Wirtschaft, Hochschule, Politik – ein Austausch

Der Zusammenhang von Verantwortung und Erfolg: 15-Jähriges der Seeoner Gespräche

image_pdfimage_print

seeonDer Seeoner Kreis lud die Mitglieder und Vertreter aus Politik, Hochschule und Wirtschaft zu den 15. Seeoner Gesprächen im Kloster Seeon ein. Der Verein besteht seit 2001 und konnte sich seither als Motor und Impulsgeber für das Zusammenspiel von Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft in der ganzen Region etablieren. Mit den Seeoner Gesprächen bietet der Zusammenschluss jährlich eine Plattform zum Wissensaustausch.

Unser Foto: Seeoner Gespräche 2015: Franz Winterer (Vorstandsvorsitzender Seeoner Kreis), Klaus Stöttner (MdL und Vorsitzender des Hochschulkuratoriums der Hochschule Rosenheim), Bettina Oestreich (Geschäftsführerin Seeoner Kreis), Prof. Dr. Michael Hüther (Direktor des IW Köln), Prof. Dr. Rudolf Bäßler (Leiter afp der Hochschule Rosenheim), Prof. Dr. Eckhard Lachmann (Vizepräsident Hochschule Rosenheim), Walter Schatt (Aufsichtsratsvorsitzender Schattdecor AG) 

Als Keynote-Speaker war dieses Jahr Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, zu Gast und referierte über den Zusammenhang von gesellschaftlicher Verantwortung und wirtschaftlichem Erfolg. Die exklusive Präsentation der Ergebnisse der Befragung zum künftigen „Personal- und Bildungsbedarf der Unternehmen in der Region 18“ rundete das Programm ab, durch das Prof. Dr. Rudolf Bäßler, Leiter der Academy for Professionals der Hochschule Rosenheim, führte.

Franz Winterer, Vorstandsvorsitzender des Seeoner Kreises, begrüßte die rund 60 geladenen Gäste zu den Seeoner Gesprächen 2015 im Festsaal des Kloster Seeon. Im Namen des amtierenden Vorstands dankte er seinem Vorgänger Walter Schatt für die Neuausrichtung des Vereins in den vergangenen vier Jahren sowie dessen Etablierung als Schnittstelle zwischen Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft in der Region 18.

Winterer betonte, dass die Arbeit des Seeoner Kreises eine Win-Win-Situation für alle schaffe. „Gerade der Wissensaustausch zwischen Wirtschaft, Hochschule und Politik ist von besonderer Bedeutung, um die Anforderungen von  Unternehmen und Gesellschaft zu identifizieren und die Weiterentwicklung der Region voranzutreiben“, so Franz Winterer.

Diesen Brückenschlag lobte auch Klaus Stöttner, MdL und Vorsitzender des Hochschulkuratoriums, und nannte die hohe studentische Akzeptanz der initiierten Haltestelle „Hochschule Rosenheim“ als ein Vorzeigebeispiel. Die Politik müsse sich auch in Zukunft verstärkt um die Faktoren Mobilität, beispielsweise in der Umsetzung eines Semestertickets, Verbesserung der Wohnungsmarktsituation sowie bauliche Entwicklung bemühen.

Prof. Dr. Eckhard Lachmann, Vizepräsident der Hochschule Rosenheim, stellte den geplanten Erweiterungsbau des Technologiezentrums der Hochschule vor – eine dringend notwendige Maßnahme, um auch in Zukunft die stetig steigenden Studierendenzahlen auffangen zu können und mit modernen Laboren eine praxisrelevante Lehre zu garantieren.

„Der Seeoner Kreis ist ein wichtiger Partner der Hochschule bei der Entwicklung eines auf die Region abgestimmten Studienangebotes sowie ein finanzieller Förderer, der manche Forschungsprojekte erst ermöglicht“, so Eckhard Lachmann.

Neuer Studiengang „Pädagogik der Kindheit“ in Rosenheim geplant

Mit dem neuen Bachelorstudiengang „Pflege“ sowie dem für das Wintersemester 2016/17 geplanten Studiengang „Pädagogik der Kindheit“ reagiere man auf die steigende Nachfrage nach Personal im Gesundheitssektor. Auf den Personalbedarf im bayerischen Chemiedreieck antworte die Hochschule mit den für das kommende Wintersemester geplanten Studiengängen „Chemieingenieurwesen“ und „BWL mit technischer Orientierung“ in Burghausen/Burgkirchen.

