Rückblick am Ende einer langen Saison

Eishockey: Abschlussfeier und Bilanz bei den Starbulls aus Rosenheim

image_pdfimage_print

LOGO NEGATIVDie DEL2-Saison 2014/2015 ist vorbei und die Starbulls Rosenheim haben es zum Abschluss noch mal richtig krachen lassen. Bei der Saisonabschlussfeier war die Stadiongasstätte brechend voll, es wurden Unmengen an Autogrammen geschrieben, Spielertrikots versteigert und Timo Herden erhielt die Fanauszeichnung als bester Starbulls-Spieler. Anlass genug für eine Retrospektive – und für eine Vorschau:

Über die Pre-Playoffs und drei Spiele in die Playoffs, da aber mit vier Niederlagen in Folge gegen Bremerhaven ausgeschieden, die Starsbulls müssen jetzt aufarbeiten, warum es in dieser Saison nicht zu mehr gereicht hat. Auch wenn der Sweep der Fischtown Pinguins bitter klingt, die Starbulls waren näher dran, als es die Statistik verrät. Davon kann man sich jetzt aber auch nichts kaufen, vielmehr steht das Playoff-Aus sinnbildlich für die gesamte Spielzeit. Immer irgendwie dran – am Ende fehlte aber der letzte Schritt.

„Es hat teilweise nicht so gepasst, wir hatten Verletzungen und Spieler, die nicht so funktioniert haben, wie wir uns das erwartet hätten“, sagt Vorstandsmitglied Marcus Thaller rückblickend. „Da kommt dann der Punkt, an dem das Team das alles nicht mehr auffangen kann.“
Und trotzdem ist Thaller zufrieden. Denn die Starbulls haben eine der jüngsten Mannschaften der Liga, gespickt mit Eigengewächsen. Was einerseits positiv ist, hat andererseits auch seine Schattenseiten.

„Es ist unser Konzept, den Nachwuchs in die erste Mannschaft einzubauen. Das macht uns aber zu einer semiprofessionellen Mannschaft. Die gehen zur Schule, in die Ausbildung, sie studieren oder haben einen Job… an anderen Standorten gibt es nur Profimannschaften. Aber unser Konzept geht trotzdem auf. Wir formen ein Team, das es sonst so nicht gibt, wir haben einen ganz besonderen Teamspirit.“
In diese Kerbe schlägt auch Verteidiger Max Renner. Mit einer Energieleistung kämpfte er sich nach einem Kreuzbandriss zu Beginn der Saison zurück in die Mannschaft. Und während andere eine komplette Spielzeit mit solch einer Verletzung ausfallen, stand Renner schon am Ende der Hauptrunde wieder auf dem Eis und half seiner Mannschaft. „Ich habe in der Reha alles gegeben. Ich spiele seit Kindesbeinen hier und wollte dem Verein auch etwas zurückgeben. Denn wir verstehen uns hier alle wie eine Familie.“
Eine Familie, die Renner auch geholfen hat, wieder so schnell zurückzukommen. „Ich bin gut in die Saison gestartet und die Verletzung war dann ein herber Schlag für mich. Ich war am Anfang am Boden zerstört. Der Weg zurück war sehr, sehr hart, aber ich möchte meinen allerhöchsten Dank an die Simsseeklinik richten, die für mich allein den Manu abgestellt hat. Er hat mir geholfen, sowohl beim physischen Training als auch psychisch.“

Renner kümmert sich ums Knie, Herden optimistisch

Im Sommer will Renner wieder hart trainieren. Er will wieder die Grundfitness herstellen, aber sich auch mit der Simsseeklinik in Verbindung setzen. „Wir schauen, ob wir noch mal was fürs Knie tun. Es heißt, nach zehn Monaten wird es wieder schlimmer, aber da werde ich mich mit allen Stellen abstimmen.“ Eines ist sicher: Max Renner wird auch in der kommenden Saison wieder für die Starbulls auflaufen. Genauso wie Manuel Edfelder, Beppo Frank, Tobias Thalhammer, Max Vollmayer und Timo Herden. Der Rookie des Jahres der DEL2 gewann auch die Fanwahl zum besten Spieler der Starbulls vor Tyler McNeely. Herden hatte sich – für manch einen überraschend – den Nummer-Eins-Status vor Patrick Ehelechner geholt. Darum geht er auch mit Optimismus in die kommende Saison: „Ich will wieder so viel wie möglich spielen und mir wieder die Nummer eins holen. Ich habe an Erfahrung gewonnen, dadurch habe ich in meinem Spiel mehr Ruhe und kann das Spiel auch besser lesen.“

Mit Herden ist eine wichtige Personalie in trockenen Tüchern, hat der junge Torwart ja bewiesen, dass sich die Starbulls auf ihn verlassen können. Ansonsten steht der Mannschaft ein großer Umbruch bevor. Mario Trabucco und Sergio Somma werden den Verein verlassen, das ist sicher. Alle anderen Baustellen werden im Laufe des Sommers behoben. Stephen Schultz beispielsweise würde gerne bleiben, kennt das Geschäft aber gut und muss sich in Geduld üben. Ebenso Publikumsliebling Tyler McNeely.

