Die Arbeit geht jetzt erst los

Jährliches Treffen der Behindertenbeauftragten und Bürgermeister

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lkr_logo_223x236Rosenheim/Landkreis – Die praktische Umsetzung des Teilhabeplans für Menschen mit Behinderungen und der bevorstehende Abschluss eines gemeinsamen Projekts des Chiemsee-Alpenland Tourismusverbands und der NatKo, der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für Alle e.V., standen im Mittelpunkt des jährlichen Treffens der gemeindlichen Behindertenbeauftragten und der Bürgermeister im Landratsamt Rosenheim. Landrat Josef Neiderhell ermunterte die Anwesenden schon in seiner Begrüßung, sich in Sachen Tourismus weiter zu engagieren, damit es Schritt für Schritt zu weiteren Verbesserungen komme.

Ende März sollen die Ergebnisse des Tourismusprojekts auf der Internetseite des Chiemsee-Alpenland Tourismusverbands freigeschaltet werden. Benjamin Suthe und Guido Frank von der NatKo sind derzeit in Stadt und Landkreis unterwegs, um touristische Einrichtungen wie Gast-stätten, Thermen, die Chiemsee-Schifffahrt oder Radwege für Handbikes in Augenschein zu nehmen. Ihre Aufgabe ist es, denn Stand der Barrierefreiheit festzustellen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in einem Steckbrief für jede Einrichtung zusammengefasst. Ziel ist es, mehrere Steckbriefe zu verknüpfen und so ein Angebot für einen Ausflugstag zusammenzustel-len, einschließlich Übernachtung und Verpflegung.

 

Bei ihren Recherchen stellten die beiden Vertreter des Vereins Nationale Koordinierungsstelle Tourismus für Alle e.V. unter anderem fest, dass bei einigen touristischen Einrichtungen noch Beratungsbedarf vorhanden ist und bestehende Angebote nicht vermarktet werden. So ist bei-spielsweise kaum bekannt, dass es am Badeplatz Happinger Ausee oder an den Badeplätzen am Simssee Zugänge für Rollstuhlfahrer gibt.

 

Das zweite Thema, der Teilhabeplan für Menschen mit Behinderungen war vom Rosenheimer Kreistag in seiner Sitzung im Dezember vergangenen Jahres gebilligt worden. Die Inhalte stehen auf dem Papier, sagte die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anita Read, zum Einstieg und ergänzte mit der Frage: Wie werden sie umgesetzt? Sozialplaner Jürgen Laupheimer, der an der Erstellung des Teilhabeplans wesentlich mitwirkte, stellte in seinem Vortrag mögliche Perspektiven vor. Im Bereich Schule plant das Rosenheimer Schulamt, eine Inklusionsberatung für Lehrkräfte und Eltern anzubieten. Sie soll mit dazu beitragen, eine wohnortnahe und inklusive Beschulung für alle Kinder, egal ob mit oder ohne Behinderung, zu ermöglichen. Eine barrierefreie Schule sollte selbstverständlich sein, meinte Laupheimer. Er schränkte aber ein, dass die Umgestaltung älterer Schulgebäude in Richtung Barrierefreiheit technisch möglich und finan-zierbar sein muss.

 

Damit Menschen mit Behinderungen entsprechend ihren Wünschen wohnen können, gilt es, neue oder individuelle Wohnformen zu entwickeln. Konkret helfen könnte hier eine Wohnraumberatung. Die wird bereits angeboten, beispielsweise von der Diakonie. Die Anwesenden waren sich einig, dass dieses Angebot besser bekannt gemacht werden muss.

 

Eine schwierige Aufgabe ist auch, Menschen mit Behinderungen unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten, in Arbeit zu bringen. Um ihnen eine Chance zu geben, sollen Unternehmen angesprochen werden. Stadt und Landkreis werden zudem die Arbeitsgruppe „Arbeit und Beschäftigung“ weiterführen.

 

Auch in der Freizeit ist die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen ein großes Thema. Die Umgestaltung von Freizeitzielen, damit diese überhaupt erreichbar oder betretbar sind, ist nur ein Aspekt. Um auch mehr Kontakte zu ermöglichen, will man sich an Vereine wenden, damit sich diese stärker für Menschen mit Behinderungen öffnen.

 

Viel zu tun gibt es darüber hinaus im Bereich Mobilität. Bei der Nutzung des öffentlichen Verkehrs, aber auch im öffentlichen Raum sind noch viele Barrieren abzubauen. Die Arbeitsgruppe „(früh)kindliche Bildung“, die im Zuge der Erstellung des Teilhabeplans zurückgestellt worden war, wird demnächst eingerichtet. Sozialplaner Jürgen Laupheimer kündigte an, dass sich der Landkreis bei der Umsetzung des Teilhabeplans für Menschen mit Behinderungen führend ein-bringen wird. Auch die bereits bewährten Einrichtungen wie Arbeitsgruppen, Teilhabekonferenzen und die Steuerungsgruppe werden bei Bedarf aktiviert.

 

Die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anita Read, nutzte das Treffen, um sich bei Landrat Josef Neiderhell zu bedanken und auf Wiedersehen zu sagen. Wir haben einen Landrat kennen gelernt, der uns in der Behindertenarbeit sehr beeindruckt hat. Neiderhell gab das Lob zurück und bedankte sich bei den Behindertenbeauftragten für ihr Engagement: Vielen Dank für die tägliche Arbeit, macht weiter so, wir brauchen euch.

 

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