Zum Jubiläum: Soyen hat sein eigenes Buch

„Damit ma se no erinnert, wenn de Musi verklungen und des Festzelt abgebaut is"

1Sogar Prominenz aus dem Fernsehen war gekommen: Moderatorin Uschi Dämmrich von Luttitz saß im Publikum, als heute am Abend im Soyener Rathaus eine Besonderheit zum 1200-Jährigen der Ortschaft im feierlichen Rahmen vorgestellt wurde: Ein packender Krimi von dem früheren Einheimischen und heutigen Bestseller-Autor Johannes K. Soyener. Der Titel: Toteissee. der Roman wurde von der Gemeinde Soyen zum Jubiläum in Auftrag gegeben und ist nun erhältlich. „Damit ma se no erinnert, wenn de Musi verklungen und des Festzelt abgebaut is“, sagte Bürgermeister Karl Fischberger heute schmunzelnd. Wohl einmalig dieses Projekt! Und um mit einer bekannten Rosenheimer TV-Krimiserie zu sprechen: Es gabat da ab sofort a Leich …

Fotos: Renate Drax

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Der Fall Soyen „TOTEISSEE“ gilt als unaufgeklärt. Wer ist der Täter? Diese Frage verfolgt Kommissar Maximilian Fangeisen sein ganzes Dienstleben hindurch, denn seinen ersten Mordfall vergisst man nie … Für die geladenen Gäste heute im Soyener Rathaus war die Buch-Präsentation auch ein einmaliges Erlebnis – erzählte der Autor Johannes K. Soyener (unser Foto) doch genau die Entstehungsgeschichte des Krimis – von brisanten Details seiner Recherchen im Vorfeld bis hin zur Beschreibung seines Protagonisten.

6Selten, dass ein Publikum das so spannend erfährt und den Blick hinter die Kulissen eines Buchautors werfen darf.

Auch Verleger Klaus G. Förg (unser Foto zeigt ihn links mit Bürgermeister Fischberger) von der gleichnamigen Buchhandlung in Rosenheim freute sich über das gelungene Projekt mit der Gemeinde Soyen und dem Autor.

Ein ganz besonderer Dank galt von Seiten Johannes K Soyener und von Bürgermeister Karl Fischberger dessen Chefsekretärin Christa Knörr (Foto unten), die sich großartig in dieses Gemeinschaftswerk eingebracht habe – trotz der Vorbereitungen zu den Jubiläumsfeierlichkeiten.

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krimi

Der Prolog:

Im Sommer 1968 wird der mutmaßliche Urlauber Bill Traser aus Manchester, England, vermisst. Er hatte mit seinem gemieteten Wohnmobil am Soyener See Urlaub machen wollen. 1970, zwei Jahre später, wird seine Leiche am Grund des Sees von Hobbytauchern gefunden. Eine der schönsten „Wachsleichen“ wie es heißt. Das Grauen manifestiert sich am Schädel. Ein Harpunenpfeil steckt darin. Maximilian Fangeisen, Mordkommission Rosenheim, übernahm damals den Fall. Sein erster. Dazu noch in seiner Heimatgemeinde.

TOTEISSEE-Coverklein

Das schöne Titelbild stammt von Peter Oberpriller aus Soyen.

Damals passte gar nichts zusammen, der TäterIn blieb unauffindbar. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Fünfundvierzig Jahre vergehen. Der Fall Soyen „TOTEISSEE“ gilt als „Cold case“ – unaufgeklärt. Wer ist der Täter? Diese Frage verfolgt Fangeisen sein ganzes Dienstleben hindurch, denn seinen ersten Mordfall vergisst man nie… Fangeisen geht 2014 in den Ruhestand. Er hat in München als Hauptkommissar über tausend Todesfälle bearbeitet. Seit 2001 leitete er die OFA, die Abteilung „Operative-Fall-Analyse“. In den Zeitungen wird er als „Deutschlands bekanntester Profiler“ bezeichnet. Er müsste den Fall Toteissee nicht mehr aufklären, sondern könnte die Ruhe genießen. Er kann es nicht. Er will es nicht. Er sagt: Es gibt TäterInnen unter uns, die nicht gefasst sind. Auch wenn er/sie nicht mehr leben sollte, ich will wissen wer es war.

Einen „Cold-Case“ in meinem Geburtsort? Meine erste Leiche – unaufgeklärt? Das darf nicht sein. Mit einem Rucksack an Erfahrungen begibt er sich erneut auf Spurensuche. Was befand oder befindet sich am 14 Meter tiefen Grund des Soyen-Sees, dass einen Mord rechtfertigte? Nach Seetiefe und der damals gefunden Ausrüstungsgegenstände zu urteilen, müssen Opfer und Täter Profitaucher gewesen sein, müssen exakte Ortskenntnisse besessen haben. Zwei Männer aus dem Römerverein „Raetia“ stehen bald im Fokus. Sie kennen das Geheimnis im See.

