Im Wohncontainer: Armand malt!

Das, was ihn bewegt nach sieben Jahren auf der Flucht - Ohne Kurs, einfach aus der Seele

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kunst asylDer Alltag in einem Wohncontainer von Flüchtlingen ist meist eher grau. Für viele Bewohner gehen an manchen Tagen die Stunden nicht vorbei. Armand Diagne hat sich für einen aktiveren Weg entschieden bei uns im Landkreis. Der 32-jährige Senegalese malt im Wohncontainer. Es sind Bilder in kräftigen Farben. Bilder, die direkt aus der Seele des Künstlers kommen, denn Armand Diagne hat noch nie einen Mal- oder Zeichenkurs besucht. Er weiß nicht, ob er jetzt naive Malerei oder expressionistische Arbeiten macht. Er weiß auch nicht, was modern ist, was gefragt ist. Er malt einfach das, was ihn bewegt. Unser Portrait …

Was ihn bewegt, das sind mittlerweile sehr viele Dinge. Nach sieben Jahren auf der Flucht vor den unhaltbaren Zuständen in seiner Heimat hat er vieles gesehen, was sich in seinem Gedächtnis eingebrannt hat. Am meisten malt Armand jedoch Motive, die ihn an seine Heimat erinnern. Wenn er afrikanische Frauen malt, so malt er sie würdevoll und anmutig: „Viele Männer aus meiner Heimat behandeln Frauen nicht mit Respekt. Doch genau das möchte ich mit meinen Bildern machen.”

 

Die Personen und Landschaften, die auf seinen Gemälden zu sehen sind, gibt es nicht wirklich. „Keine Person ist etwa irgend jemand aus meiner Familie.” Auch die afrikanischen Dörfer, die auf vielen seiner Bilder auftauchen, gibt es nicht in Wirklichkeit. Sie sehen aber sehr ähnlich aus. Denn Armand hat bis zuletzt in einem kleinen senegalesischen Dorf gelebt.

Dass er überhaupt mit dem Malen begonnen hat, verdankt er einer Mitarbeiterin im Helferkreis für seinen Wohncontainer. Sie brachte ihm vor einigen Wochen einen Block und Farbstifte, damit er eine Beschäftigung hat. Mittlerweile hat sich die Beschäftigung zur Passon entwickelt. Armand, der bisher nur mit Bleistift und Kohle gezeichnet hatte, malt inzwischen auf Leinwand. Die bekam er genauso wie die Acrylfarben gespendet.

In einer kleinen Ecke des Gemeinschaftsraumes des Containers hat er seine Staffelei aufgebaut – die bekam er über die Helfer-Plattform „Hand in Hand”. Dort malt er meist ab zwei oder drei Uhr in der Nacht. „Dann habe ich meine Ruhe und kann ganz alleine mit Pinsel und Leinwand sein”, erzählt er.

 

Beruflich will Armand, ein gelernter Elektriker, jedoch etwas anderes machen als die Malerei. Er hofft, dass er, wenn er seine Deutschkurse hinter sich hat und die Sprache einigermaßen beherrscht, hier irgendwo wieder als Elektriker arbeiten kann.

Die Malerei soll ein Hobby bleiben. Nur so fühlt er sich frei und kann die Motive malen, die ihn bewegen. „Manchmal sitze ich mehrere Tage überhaupt nicht vor der Leinwand”, sagt er. „Und manchmal kann ich gar nicht mehr aufhören, wenn mir etwas einfällt.”

 

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