Vergangenen Winter wenig Sprengungen

Tagung der Lawinenkommissionen des Landkreises: Rückblick auf 30 Jahre

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Lawinenkommissionen Verabschiedung Zenke_kkRosenheim/Landkreis – Der schneearme Winter 2013/2014 hat sich auch auf die Arbeit der drei Lawinenkommissionen im Landkreis Rosenheim ausgewirkt. Wie auf der Tagung der Lawinenkommissionen in Oberaudorf bekannt wurde, reichten wenige Sprengungen aus. Der Obmann der Lawinenkommission Oberaudorf-Kiefersfelden, Hans Berger sprach, von einem mediterranen Winter.

Am Wendelstein beispielsweise gab es mangels Schnee den ganzen Winter über keinen Skibetrieb. Wie der Obmann der Lawinenkommission Brannenburg Hans Vogt berichtete, wurden lediglich an der Strecke der Zahnradbahn vorsichtshalber 20 Sprengungen durchgeführt. Bewährt hat sich nach seinen Angaben die im vergangenen Jahr neu errichtete Wetter-Messstation der Lawinenwarnzentrale in der Nähe der Soinhütte. Trotz des schneearmen Winters zeigte sich, dass diese Station eine wesentliche Hilfe bei der Beurteilung der Lawinengefahr für die Lawinenkommission und die Bergbahn ist, meinte Vogt. Der Obmann berichtete zudem über ein Thema, das nächste Woche im Gemeinderat von Brannenburg beraten wird. Das Einverständnis des Gemeinderats vorausgesetzt, soll es zukünftig möglich sein, bei Sprengarbeiten oder bei Arbeiten mit der Pistenraupe am Wendelstein zur Sicherheit von Tourengehern oder Skifahrern Sperrungen auszusprechen.

Ohne Sprengungen kam die Lawinenkommission Oberaudorf-Kiefersfelden aus. Der Ende November/Anfang Dezember gefallene Schnee schmolz bei Temperaturen bis zu 18 Grad. Inversionswetterlagen sorgten für Föhn, der mit böigem, teils stürmischem Wind daher kam. Die Schneefallgrenze lag den ganzen Winter über fast durchgehend bei 1.000 Meter und darüber. Die einzelnen kleinen Lockerschneelawinen und Gleitschneerutsche im Traithenkar waren nicht von Bedeutung. Auch die alljährlich wiederkehrenden Gleitschneelawinen im Bereich Brünnstein, Trainsjoch, Traithen und Wildalpjoch richteten keine Schäden an.

 

An der Kampenwand stellte die Lawinenkommission Aschau nur an ein paar Tagen eine Lawinengefahr fest. An einem dieser Tage kamen 22,5 Kilogramm Ladin an drei Sprengstellen zum Einsatz, berichtete Obmann Rudi Angermaier. Dem frühen Wintereinbruch an der Kampenwand schon Mitte Oktober folgte ein milder und stürmischer Winter. Zum Teil regnete es bis auf 1.500 Meter. An Weihnachten sorgte ein Föhnsturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 90 Stundenkilometer für 14 Grad plus. Erst Ende Januar konnte die Kampenwandbahn den Skibetrieb mit allen Liften aufnehmen. Mitte März wurde er wieder eingestellt.

 

Den milden Winter bestätigte auch Dr. Bernhard Zenke, der bis Ende November Leiter der Lawinenwarnzentrale Bayern war und Mitte Dezember in den Ruhestand geht. Nur an zwei Tagen galt in Bayern Gefahrenstufe 4, also große Lawinengefahr. In 80 Prozent aller Lageberichte reichten die Gefahrenstufen 1 und 2, also gering und mäßig.

 

28 Jahre war Dr. Zenke im Lawinenwarndienst in Bayern tätig. Sein Rückblick war ein Ausflug in längst vergessene Kommunikationsmittel. Um einen Lawinenlagebericht zu erstellen, wurden die Beobachter Mitte der 1980er Jahren noch täglich angerufen. Die Informationen wurden in Lochstreifen gestanzt und als Telex versandt. Die Polizei brachte damals den Lagebericht persönlich bei den Bergbahnen vorbei. Das 1987 angeschaffte Telefax nutzte nicht viel, weil fast niemand Telefaxgeräte hatte. 1989 wurde der erste PC angeschafft. Er hatte eine Speicherkapazität von gut 100 Megabite und kostete 50.000 D-Mark. 1998 ging der Lawinenwarndienst online.

 

Stolz war Dr. Zenke auf die 17 Messstationen in Bayern, mit diesem Netzwerk können wir uns international sehen lassen. Abschließend würdigte Zenke die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Lawinenkommissionen: Sie sind das Fundament für unsere qualitativ hochwertigen Daten.

 

Ähnlich äußerten sich auch Landrat Wolfgang Berthaler und Oberaudorfs Bürgermeister Hubert Wildgruber. Man hört die Lawinensprengungen bis ins Tal, sagte der Landrat und fügte für die gute und gefährliche Arbeit ein herzliches Dankeschön an. Laut Bürgermeister Wildgruber nimmt die Zahl der Tourengeher im freien Gelände enorm zu. Wir sind auf die Lawinenkommissionen angewiesen, damit sich die Menschen sicher bewegen können. Die drei Lawinenkommissionen treffen sich auf Einladung des Sachgebiets Öffentliche Sicherheit und Ordnung immer am Ende eines Jahres zur Berichterstattung.

Lawinenkommissionen Verabschiedung ZenkeDr. Bernhard Zenke gelang es unter anderem, die fünfstufige Gefahrenskala für Lawinen in Europa zu etablieren. Im Namen der Lawinenkommissionen bedankten sich der Landrat und die Bürgermeister bei ihm für das Geleistete: (von links) Hajo Gruber (Kiefersfelden), Dr. Bernhard Zenke, Hubert Wildgruber (Oberaudorf), Landrat Wolfgang Berthaler, Peter Solnar (Aschau) und Matthias Jokisch (Brannenburg).

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