Für beide eine reine Goldgrube. Fangeisens Recherchen decken nicht nur dunkle Familiengeheimnisse auf, die in den Wirren der Nachkriegszeit wurzeln, sondern führen ihn über England bis nach Kalifornien, wo er eine Person ausfindig macht, deren Leben eng mit dem Mord und der Nachkriegsgeschichte Soyens verwoben ist. Fangeisen weiß nun wer das Opfer ist. Als über eine geplante Suchaktion im See in der Presse eine Nachricht erscheint, geschieht ein zweier Mord. Die gleiche Handschrift. Ist der Mörder derselbe wie vor 45 Jahren?

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Eine Leseprobe

aus Toteissee:

Zerrissene Wolkenbänke ziehen rasch nach Osten über einen mondhellen Himmel ab, der dem Soyen See ein perfekt glitzerndes Aussehen verleiht. In dem Moment erkenne ich durch mein Nachtglas, wie drüben am Ostufer sich eine dunkle Gestalt löst und auf einem Surfbrett auf mich zuhält. Bill Traser ist seit Tagen ein schmerzendes Unbehagen in meinem Bauch. Ein junger Engländer. Aus Manchester, sagt er. Kam mir schon am ersten Tag seiner Ankunft, drüben am Campingplatz verdächtig vor, als er mich am Badestrand nach einem alten Feldflughafen der Amis ausfragte.

Das war bei einem gemeinsamen Bier in seinem Wohnmobil. Ich war gewarnt. Bill reiste hierher an diesen stillen Ort, um mein Revier zu beanspruchen. Warum? Das ist mir kein Rätsel. Dafür sein präzises Wissen über das, was da unten auf dem Grund ruht. Kann ich zulassen, dass ausgerechnet ein Engländer sich daran vergreift? Niemals! Unter den unendlichen Möglichkeiten verschiedener Lebenswege ist es kaum vorstellbar, dass sich zwei Lebensbahnen jemals berühren.

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Auch die Fernsehmoderatorin ließ sich den neuen Soyener Krimi vom Autor Johannes K. Soyener signieren – den Künstlernamen wählte Johannes Loohs vor Jahren übrigens schon eigens tatsächlich wegen seiner langjährigen Heimatgemeinde Soyen.

Und doch gibt es Kräfte, die diesen Kurs überraschend ändern können. In unserem Fall eine gewaltige Kraft. Wir schießen aufeinander zu wie zwei Projektile. Gradlinig. Die Kollision ist unvermeidlich. Noch stört Bill meine Kreise, aber taucht er auch heute Nacht wieder im See, lasse ich ihn daraus nicht mehr entkommen. Vielleicht hat er einen anderen Fahrplan, aber seine Endstation heißt Seegrund. Bill gehört zu der Sorte Mensch, die hier niemand kennt. Deshalb wird auch nie jemand intensiv nach ihm suchen. Was mir gut gefällt, denn dann kann ich im See weiter Beute machen. Tauchen ist so alt wie die Menschheit. Fisch unter Fischen sein. Ein schönes Hobby, obwohl wir für das Element Wasser nicht geschaffen sind…

Es ist soweit. Jetzt ist nur noch meine mentale Stärke gefragt. Ich muss mich auf das konzentrieren, was ich vorhabe. Das satte Schmatzen, mit dem der Spannungshaken für den Pfeil in den Schlitten meiner Harpune einrastet, ist für mich die reinste Beruhigung. Ich gleite in den See, tauche unter, atme Pressluft. Die Muskeln meiner Oberschenkel geben Druck auf die Flossen. Das Unterwasserareal ist in meinem Kopf kartographiert, das helle Weiß von Bills Tauchlampe, ein selbstmarkierter Zielpunkt. Ich habe drei Dinge auf die Reihe gebracht: Die fabelhafte Chance genutzt, eine ideale Schussposition eingenommen, die Sekunde seines Todes wird allein von mir bestimmt. Bill nimmt mich wahr, dreht sich um, starrt mich an …

Über den Autor Johannes K. Soyener

Kindheit und Jugend

Ich wurde am 13. September 1945 in Altötting geboren. In Bayern der Nachkriegsjahre, im zutiefst religiösen Altötting, geriet der Rummel um die Wallfahrt zu meinem prägenden Erlebnisfeld. Wir wohnten direkt am Kapellplatz 18 gegenüber der „Heiligen Kapelle“. Dreh und Angelpunkt waren Prozessionen, Messen, Kirchenkultur und vor allem das Geschäft mit den Gläubigen.

Zum Glück entdeckte meine Mutter mein musisches Talent. Ich lernte Geige spielen, wurde – obgleich Protestant – in das Kirchenorchester aufgenommen und trat auch als Solist bei Schülerkonzerten in Erscheinung. Klassische Musik, Rock and Roll, meine Aktivitäten im Leichtathletikverein und das Segeln prägten meine Jugendzeit.

Mein Vater war ein Erzähltalent. Durch seine unzähligen Geschichten über seine Jugend in Schlesien und seine Kriegsabenteuer, schuf ich mir meine eigene Vorstellungswelt. Ich selbst besaß nur eine Handvoll Bücher. Das meiste was ich in meiner frühen Jugend las, lieh ich mir aus der öffentlichen Bücherei und von Privatpersonen aus.

