Tiroler Appell an die bayerische Ehre

Kreistag besichtigt Baustelle zum Brennerbasistunnel, ein Zehn-Milliarden-Projekt

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Brenner 1Der Kreistag war gestern in Tirol, um sich eine Baustelle zum Brennerbasistunnel anzuschauen. Noch spannender, als die Arbeiten im Tunnel, seien die umfassenden vorbereitenden Maßnahmen rund um das Projekt, so die Teilnehmer. Auf unserem Foto „Deponie Padastertal“ lassen die Baustellenfahrzeuge eine Ahnung von den Ausmaßen der Deponie zu. Im Endausbau wird das Gestein bis zur Waldgrenze links reichen. Unten in der Bildmitte ist der Stollen des Bergbachs erkennbar. 3.000 Meter im Berg standen gestern die Mitglieder des Rosenheimer Kreistages am Ende einer Tunnelbaustelle und beobachteten die Vorbereitungen auf die nächste Sprengung …

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… 45 Minuten später wird dem Berg mit lautem Getöse weiteres Gestein abgerungen. Die Arbeiter, die im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr tätig sind, sollen mit sieben Sprengungen täglich einen Vortrieb von zehn Metern schaffen.

Letztlich wird der Tunnel 4.000 Meter in den Berg reichen. Es ist ein Zufahrtstunnel, an dessen Ende die Arbeiten an den beiden Haupttunnelröhren des Brennerbasistunnels beginnen. Die dazu benötigten Tunnelbohrmaschinen werden durch den Zufahrtstunnel in den Berg geschafft und das Gestein wird dann nicht mehr mit Radladern, sondern mit Förderbändern an die Oberfläche transportiert.

Beim Empfang des Rosenheimer Kreistags im Landhaus, dem Sitz der Tiroler Landesregierung in Innsbruck, lässt Tirols Landeshauptmann Günther Platter (unser Foto zeigt ihn mit Landrat Wolfgang Berthaler) keinen Zweifel daran, dass der mit 64 Kilometern längste Eisenbahntunnel der Welt kommen wird.

Brenner 3Platter wird in seiner Ansprache deutlich: Der Tunnel nützt aber nichts, wenn wir nicht die Zulaufstrecken haben. Eine davon führt durch das bayerische Inntal. Platter fordert die Planung für die Trassierung. „Ich hoffe, es ist unser gemeinsames Anliegen, denn 2026 ist bald da“, sagt er. Elf Jahre noch, dann soll im Brennerbasistunnel der Betrieb aufgenommen werden. Auf deutscher Seite dagegen steht alles noch am Anfang, was Planung oder Planungsdialog betrifft.

Tirols Landeshauptmann appelliert an die Ehre der Deutschen und besonders auch an die bayerische Ehre. Es würde kein gutes Bild geben, wenn die Italiener schneller wären, als die Deutschen und speziell die Bayern. Später legt Platter noch nach: Wenn der Brennerbasistunnel fertig sei und es gebe den Flaschenhals in Bayern, wäre das eine europäische Blamage.

Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler sieht die Bürger beidseits der Grenze durch den Verkehr auf der Inntalautobahn und der Bahnlinie in einer Leidensgemeinschaft. Er erinnert an die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte und an die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg und fordert, auch in Zukunft zusammen zu halten. Positiv sieht der Rosenheimer Landrat, dass die Österreichische Bundesbahn ÖBB an der Planung der Bahnstrecke bis Rosenheim beteiligt ist. Berthaler betont erneut, dass er auch für das bayerische Inntal den Tiroler Standard will.

Dieser Tiroler Standard ist beeindruckend. Die Rosenheimer Kreisräte konnten sich auf der Baustelle in der Nähe der Ortschaft Steinach am Brenner davon überzeugen. Um die Bewohner in den umliegenden Gemeinden nicht mit dem Baustellenverkehr zu belästigen, wurde ein 1.000 Meter langer Tunnel von der Baustelle zur Inntalautobahn gesprengt und eine eigene Autobahnzu- und -abfahrt für die Baustellenfahrzeuge errichtet.

Das Gestein aus dem Tunnelbau wird unter anderem in dem unmittelbar an der Tunneleinfahrt angrenzenden Padastertal deponiert. 7,7 Millionen Kubikmeter sollen dort gelagert werden, das entspricht einem Volumen von drei Cheops Pyramiden. Bisher ist mit 800.000 Kubikmetern erst ein gutes Zehntel dorthin transportiert worden. Im Vorfeld wurde ein Bauernhof aufgekauft und der Familie ein neues Haus in der Ortschaft unterhalb der Deponie errichtet. Für einen Bergbach wurde für die Zeit der Bauarbeiten ein 1,4 Kilometer langer Stollen gebaut. Die Wendelinkapelle wurde versetzt, Fischteiche neu gebaut und ein großer Damm als Lärmschutz errichtet. Jeder gefällte Baum im Padastertal wurde mit dem Faktor 1,5 an anderer Stelle neu gepflanzt.

Im Bereich der Tunnelbaustellen werden Grundwasser und Bäche seit Jahren überprüft. Derzeit gibt es 1.400 Messstellen, an denen regelmäßig Proben genommen werden. Nach Fertigstellung des Brennerbasistunnels wird das Padastertal wieder renaturiert. Der Bergbach wird dann wieder an der Oberfläche fließen und die Pflanzen, die neu gesetzt werden, stehen bereits fest. Insgesamt muss das österreichisch-italienische Unternehmen, das den Brennerbasistunnel baut, allein in Tirol rund 1.800 Auflagen beachten.

Jährlich rollen zwei Millionen Lkw über den Brenner. Zwei Drittel davon auf der Straße, ein Drittel auf der Schiene. Der Brennerbasistunnel ist Voraussetzung, um noch mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Züge, die nicht mehr über den Berg müssen, sondern durch den Berg fahren, sind länger und transportieren mehr Güter, weil aus der Bergbahn eine Flachbahn wird. 260 Züge sollen ab 2016 täglich durch die beiden Haupttunnelröhren rollen, hinzukommen noch 140 Züge über den Brenner. Die Güterzüge im Tunnel können bis zu 750 Meter lang sein und mehr als 2.000 Tonnen schwer sein. Die Baukosten für den Brennerbasistunnel belaufen sich auf 8,6 Milliarden Euro, die Inflation mit eingerechnet, werden es zehn Milliarden Euro werden.

 

 

 

 

 

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