Die Anzeige gegen den Anzeigen-Erstatter …

Eine falsche Verfolgungsjagd und eine unnötige Großfahndung

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BlaulichtBad Aibling – Eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände hielt am frühen Freitagabend die Polizei und einige Autofahrer auf Trab. Sehr kurios war es zu zwei Anzeigen wegen Unfallflucht gekommen, die am Ende dann doch keine waren. Die ungewöhnliche Geschichte wurde der Wasserburger Stimme am heutigen Samstagmorgen von der Polizei gemeldet. Der Anfang noch recht harmlos: Ein 42jähriger Italiener, der einem Stau auf der Autobahn A8 in Richtung Salzburg entgehen wollte, fuhr mit seinem BMW an der Anschlussstelle Bad Aibling dann doch wieder zurück in Richtung Autobahn. Da ihn die Verkehrsführung jedoch irritierte …

… und er aufgrund entsprechender Markierungen auf der Fahrbahn glaubte, anhalten zu müssen, um etwaigen Querverkehr passieren zu lassen, bremste er seinen 5er BMW ab. Ein ihm nachfolgender Pkw-Lenker übersah dies und fuhr mit seinem Auto auf den BMW auf. Der Italiener, der im Einmündungsbereich nicht stehen bleiben wollte, fuhr ein paar Meter weiter und hielt auf dem Bankett im Kurvenbereich des Aufschleifers der Autobahn an – in der Hoffnung, der unbekannte Unfallgegner würde ihm dorthin folgen und ebenfalls anhalten.

Als der BMW-Fahrer jedoch kurz darauf von einem schwarzen Audi rasant überholt wurde, glaubte er, sein Unfallgegner würde sich auf und davon machen, weshalb er sofort die Verfolgung aufnahm.

Gleichzeitig verständigte er über Notruf die Einsatzzentrale in Rosenheim, die eine Funkfahndung nach dem Audi mit deutscher Zulassung ausstrahlte. Der Italiener konnte zwar zu dem Audi aufschließen und mit Handzeichen auf sich aufmerksam machen, doch war dieser nicht zum Anhalten zu bewegen, sondern versuchte augenscheinlich dem BMW-Fahrer zu entkommen.

Nach Rücksprache mit der Polizei gab der Italiener die Verfolgung auf und mehrere Streifen der Verkehrspolizeien Rosenheim und Traunstein fahndeten schließlich nach dem Audi, der jedoch nicht mehr auf der Autobahn festgestellt werden konnte.

Der geschädigte Italiener erstattete schließlich bei der Autobahnpolizei in Siegsdorf Anzeige wegen Unfallflucht.

Wie sich erst nach Abschluß der Anzeigenaufnahme und Spurensicherung herausstellte, erstattete eine Stunde nach dem Unfall bei der Polizei in Traunstein ein Stuttgarter Mazda-Fahrer Anzeige wegen Unfallflucht gegen einen italienischen BMW-Fahrer, der angeblich nach einem Unfall an der Anschlussstelle Bad Aibling flüchtig war.

Ein flüchtender Audi-Fahrer, der gar nicht flüchtete

Hierbei handelte es wiederum um den Anzeigenerstatter, der zuvor bei der Autobahnpolizei vorstellig geworden war. Der 49jährige Stuttgarter, dessen Mazda nach dem Unfall zunächst nicht mehr fahrbereit war, hatte seinem Unfallgegner natürlich nicht folgen können und sah diesen dann nur mit hoher Geschwindigkeit davonfahren, als dieser die Verfolgung nach dem vermeintlichen unfallverursachenden Audi aufnahm.

Letztlich hatte der „flüchtige“ Audi nichts mit dem Unfall zu tun. Vermutlich war dessen Fahrer die Sache mit dem italienischen BMW auch nicht ganz geheuer, als dieser neben ihm wild gestikulierte, so dass er Reißaus nahm.

Der Sachverhalt konnte somit aufgeklärt werden und die Unfallgegner die Personalien austauschen. Wegen des Auffahrens auf das vorausfahrende Fahrzeug des Italieners hat der Mazda-Fahrer nun lediglich mit einem Verwarnungsgeld zu rechnen. Es entstand insgesamt ein Sachschaden von etwa 4000 Euro. Verletzt wurde niemand.

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