Das Problem ist das Sickerwasser

Landratsamt: Großes Interesse an Infoveranstaltung zu Biogasanlagen

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BiogasanlageZahlreiche Stühle wurden herbeigeschafft, damit alle Besucher einen Sitzplatz bekamen. Im großen Sitzungssaal des Rosenheimer Landratsamtes wurde es eng. „Offenbar gibt es Gesprächsbedarf“, meinte dazu Landrat Wolfgang Berthaler in seiner Begrüßung. Auf Einladung der Fachkundigen Stelle für Wasserwirtschaft im Landratsamt wurde der sichere Betrieb von Biogasanlagen und damit verbunden der Schutz von anliegenden Gewässern thematisiert.

Für Christian Rinser, den Sprecher der Ortsgruppe Biogas Rosenheim, gehört Biogas zur Landwirtschaft wie Viehhaltung oder Urlaub auf dem Bauernhof. Rinser, der selbst seit 2001 eine Biogasanlage betreibt, äußerte sich überzeugt davon, dass Biogas eine gute Sache ist. Aus Sicht des Bayerischen Umweltministeriums können Biogasanlagen einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten, wenn sie sicher betrieben werden.

Von 2004 bis 2014 wurden in Bayern 733 Fälle von kleineren und größeren Gewässerverunreinigungen durch Biogasanlagen bekannt. Laut Dr. Andreas Hofmann vom Umweltministerium wurde die Mehrzahl der Gewässerverunreinigungen durch austretende Flüssigkeiten bei der Lagerung von Biomasse verursacht, zumeist zurückzuführen auf Verhaltensfehler oder Materialversagen.

Diese Sickersäfte beinhalten hochkonzentriert Nährstoffe. Gewässer können mit diesem Eintrag nicht umgehen, sagte Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Sie zehren den Sauerstoff auf und führen, im Extremfall, zu einem Fisch- und Amphibiensterben. Im Boden lassen die Sickersäfte Bäume absterben, weil sei mit den Nährstoffen nicht zurechtkommen. Dr. Roch riet, Undichtigkeiten in den Silos zu beseitigen.

Eine Biogasanlage ist eine Anlage nach dem Wasserhaushaltsgesetz. Für den Betreiber leitet sich daraus eine Pflicht zur Überwachung ab. Der Sachverständige Norbert Scheffler empfahl eine tägliche Inaugenscheinnahme sowie einmal im Monat eine Überprüfung aller wasserrechtlich relevanten Anlagenteile wie Fahrsilos, Einrichtungen zur Entwässerung, Gärbehälter, Pumpenräume oder Abfüllplätze. Diese Eigenüberwachung muss dokumentiert werden. Laut Scheffler kann ein ordentlich geführtes Betriebstagebuch von zentraler Bedeutung in einem Schadensfall sein. Fehlende Einträge können dazu führen, dass eine Versicherung die Zahlung verweigert.

Das Problem des Sickerwassers beschäftigte den Sprecher der Ortsgruppe Biogas Rosenheim Christian Rinser. Er machte verschiedene Vorschläge zur Gestaltung von Fahrsilos und riet zudem, Planen einzusetzen. Sickerwasser enthält Säure, dem Zement auf Dauer nicht standhält. Eine aufkommende Diskussion um ein mögliches  Entgegenkommen des Landratsamtes gegenüber den Betreibern von Biogasanlagen unterbrach der Sachverständige Norbert Scheffler. Im Wasserhaushaltsgesetz gibt es keine Spielräume, auch nicht für kleine Anlagen. Aus der Nummer kommen sie nicht raus, sagte Scheffler. Er gestand aber zu, dass bei Altanlagen kreative Einzellösungen möglich sind.

In Bayern gibt es derzeit 2.360 Biogasanlagen, die meisten davon in den Landkreisen Ansbach und Rottal-Inn. Die Landkreise Rosenheim und Traunstein liegen mit je 93 Anlagen auf Platz drei.

Bild: Fotolia

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