Wohnmobil als Flucht-Fahrzeug

Familie mit fünf Kindern, darunter ein Nachbarsjunge, aufgegriffen

image_pdfimage_print

WohnmobilDie Bundespolizei Rosenheim hat gestern einen tunesischen Schleuser festgenommen, der mit einem Wohnmobil in Richtung München unterwegs war. Im Fahrzeug befanden sich acht syrische Staatsangehörige, darunter ein alleinreisender Junge im Alter von nur neun Jahren und vier weitere Kinder. Die Rosenheimer Fahnder stoppten das Wohnmobil auf Höhe Bad Feilnbach. Der 28-jährige Fahrer des italienischen Mietwagens konnte sich lediglich mit seinem tunesischen Pass ausweisen. Ein Visum für die Einreise nach Deutschland hatte er nicht. Auch die Vorlage eines Führerscheins blieb er schuldig. Seine acht syrischen Mitfahrer …

… hatten keine Dokumente dabei. Die Beamten nahmen die gesamte Gruppe mit zur Dienststelle. Dort gab der Tunesier zu, dass er die Syrer von Mailand aus illegal bis nach Dänemark habe bringen wollen. Es sei nicht seine erste Fahrt gewesen. Den Schleuserlohn von 700 Euro hätte er bereits über einen Mittelsmann kassiert. Dieser habe die restlichen 1.500 Euro, die die Geschleusten zahlen mussten, einbehalten.

Bei den Syrern handelt es sich um eine sechsköpfige Familie, die den neunjährigen Sohn eines Nachbarn mit nach Schweden nehmen sollte sowie einen weiteren syrischen Mann, der seine Reisebegleiter zuvor nicht kannte. Die Eltern des Neunjährigen befinden sich noch im Heimatland. Ein Onkel hätte den Bub in Schweden in Empfang nehmen sollen. Im Nachgang sei eine Familienzusammenführung geplant gewesen.

Da der Vater der syrischen Familie keine Vollmacht oder sonstige Dokumente des Nachbarjungens bei sich hatte, musste der Neunjährige zunächst der Obhut des Rosenheimer Jugendamts übergeben werden. Seine Begleiter wurden an die Aufnahmestelle ins mittelbayerische Zirndorf weitergeleitet.

Dank der Bemühungen der Bundespolizei konnte über den Onkel in Schweden der Kontakt zu den in Libyen lebenden Eltern des Jungen hergestellt und so eine entsprechende Vollmacht erwirkt werden. Mittlerweile wurde das Kind mit seinen syrischen Freunden wieder vereint. Es wird in ihrer Obhut das Asylverfahren abwarten können.

Für den tunesischen Schleuser endete die Fahrt hinter Gittern. Nach Vorführung beim Haftrichter wurde er in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim eingeliefert. Er wird sich wegen Einschleusens von Ausländern, unerlaubter Einreise und Fahrens ohne Fahrerlaubnis strafrechtlich verantworten müssen. Seinen Führerschein hatten die italienischen Behörden bereits vor zwei Jahren eingezogen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.