Frauenwörther Gespräche mit Fahrenschon

Sparkassenpräsident beim Bund Katholischer Unternehmer

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k-2BKU-Tagung mit Äbtissin (1)Landkreis/Frauenchiemsee – Einer schönen Sommertradition folgend trafen sich gut einhundert unternehmerisch tätige Frauen und Männer in der Aula des Klosters von Frauenchiemsee zu den sogenannten „Frauenwörther Gesprächen“. Auch heuer gelang es dem Bund Katholischer Unternehmer (BKU) und dem Wirtschaftsbeirat Bayern wieder einen hochkarätigen Gast-Referenten zu gewinnen. Waren in den Vorjahren unter anderem Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, der Europa-Politiker Otto von Habsburg oder Kardinal Reinhard Marx zu Gast, so sprach heuer Georg Fahrenschon als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Sein Thema lautete „Schuldenkrise, Geldschwemme und Bankenregulierung – was bedeutet das für Sparer und Mittelstand?“

Fahrenschon bezeichnete das ihm gestellte Thema als bücherfüllend. „Doch das Kloster und die Insel Frauenchiemsee als Ort für spirituelle Kraft mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte ist auch ein Ort der Konzentration auf das Wesentliche“, so der Referent. Für die Betrachtung von Kräften und Gegenkräften auf dem Finanzmarkt empfahl Fahrenschon ruhig zu bleiben, die Situation zu analysieren und Lösungen zu suchen. „Ganz Europa ächzt unter der Banken- und Staatsschuldenkrise, in weiten Teilen herrscht Rezession und steigende Arbeitslosigkeit – nur in Deutschland nicht!“, so Georg Fahrenschon, der zugleich auf die Bedeutung von Liberalismus und christlicher Soziallehre als wichtige Elemente und Instrumente verwies.

Die damit zusammenhängende Freiheit verpflichtet – so der Referent- auch zur Solidarität und zur Subsidiarität. „Durch die Vielzahl an Aktivitäten auf verschiedenen Ebenen entwickelt sich die Marktwirtschaft sinnvoll weiter“, sagte Fahrenschon und er zeigte sich als großer Europa-Befürworter als er sagte: „Ein Rückzug auf die nationale Scholle würde den Menschen, Steuerzahlern, Sparern und Unternehmern nicht gerecht werden, wir leben gut in der Dezentralität“. Die Dezentralität spielt laut Fahrenschon in den 2.000 bayerischen Städten und Gemeinden eine zentrale Rolle. Eine besondere Kraftquelle ist der Mittelstand, der für sich reklamieren kann, der größte Arbeitgeber und der größte Ausbilder zu sein.

Ein Lob gab es auch für die genossenschaftlich organisierten und öffentlich-rechtlich getragenen Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen, die rund 70 Prozent aller Kredite vergeben und die damit auch auf den Erfolg in der Region einwirken. Bayern und Deutschland profitiert von Exporten in den Euro-Raum, was eine gute wirtschaftliche Ausgangsbasis darstellt. Die Europäische Zentralbank (EZB) soll laut Georg Fahrenschon nicht als Feuerwehr missbraucht werden, ihre vordringlichste Aufgabe ist die Geldwertstabilität.

Nach seinen Ausführungen soll es das Ziel sein, wieder höhere Zinssätze zu erreichen, um die Investitionsbereitschaft wieder zu fördern. Und zur Schuldenpolitik sagte Fahrenschon: „Weg von den Schulden durch neue Schulden ist keine Lösung, Entschuldung ist gefragt“. Zu den Sparern sagte er: „Vorsorge lohnt sich auch in Zeiten der Niedrigzinsen; lieber ein leicht schwindendes Vermögen als später gar kein Vermögen“. Abschließend bat er, Groß und Klein, Jung und Alt sich als wirtschaftliche Akteure am internationalen Wettbewerb zu beteiligen sowie Vielfalt und Potenzial der Menschen zu nutzen und er zitierte den Banker Alfred Herrhausen mit den Worten: „Wir müssen, das, was wir denken, sagen, das, was wir sagen, müssen wir tun und das, was wir tun, müssen wir auch sein!“

In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von Bayernbund-Landesvorsitzendem Adolf Dinglreiter beantwortete Fahrenschon noch einige Fragen, dann überreichte ihm Dr. Michael Elsen als Vorsitzender des BKU-Bezirks Berchtesgadener Land/Traunstein einen Korb mit Köstlichkeiten aus dem Klosterladen. Zu Beginn hieß Gerhard Lux von der Diözesangruppe München-Freising des BKU die aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer an den „Frauenwörther Gesprächen“ willkommen, sein ganz besonderer Willkommensgruß galt Äbtissin Johanna Mayer und H. H. Pater Eberhard von Gemmingen SJ, der im Münster im Anschluss an die Tagung eine Heilige Messe zelebrierte, die von Andrea Wittmann an der Orgel musikalisch gestaltet wurde.

Foto: Hötzelsperger

Bei der BKU-Tagung auf Frauenchiemsee (von links): Äbtissin Johanna Mayer, Gerhard Lux, Dr. Michael Elsen, Georg Fahrenschon, Adolf Dinglreiter und Dr. Jürgen Hofmann, Generalsekretär vom Wirtschaftsbeirat Bayern.

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