Die Musik hilft in schlechten Zeiten – sehr!

Rapper Smatcha aus dem Aiblinger Wohncontainer mit HipHop voller Hoffnung

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smatcha_1 Wenn Smatcha am Mikrofon steht und seine eigenen Songs rappt, dann erzählt er von seinem Leben und von siner Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Denn Smatcha stand bisher nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens. Der 28-jährige Nigerianer ist Flüchtling und lebt seit einigen Wochen im Wohncontainer an der Krankenhausstraße in Bad Aibling …

Zusammen mit drei anderen Asylbewerbern aus Afrika in einem Zimmer muss der Musiker tagtäglich mit vielen Kompromissen leben. „Hier in dieser Atmosphäre eigene Songs zu schreiben, ist unglaublich schwer”, sagt er. „Ständig platzt jemand wieder ins Zimmer rein, bringt Feunde und Bekannte mit. Auch in der Nacht. Dann wird laut geredet und gelacht – Konzentration ist so nicht möglich.”

Zum Glück hat er eine Patin vom Kreis Migration, die ihn ab und zu rausholt aus dem Container und ihm bei sich zu Hause Platz anbietet, wo er an seinen eigenen Ideen arbeiten kann.

Dann entstehen Songs wie „Don’t Look Back”. Ein Titel, den der HipHop-Musiker im Rosenheimer  „7 Sinne Studio” aufgenommen hat und der auf You Tube zu sehen ist. Oder ein Track wie ein gerade vor drei Tagen produzierter Song, der vom Neid, von Intoleranz und von Gewalt handelt.

All das hat Smatcha selbst erlebt. Als Kind einer großen Familie ist er in der nigerianischen Millionenstadt Port Harcourt aufgewachsen. „Mein Vater hatte 23 Kinder mit 15 verschiedenen Frauen”, erzählt er. Seine leibliche Mutter hat er nie kennen gelernt, sein Vater starb als Smatcha sechs Jahre alt war.

Also musste er bei einer Stiefmutter aufwachsen, die mit ihm und ihrem leiblichen Sohn irgendwann nach Italien zog. Dort heiratete sie einen Italiener, der sich bald wieder scheiden ließ. Ab diesem Moment war Smatcha dann der unerwünschte Stiefsohn und wurde vor die Tür gesetzt. Ohne italienischen Pass musste er sich jahrelang durchschlagen, war auf Gelegenheitsjobs angewiesen, hatte keine eigene Wohnung.

Stress in Prien

Vor zehn Monaten fuhr er dann mit dem Bus nach Deutschland. Ohne Papiere und ohne Kontrolle. Über das Erstaufnahmelager in München kam er dann nach Prien in eine WG. Das war suboptimal. Denn als er seine deutsche Freundin hier kennen lernte, wurde er mit dem Neid seiner Mitbewohner konfrontiert. Es kam zum Streit – zu dritt prügelten sie auf ihn ein. Damit er vor derartigen Attacken in Zukunft geschützt ist, landete Smatcha letztendlich in Bad Aibling.

Und es scheint, als ob er hier endlich angekommen wäre. „Die Menschen hier sind so freundlich”, schwärmt er. „Es gibt viel Unterstützung und positive Energie.” Die braucht er zum Komponieren, und die braucht er auch für die Zukunft. Denn Smatcha wird im kommenden Sommer Vater und sucht gemeinsam mit seiner Freundin eine Wohnung. Was für deutsche Paare schon oft keine leichte Übung ist, gestaltet sich für einen Flüchtling mit deutscher Freundin beinahe zur Mission Impossible. Doch aufgeben wird Smatcha so schnell nicht. Es ist nicht seine Art, das entspricht nicht seiner Lebenseinstellung.

Auftritt am kommenden Samstag in Traunstein

Manchmal denkt er, das Glück stehe doch auf seiner Seite – schon seitdem er als Neunjähriger zum Rappen angefangen habe, denke er so. „Letztendlich ist mir immer das Richtige zur richtigen Zeit passiert.“

In schlechten Zeiten tröstete sich Smatcha auch mit der Musik seiner Idole wie Tupac, DMX oder Notorious B.I.G.. Derzeit scheint er, was seine Musik anbelangt, jedoch eine richtig gute Zeit zu haben. „Ich kann Musik machen und werde so langsam sogar schon auf der Straße erkannt”, sagt er.. „Das ist großartig!” Damit er noch bekannter wird, nimmt er jede Gelegenheit wahr, sich dem Publikum zu präsentieren. Nach seinem Auftritt bei einem Spiel der Ablinger Basket-Fireballs (wir berichteten) steht nun das nächste Bühnenerlebnis an: Smatcha wird am kommenden Samstag, 5. Dezember, im Sportlerbräu Traunstein (Helmut Schreiner Weg 1) beim „Freejay HipHop Jam” mitmachen.

Ein geplanter Auftritt an Weihnachten, am 26. Dezember, in Bielefeld steht allerdings noch auf wackeligen Beinen. „Dort bekomme ich keine Gage – und ich weiß noch nicht, ob ich es mir leisten kann, die Anreise selbst zu finanzieren.”

 

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