Die Tanne ist das Sorgenkind

Euregio Inntal lud Jäger und Forstwirtschaft zum Gespräch

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Rosenheim – Mit einem Interreg-Projekt, also einem von der Europäischen Union geförderten Vorhaben, wollen Jäger und Forstleute aus dem Landkreis Rosenheim und aus dem Bezirk Kufstein die jagdliche Praxis im grenzüberschreitenden Raum unter die Lupe nehmen. Ein entsprechender Vorschlag des Kufsteiner Bezirkshauptmanns Dr. Christian Bidner wurde von den Teilnehmern eines grenzüberschreitenden Jagdgesprächs im Rosenheimer Landratsamt einhellig begrüßt. Rosenheims Landrat Josef Neiderhell hatte schon in seiner Begrüßung festgestellt, dass die jagd- und forstlichen Probleme dies- und jenseits der Grenze wohl ähnlich seien.

Der Präsident der Euregio Inntal, Professor Walter Mayr, der auch die Moderation der Veranstaltung übernommen hatte, bot die grenzüberschreitende Organisation als Vermittler an. Mayr sah Gesprächsbedarf und verwies beispielsweise auf die unterschiedlichen Jagdzeiten sowie den Wildwechsel über die Grenze hinweg.

Nach übereinstimmender Auskunft von Toni Schlemaier, dem Leiter der Jagdbehörde Kufstein und Gerhard Prentl, dem Leiter der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Rosenheim, gibt es beidseits der Grenze Rotwild, Rehwild und Gamswild in etwa gleicher Dichte. Eine Besonderheit stellt eine Steinwildkolonie im Bereich der Hegegemeinschaft Inntal dar. Im Landkreis Rosenheim gibt es 245 Jagdreviere, im Raum Kufstein sind es 120.

Bei der Festlegung der Abschusszahlen wird der Zustand des Waldes als wesentlicher Parameter berücksichtigt. Edwin Klotz von der Bezirksforstinspektion Kufstein sagte, es sei Ziel, die Wälder an den Klimawandel anzupassen. Alle natürlich vorkommenden Baumarten sollten erhalten bleiben. Aufgrund von Untersuchungen weiß man, dass die Fichte derzeit am wenigsten Probleme bereite. Ähnliches gilt für Lärche und Kiefer, die nur örtlich Schwierigkeiten mit dem Wuchs haben. Am besten sieht es beim Laubholz aus, weil es unempfindlich gegen Verbiss ist. Das große Sorgenkind ist die Tanne, hier bestehe laut Klotz im Großteil des Bezirks Kufstein Handlungsbedarf.

Der Diplom-Ingenieur macht aber nicht allein das Wild für den Waldzustand verantwortlich. Auch die Nutzung der Freizeitgesellschaft spielt für ihn eine wesentliche Rolle. Durch die Wanderer und Mountainbiker zieht sich das Wild auf kleinere Flächen zurück, dort ist der Verbiss dann höher.

Die Situation im Landkreis Rosenheim ist ähnlich, bestätigte der stellvertretende Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim, Dr. Georg Kasberger. Seit 1991 wird der Waldzustand gutachterlich gewürdigt. Laut Kasberger zeigt die Entwicklung, dass der Verbiss quer durch alle Baumarten zurückgegangen ist. Er sprach sich dafür aus, den Bestand an Nadelhölzern nicht noch weiter zurückzunehmen. So ist an der Kampenwand nur noch jeder fünfte Baum ein Nadelbaum. Für Kasberger eindeutig zu wenig. Er sieht die Schutzwaldfunktion bei der Schneeschmelze oder bei Felsabgängen gefährdet.

Keine Rolle spielt dies- und jenseits der Grenze das Thema Tuberkulose bei Rind oder Wild. Dr. Christian Otterbein vom Staatlichen Veterinäramt Rosenheim beleuchtete die aktuelle Situation. Alle bisher festgestellten Fälle beschränken sich auf das Allgäu.

In der abschließenden Diskussion wurde vor allem über die unterschiedlichen Jagdzeiten debat-tiert. Während in Tirol am 31. Dezember die Jagd auf Rot- und Rehwild endet, ist es in Bayern der 15. Januar für Rehwild sowie Ende Januar für Rotwild. Zur Begründung wurde mehrfach auf den späteren Beginn des Winters auf bayerischer Seite verwiesen. Trotzdem hätten, so zeigte es der Gesprächsverlauf, die bayerischen Jäger kein Problem damit, die Jagd wie in Tirol Ende Dezember einzustellen. So könnte die Jagdzeit von der Fütterungszeit im Winter klarer getrennt werden. Auch bei den Kitzen und Kälbern sollte die Jagdzeit angeglichen werden.

Aufgrund der aufgezeigten Fakten und der Diskussion schlug Kufsteins Bezirkshauptmann Bid-ner am Ende der Veranstaltung das grenzüberschreitende Interreg-Projekt vor. In einem ersten Teil sollte der aktuelle Bestand festgestellt werden um in einem zweiten Teil einen Maßnahmenkatalog zu erstellen bzw. Zielvorgaben zu definieren. Dabei sollten neben dem Verbiss der Pflanzen auch die Freizeitnutzung des Waldes, Tiererkrankungen und der Klimawandel berück-sichtigt werden. Der Bezirkshauptmann lobte die seiner Meinung nach sehr hohe Gesprächskultur: Die Euregio Inntal sei hier ein Kommunikationsmotor. Euregio-Präsident Mayr will die Chancen für das Projekt prüfen. Zudem will man sich zukünftig jährlich zum grenzüberschreitenden Jagdgespräch treffen.

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