Eine wichtige Ergänzung zu diesem Angebot seien die Studiengänge und Seminare der Academy for Professionals (afp) der Hochschule Rosenheim mit dem Fokus auf lebenslangem Lernen, die Prof. Dr. Rudolf Bäßler, Leiter der afp, vorstellte.

In seiner Keynote „Unternehmen im öffentlichen Raum. Warum ohne gesellschaftliche Verantwortung kein Markt zu machen ist“ sprach Prof. Dr. Michael Hüther über den Zusammenhang von gesellschaftlicher Verantwortung und wirtschaftlichem Erfolg. „Für Unternehmen ist es wichtig, Delegationsspielräume nach unten hin zu öffnen, um den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, mitzudenken und eigene Entscheidungen zu treffen“, so der Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft. Verantwortung sei mehr, als das bloße Umsetzen von Regeln, im Gegenteil, zu viele Regeln seien der Tod von Verantwortung.

Es gäbe regelmäßig einen Bereich zwischen rechtlich zulässig und richtig, in dem „Denken ohne Geländer“ gefragt sei. Zu diesem Bereich zählten ebenfalls die Delegationsspielräume, die jedem einzelnen Mitarbeiter gegeben würden. Den Erfolg eines Unternehmens mache letztendlich aus, ob es gelinge, die Steuerungsverantwortung der Führung und die Verantwortung des Einzelnen miteinander zu kombinieren.

Dies sei eine der großen Herausforderungen, die durch den Trend zur Digitalisierung verstärkt werden. Netzwerkstrukturen erschwerten Kaskadenstrukturen, wodurch die zentrale Steuerung von Prozessen zunehmend schwieriger werde. Eine weitere Herausforderung sei der demografische Wandel, der zu einer Diversität der Belegschaften führe. Die Zukunft liege in jedem Fall in einer lebenszyklusorientierten Personalpolitik, sowie dem Abbau des vorherrschenden, defizitären Bildes des Alters. Jedes Unternehmen müsse sich zudem stets die Frage stellen, wieviel Diversität es verkrafte.

Die Unternehmenskultur als Steuerungsressource haben auch die Unternehmen der Region 18 erkannt, wie die anschließende Präsentation der durch den Seeoner Kreis in Auftrag gegebenen Befragung „Personal- und Bildungsbedarf der Unternehmen der Region 18“ durch Bettina Oestreich, Geschäftsführerin des Seeoner Kreises, und Franz Winterer zeigte. Die repräsentative Umfrage ermittelte die Zufriedenheit der Unternehmen der Region mit der derzeitigen Situation der Personalgewinnung sowie ihre Einschätzung zu deren Entwicklung in den nächsten fünf Jahren. Dabei wurde eine Differenzierung nach den Faktoren Unternehmensgröße,

Region und Branche vorgenommen. Auch der Personalbedarf der Unternehmen – aktuell und in fünf Jahren – wurde erhoben, differenziert nach Fachrichtungen sowie den Qualifizierungsebenen Auszubildende, Fachkräfte und Akademiker. Nach Maßnahmen zur Personalgewinnung gefragt, gaben die Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle, Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur als wichtigste Faktoren an, die sie bereits umsetzen. Allerdings nannten die Unternehmen als Erfolgsfaktoren auch Bereiche, die sie nicht selbst beeinflussen können: so etwa die Kommunikation zur Förderung der Bekanntheit und des Images der Region sowie eine Verbesserung der Rahmenbedingungen der Region wie beispielsweise Infrastruktur und Wohnraum.

Franz Winterer betonte, dass die Einschätzungen der Unternehmen zur Personalsituation deutliche Signale an die Verantwortlichen sendeten. Im Anschluss an die Präsentation wurden die Ergebnisse der Befragung diskutiert und Fragen der Teilnehmer beantwortet. Die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit in einer gesonderten Pressekonferenz Ende des Jahres zugänglich gemacht.

Der Seeoner Kreis ist eine Vereinigung von Unternehmern im südostbayerischen Raum, die sich zum Ziel gesetzt hat, die wesentlichen Themen der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in der Region aktiv voranzutreiben. Der Verein will als Motor für das Zusammenspiel von Bildung und Wirtschaft arbeiten und in diesem Zusammenhang die Hochschule Rosenheim als einen herausragenden Ort der Bildungsvermittlung fördern und etablieren. Informationen zur Mitgliedschaft für interessierte Unternehmen unter www.seeonerkreis.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.