„Ich muss jetzt einfach warten und meine Optionen abwägen. Aber ich liebe es hier in Rosenheim und würde gerne wieder zurückkommen. Jetzt heißt es halt, abwarten und Tee trinken.“ Und mit einem Lachen fügt er an: „Also ich kann schon geduldig sein, aber abzuwarten ist nie einfach.“
Damit dürfte er auch anderen Spielern aus der Seele sprechen. Franz Steer bekommt jetzt die Mammutaufgabe, den schier unendlichen Spielermarkt zu sortieren, potentielle Verstärkungen aufzutreiben und schließlich auch die finanziellen Gegebenheiten so gut wie möglich auszuschöpfen. Bedeutet auch: Die vermeintlichen Kracherspieler werden wohl schon früher vom Transfermarkt verschwinden, weil andere Vereine schlichtweg mehr bezahlen können. Daher muss auch Steer geduldig bleiben.

Gottwald macht Schluss, Strakhov wartet ab

Ebenfalls in eine ungewisse Zukunft blickt der Senior der Mannschaft, Andrej Strakhov. Mit seinen 36 Jahren steht er noch voll im Saft und würde gerne weiterspielen. „Es gibt ja Spieler in der NHL, die gehen mit 42 noch aufs Eis. Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, noch ein bisschen weiterzumachen. Solange ich noch etwas mithalten und meine Leistung bringen kann, so lange kann ich auch noch spielen, für welchen Verein das auch immer sein wird.“
In den nächsten Tagen will er Gespräche mit den Starbulls führen. Bis dahin bleibt er auf jeden Fall in Rosenheim, auf die faule Haut legen gibt es für ihn allerdings nicht. Denn: „Ich muss jeden Tag um viertel nach sieben aufstehen und die Kinder in den Kindergarten bringen, die Sommerpause wird also gar nicht so entspannend, wie man das vielleicht meint“, sagt er mit dem bekannten strakhovschen Grinsen.
Definitiv nicht mehr für die Starbulls auflaufen wird Kapitän Stephan Gottwald. Nach 28 Jahren Eishockey in Rosenheim hängt er die Schlittschuhe an den Nagel. „Ich habe mir das sehr gut überlegt. Ich habe das schon einige Jahre geplant, dass es jetzt nach dieser Saison passiert, ist Zufall. Mir blutet das Herz, aufzuhören. Aber man muss irgendwann einen Schlussstrich ziehen und ich wollte immer selbst für mein Karriereende verantwortlich sein.“ Was nach dem Eishockey kommt,
verrät er nicht. Erst, wenn es tausendprozentig sicher und unterschrieben ist. Aber er wird nicht aus der Welt sein. Er bleibt in Rosenheim und wird selbstverständlich weiterhin die Spiele „seiner“ Starbulls besuchen. „Vom Eishockey kann ich nicht lassen, das zieht sich durch mein Leben.“
Und er wird mit Spannung zusehen, wie sich die Mannschaft für die Saison 2015 / 2016 zusammensetzen wird. „Trainer Franz Steer hat vollstes Vertrauen von uns. Er ist für die Zusammenstellung zuständig und er hält auch mit uns Rücksprache“, sagt Marcus Thaller. „Wir wollen versuchen, die Kontinuität zu bewahren. Dass ein Team zustande kommt, das zu den Starbulls passt. Mit Teamgeist, Kampf und Moral. Und dafür steht Franz Steer ja auch.“
Auch Max Renner hat keine Zweifel, dass wieder eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt wird. „Ich bin da optimistisch. Franz hat immer ein sehr gutes Team aufgestellt, eines, das zu Rosenheim passt, vor allem charakterlich.“

Professionalisierung vorantreiben

Das Team ist aber nur eine Baustelle. Der neue Vorstand geht jetzt seine Arbeit richtig an. Es will alles vorbereitet sein, damit die Starbulls auch in der kommenden Saison erfolgreich sein können, erklärt Thaller. „Wir haben alles sehr gut übergeben bekommen, jetzt gilt es für uns, die Professionalisierung, die wir als Starbulls in der DEL2 mit eingeleitet haben, voranzutreiben. Wir müssen unseren Fans und Sponsoren das Gefühl geben, dass es keinen Stillstand gibt. Mit dem Eishockey in Deutschland geht es bergauf und somit steigen auch die Budgets. Darum müssen wir die nötige Professionalität erreichen.“
Es geht nicht mehr rein um den Sport. Die Fans wollen etwas geboten bekommen, was über das sportliche Geschehen auf dem Eis hinaus geht. Da wollen Thaller und seine Vorstandskollegen Jost Fischer und Peter Dürr anknüpfen. „Wir wollen die Qualität und das Event rund um das Spiel steigern. Wir wollen die Wertigkeit der Heimspiele erhöhen. Das beginnt damit, dass wir das Stadion aufwerten, sowohl optisch, als auch qualitativ. Der Komfort muss beispielsweise angehoben werden. Man muss den Zuschauern das Gefühl geben, dass der Eintrittspreis das Erlebnis Starbulls Rosenheim wert ist.“

Und wenn alles zusammenkommt, dann kann man sich in Rosenheim wieder auf eine tolle DEL2 Saison freuen. Mit einer Rosenheimer Mannschaft, die der traditionellen Verpflichtung gerecht wird.
„Ziel für uns ist mit einer ausgewogenen, jungen Mannschaft die Playoffs zu erreichen. Und da wollen wir, wie schon in den vergangenen Jahren, für eine Überraschung sorgen. Wir wollen zeigen, was man mit einem Team erreichen kann, in dem jeder für jeden kämpft“, gibt Thaller die Marschroute für 2015 / 2016 vor. Christian Baab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.