Ich hatte überall meine Lieblingsplätze in der Stadt und in der wunderschönen Umgebung von Altötting. Meine geheimsten Leseplätze befanden sich im Gries und im nördlichen Kirchturm der Stiftspfarrkirche, in der luftigen Höhe des Glockenstuhls. Damals begann ich Episoden und Gedanken dem Papier anzuvertrauen.

Schulisches, Berufliches und über das Schreiben

Mittlere Reife, Chemotechniker, Ing.-Lehrgang Chemie (FH/Isny), Wehrdienst, vierunddreißig Jahre Hoechst AG / Aventis. Davon siebenundzwanzig Jahre in leitender Funktion im Pharma-Bereich tätig. Von 1970 bis 2002 wohnhaft in Soyen.

Freier Schriftsteller seit 2002. Lebe jetzt in der Hansestadt Bremen.

Zum Schreiben kam ich über den Segelsport. Der Schritt von den modernen Yachten zu den alten Rahseglern war nicht groß. Ein Zitat des englischen Historikers Peter Padfield schlug mich vor dreißig Jahren in den Bann. „Die Bibel, die Artillerie und das Segelschiff waren die drei Stützpfeiler der westlichen Zivilisation. Auf ihnen wurde das wunderliche Bauwerk errichtet, und es ruht bis zur heutigen Zeit darauf.“ Ich fing an, diese Behauptung zu analysieren.

Nun gelte ich seit mehr als 18 Jahren u. a. als Experte für Schifffahrts- und Seekriegsgeschichte des 15. bis 19. Jahrhunderts. Meine Forschungen konzentrieren sich dabei auf die technische Entwicklung von Bronzegeschützrohren des 16. Jahrhunderts, deren Gusstechniken und den Einsatz auf Segelkriegsschiffen. Mein besonderes Interesse gilt darüber hinaus der Entwicklung und Geschichte der amerikanischen und englischen Clipperschiffe – der schnellsten und schönsten Segelschiffe, die die Welt je gesehen hat

Zudem habe ich mich seit mehr als zehn Jahren auch mit Gemälden alter Meister beschäftigt, sowohl die technische als auch die stilistische Analyse betreffend. Dabei gilt mein Interesse Malern wie Dürer, Cranach, Rubens und vor allem Velázquez. Hier bin ich Herrn Professor Claus Grimm, Direktor des Hauses der bayerischen Geschichte und Gemäldeanalytiker alter Meister, zu großem Dank verpflichtet, der mir die Augen dafür geöffnet hat.

Mein beruflicher Hintergrund und meine Kenntnisse der Schifffahrt- und Seekriegsgeschichte brachten mich dazu, mich auch mit der Geschichte der Medizin zu befassen. Bei meiner Recherche über Hygiene und die medizinisch-chirurgische Versorgung auf den Handels- und Kriegsschiffen stieß ich auf Jean-Dominique Larrey. Er war der Chefchirurg Napoleons, und seine Lebensgeschichte kann in mancher Hinsicht heute noch als Vorbild dienen.

Die Machenschaften der medizinisch-pharmazeutischen Industrie der Gegenwart lassen sich nur in der Form eines Thrillers schildern. Meine beruflichen Erfahrungen bilden die Grundlage für den Roman Das Pharma-Komplott, der im Frühjahr 2006 erschien. Namen und Ereignisse sind dabei frei erfunden. Alles andere ist wahr.

Bibliografie

„Bislang habe ich vier historische Romane und ein Fachbuch – zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Autoren – sowie einen Gegenwarts-Thriller und Tatsachenroman geschrieben.

  • Die Schiffe des Christoforo Colombo, Koehler 1992
  • Der Meister des siebten Siegels, Lübbe 1994
    – ZDF – Dokumentation 2002 / „Mission X“
    – Verfilmung in Vorbereitung
  • Teeclipper, Lübbe 1998
  • Die Venus des Velázquez, Lübbe 2001
  • Der Schatten des Kaisers, Lübbe 2004
  • Das Pharma-Komplott, Lübbe 2006
  • Sturmlegende – Die letzte Fahrt der Pamir, Lübbe 2007

Privates

Ich bin leidenschaftlicher Segler und habe auf eigenem Kiel die meisten historischen Schauplätze meiner Romane aufgesucht. Ende 2011 habe ich zum vierten Mal an der ARC (Transatlantikregatta) von Gran Canaria nach St. Lucia teilgenommen. Diesmal auf der berühmten Swan 65 Kings Legend, Siegerin der Daimler-Chrysler-Regatta 2003 (Nordatlantik). Meine Interessen neben Literatur, Segeln und Recherche: Reisen, Kochen – italienische Küche –, Weine und schottischer Single Malt Whisky. Mit meiner Frau Heidi genieße ich Bremen, Hamburg und vor allem Sylt.

Quelle: Soyener de

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