Dramatisch bis ganz zum Schluss …

Was wirklich zwischen der Feuerwehr und der Stadt in Bad Aibling geschah

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ffwEs ist kurz nach 20 Uhr. Im Feuerwehrmagazin von Bad Aibling ist die Stimmung sichtlich gelöst. Auf dem Grill brutzeln Burger, die Kameraden sitzen drinnen im Stüberl zusammen oder reden draußen im Außenbereich miteinander. Die Wache ist besetzt. Unter die Aiblinger Feuerwehrleute haben sich Kollegen aus Kolbermoor gemischt. Sie waren am Abend mit dabei im Rathaus bei der alles entscheidenden Stadtratssitzung. Es hätte ja sein können, dass sie den Dienst für die Aiblinger Feuerwehr an diesem Abend hätten übernehmen müssen. Wenn der Kommandant Wolfram Höfler der von Bürgermeister Felix Schwaller vorgetragenen Resolution (wir berichteten) nicht zugestimmt hätte. Denn gleich dreimal wurde diese zuvor geändert …

Doch weg mit dem Konjunktiv – die Lage ist die, dass die Feuerwehr der Stadt Bad Aibling von 20 Uhr bis Mitternacht in der Nacht zum gestrigen Freitag den „Status 6 – nicht einsatzklar“ an die Leitstelle gemeldet hat. Nicht als Aktion gegen die Stadt, sondern als kleine Auszeit nach turbulenten Tagen.

„Viele meiner Leute waren so erleichtert, weil die Stadt unsere Forderungen erfüllt hat, dass sie gleich wieder Dienst schieben wollten“, sagt Wolfram Höfler im Gespräch mit der AIB-Stimme. „Doch ich habe gesagt, dass sie wenigstens bis Mitternacht mal abschalten sollen. Schließlich waren ja die Kollegen aus Kolbermoor da, die dann im Ernstfall übernehmen konnten.“ Der Ernstfall ist zum Glück nicht eingetreten, die ganze Nacht über blieb es ruhig.

„Aiblinger Friede“ stand auf wackeligen Beinen

So friedlich und entspannt, wie es nach außen wirkt, war die Lage allerdings keinesfalls: Der „Aiblinger Friede“ stand lange Zeit auf ziemlich wackeligen Beinen. Denn die von Felix Schwaller vorgetragene Resolution musste noch dreimal auf Wunsch der Feuerwehr umgearbeitet und ergänzt werden.

Die anfänglichen Versionen, in der die Feuerwehr in blumigen Worten gelobt wurde, war dem Kommandanten zu wenig und nichtssagend. Ihm und seinen Leuten ging es vor allem um eines: Niemand anderes als der Federführende Kommandant ist Ansprechpartner für den Stadtrat. Der Referent für Hilfsdienste, Stadtrat Josef Glaser, muss erklären, seine ehrenamtliche Arbeit für den Bereich der Freiwilligen Feuerwehren in Bad Aibling für die Dauer seiner Referententätgikeit ruhen zu lassen, um Schaden von der Stadt Bad Aibling abzuwenden. So stand es letztendlich auch in der Resolution, die Schwaller mit der Feuerwehr bis zur letzten Minute vor Beginn der Sitzung verhandelte.

Höfler: „Als wir gestern schon mit dem Korso auf den Marienplatz zusteuerten, wurde telefonisch noch an Formulierungen gefeilt.“ Alle besprochenen Punkte konnten deshalb in der Kürze der Zeit nicht mehr in die Resolution mit aufgenommen und vorgetragen werden. Sie wurden am Freitag von der Stadt nachgereicht. Gerade diese Ausführungsbestimmungen waren Höfler und der Feuerwehr sehr wichtig:

  1. Referent für die Hilfsdienste ruht zwar, der Bereich der Feuerwehren der Stadt Bad Aibling ist aber grundsätzlich aus dem Referat herausgenommen, dafür steht da jetzt der Federführende Kommandant. Das ist ein Verwaltungsakt.
  2. Der Referent hat keinerlei Zugang zu Akten oder anderen Verwaltungsunterlagen, die Feuerwehren der Stadt Bad Aibling betreffen
  3. Hausrecht in der Feuerwache Bad Aibling hat der Federführende Kommandant

Mit dieser Version kann Höfler jetzt leben. Was ihm allerdings wichtig ist: Die Resolution wurde nicht von Stadt und Feuerwehr verfasst, sondern von der Stadt und von der Feuerwehr so akzeptiert. Er gibt allerdings zu: „Viele Kollegen und ich hätten nie gedacht, dass dies einmal in Bad Aibling möglich sein wird.“

Obwohl sich, wie gesagt, die meisten Feuerwehrler der Stadt wieder Normalität wünschen, kann die nicht so einfach wieder einkehren. Das Psychosoziale Nachversorgungsteam (PSNV) ist ständiger Gast im Feuerwehrmagazin und betreut die Einsatzkräfte, die beim Zugunglück schreckliche Dinge mit ansehen, erleben und verarbeiten mussten. Auch jetzt wieder war das PSNV vor Ort.

Höfler: „Manche brauchen auf jeden Fall Einzelbetreuung, bei anderen geht es, wenn sie Gruppensitzungen haben.“ Schon alleine deswegen war es hilfreich, dass Kolbermoorer Kollegen vor Ort waren, die selbst nicht beim Zugunglück im Einsatz waren. Für alle waren schon Betten in der Aiblinger Wache aufgestellt, die kleine Auszeit hat der gesamten Truppe richtig gut getan.

Reinigendes Gewitter

So ärgerlich die gesamten Vorkommnisse in den vergangenen Tagen auch gewesen sind, sie haben letztendlich zu dem reinigenden Gewitter geführt, das in dem jahrelangen schwelenden Streit zwischen Stadt und Feuerwehr schon längst nötig war.

Wolfram Höfler selbst gönnt sich nach den aufregenden Tagen seit dem Unglück nur an diesem Wochenende ein paar freie Tage. „Ich hatte ja eine Pressetherapie“, sagt er lachend und meint dies durchaus ernst. „Denn ich wurde ja gleich nach dem Unglück von einem Interview zum, nächsten gereicht. Da konnte ich ständig über alles reden und habe dabei gespürt, wie gut das tut.“

Nach so einem Erlebnis viel reden und nicht alles in sich heinein fressen – das sei ganz wichtig. Wichtig sei auch, dass die Kollegen sich untereinander austauschen. In den vergangenen Tagen war Höfler meistens bis tief in der Nacht auf der Wache und hat seinen Leuten zugehört und mit ihnen geredet. „Viele helfen sich auch gegenseitig. Das ist ganz großartig“, sagt er.

Und dann erzählt er, wie ein alleinstehender Feuerwehrmann von einem Kollegen nach Hause zu seiner Familie eingeladen wurde, damit er nachts nicht alleine schlafen muss. Das von der Politik so oft beschworene „Zusammenrücken in schweren Situationen“ – bei der Feuerwehr Bad Aibling funktioniert es bereits bestens.

af

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