinem Handy von der Regelung des Kreuzungsverkehrs der Züge abgelenkt war, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt in Traunstein.

Wohl aufgrund dieser Ablenkung ging der Beschuldigte hinsichtlich des Kreuzungsortes der Züge von falschen Voraussetzungen aus, gab den Zügen falsche Signale und drückte bei beiden Notrufen am Funkgerät die falsche Tastenkombination, so dass die Notrufe nicht von den Zugführern gehört werden konnten, heißt es weiter in der Presseerklärung.

Damit liege dem Fahrdienstleiter nicht nur ein Augenblicksversagen zur Last, sondern eine erheblich schwerer ins Gewicht fallende Pflichtverletzung.

Der Beschuldigte wurde heute aufgrund des Haftbefehls festgenommen.

Im Rahmen der Vorführung vor dem Amtsgericht Rosenheim räumte er ein, auf seinem
Mobiltelefon das Computerspiel gestartet und gespielt zu haben.

Er bestritt aber, hierdurch abgelenkt worden zu sein.

Der Ermittlungsrichter hat den Vollzug des Haftbefehls angeordnet.
Die Ermittlungen zu den Ursachen des Zugunglücks dauern noch an. Bis heute haben sich aber keine Hinweise auf technische Störungen ergeben, die Ursache oder Mitursache der Katastrophe sein könnten.

Weitere Einzelheiten zur Handlungsweise des Beschuldigten oder zum Stand der Ermittlungen
können bis auf weiteres nicht bekanntgegeben werden, heißt es heute am Abend abschließend.

 

 

 

 

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