Neue Wetterstation am Wendelstein

Sie liefert wertvolle Daten zur Beurteilung der Lawinenlage

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Wendelstein_009Landkreis – Zum Teil sehr unterschiedliche Wetterverhältnisse haben im vergangenen Winter die Arbeit der drei LawinenKkommissionen im Landkreis geprägt. Wie auf der Tagung vom Freitag in Brannenburg bekannt wurde, musste vor allem am Wendelstein viel gesprengt werden, um das Lawinenrisiko zu minimieren. Neu am Wendelstein ist eine Wetterstation im Bereich der Soinhütte, die seit zwei Wochen Daten liefert. 

Florian Obermair, der stellvertretende Obmann der für den Wendelstein zuständigen Lawinen-kommission Brannenburg berichtete von einem normalen Winter mit ausreichend Schnee und einem stabilen Schneedeckenaufbau. An 57 Tagen war Skibetrieb an der Ostabfahrt möglich. Insgesamt führte die Lawinenkommission Brannenburg an 26 Tagen 119 Lawinensprengungen durch. Dabei wurden fast 600 Kilogramm Sprengstoff verbraucht.

 

Neu am Wendelstein ist eine Wetterstation im Bereich der Soinhütte, die seit zwei Wochen Daten liefert. Die Schließung der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes am Wendelstein hatte die Arbeit der Lawinenkommission Brannenburg erheblich erschwert. Um eine Empfehlung für die Ostabfahrt des Wendelsteins erarbeiten zu können, mussten die Mitarbeiter der Kommission beispielsweise in den Seehang einfahren, was laut Obermair nicht ungefährlich war.

 

Die neue Wetterstation in 1.580 Meter Höhe liefert Daten zur Schneehöhe, zur Luftfeuchte, zur Sonneneinstrahlung und zur Art des Niederschlags. Sie misst die Temperatur in der Luft, auf der Schneeoberfläche und im Schnee. Zudem kann sie den Wasser- und Eisgehalt in der untersten Schicht der Schneedecke feststellen.

 

Im Unterschied zur Kommission in Brannenburg kam die Lawinenkommission Oberaudorf-Kiefersfelden ganz ohne Sprengungen durch den Winter. Wie Obmann Hans Berger mitteilte, gab es im Bereich der Skiabfahrten Rosengasse und Schönaueralmen durchwegs einen stabilen Schneedeckenaufbau. Gleiches galt für den Bereich um die Gemeindestraßen Schindelberg – Regau und Waldkopf – Grafenherberg. Mitte Dezember musste die Mühlauerstraße in Kiefers-felden drei Tage gesperrt werden. Ein Wärmeeinbruch und Regen führte erwartungsgemäß zum Abgang von nassen Lockerschneelawinen. Keine Gefahr brachte dagegen das Tauwetter im Januar und Februar. Weil zu wenig Schnee lag, erreichten die Lawinen die Straße nicht. Die Lawinenkommission Brannenburg registrierte zudem Gleitschneelawinen am Brünnstein, Traithen und Wildalpjoch. Insgesamt war der Winter geprägt von teils ergiebigen Schneefällen mit zeitweise stürmischem Wind, frostigen Temperaturen, aber auch Tauwetter, Regen und Föhn.

 

Auch an der Kampenwand war der Winter wechselhaft und stürmisch mit Windgeschwindigkei-ten bis zu 130 Stundenkilometer, aber auch Regen bis auf 1.500 Meter. Der Skibetrieb wurde Ende März eingestellt. Nach Auskunft von Rudi Angermaier, dem Obmann der Lawinenkommis-sion Aschau bestand nur an ein paar Tagen eine Lawinengefahr. Sie wurde durch rechtzeitiges Sprengen beseitigt. An den drei Sprengtagen wurden 75 Kilogramm Sprengstoff verbraucht.

 

Dr. Bernd Zenke, der Leiter der Lawinenwarnzentrale Bayern, beurteilte den vergangenen Winter als einen ruhigen. Es gab allerdings außergewöhnlich viele Nichtsonnentage, wie Dr. Zenke es nannte. Durch die geringe Sonneneinstrahlung kam es in der Schneedecke kaum zu Verän-derungen. Die Lawinengefahr blieb daher meist gering.

 

Der einzige Lawinentote in Bayern war im Mai im Allgäu zu beklagen. In einer Rinne hatte eine Familie in einer vorhandenen tiefen Spur ein Schneefeld überquert. Der untere Teil des Schnee-felds löste sich und rutschte 50 Meter ab. Der Familienvater kam dabei ums Leben.

 

Landrat Josef Neiderhell und Brannenburgs Bürgermeister Mathias Lederer lobten das ehren-amtliche Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Lawinenkommissionen. Er sei sehr dankbar, dass alles so gut klappt, meine der Landrat. Ein eindringliches Beispiel, wie wertvoll dieses Ehrenamt ist, lieferte Dr. Zenke. In Italien und Spanien, so berichtete er, ist die Lawi-nenwarnung ausschließlich hauptamtlich organisiert. Weil kein Geld mehr für das Personal vor-handen ist, brach in beiden Ländern die wichtige Lagebeurteilung im Gelände weg.

 

Abschließend wurde auf der Tagung der Lawinenkommission noch das Problem von uneinsich-tigen Skifahrern und Skitourengehern diskutiert. Während der Pistenpräparierung, aber auch wenn ein Bereich für eine Lawinensprengung vorbereitet ist, missachten Skifahrer immer wieder die Sperrungen. Dies soll mit einem Bußgeld bis zu 1.000 Euro geahndet werden.

Fotolia: Resi

 

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