„Wir sind die Leidtragenden!“

Bürgerversammlung in Pfaffing: Fragen zum neuen Tetrafunkmasten

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Foto 2Forsting/Pfaffing – Viele Beiträge gab’s bei der Pfaffinger Bürgerversammlung gestern abend von den Bürgern selbst nicht – kaum Fragen oder Wünsche. Aber eine Familie aus Forsting, die in unmittelbarer Nähe des neu aufgestellten Tetrafunkmasten wohnt – installiert für den behördlichen Digitalfunk, so wie ihn die Polizei und alle Rettungskräfte ab dem nächsten Jahr nutzen werden – meldete sich zu Wort. „Wir sind die Leidtragenden.“ Christian (Foto mit Mikro) und Christine Grombach wollten wissen …

 

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Meldete sich zum Thema Tetrafunk zu Wort: Christine Grombach aus Forsting.

… zum einen, ob der bereits aufgestellte Masten nun schon am Netz sei (Bürgermeister Lorenz Ostermaier: „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht – wir machen uns schlau.“) und zum anderen, was die Gemeinde zu der gesundheitlichen Gefährung durch die erhöhte Strahlenbelastung sage. Und auch warum überhaupt dieser Standort in dem Wald nahe Forsting. Zudem gebe es seit geraumer Zeit 300 Meter südlich nach dem Wald Richtung Ebrach Erdbewegungsarbeiten – was das sei, wollte Grombach wissen. Und fügte ironisch hinzu, ob es sich hier womöglich um ein geplantes Windrad oder gar ein kleines Atomkraftwerk handele. Nein, konnte Ostermaier hier gleich entgegnen, diese Erdarbeiten seien ihm nicht bekannt und hätten auch mit der Gemeinde nichts zu tun.

Der Pfaffinger Rathauschef sagte zum Tetrafunk, er verstehe voll und ganz diese großen Bedenken, er verstehe, dass man Angst habe und große Befürchtungen. Aber die Gemeinde habe da keine Handhabe. Der Standort in dem Wald von Forsting sei so im Gesamtbedarf verankert und im Flächennutzungsplan festgeschrieben.

Flächendeckend bis Ende 2015!

Im Januar 2015 soll die Testphase für den behördlichen Digitalfunk beginnen. Seine flächendeckende Inbetriebnahme in Bayern ist für Ende 2015 geplant. Nach allen anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen gelte das Tetra-System des Digitalfunks bei Einhaltung der Grenzwerte der Bundesimmissionsschutz-Verordnung als gesundheitlich unbedenklich – das heißt es immer wieder. Und das hieß es auch zum Beispiel bei der Info-Veranstaltung dazu im April vergangenen Jahres im Pfaffinger Feuerwehrhaus (wir berichteten damals).

Bei den Berechnungen zu den Strahlungs-Grenzwerten sei man davon ausgegangen, hieß es da im Feuerwehrhaus, dass immer vier Sendeanlagen gleichzeitig in Betrieb seien (wie dies nur bei extrem hohem Funkverkehrsaufkommen etwa bei Großschadenslagen zu erwarten sei). Selbst bei diesem angenommenen Maximal-Szenario betrage die durch den Funk verursachte elektromagnetische Feldauswirkung in einer Entfernung von beispielsweise 300 Metern 0,15 V/m (im Vergleich dazu der in der BRD gültige Grenzwert: 27,5 V/m).

 

„Es wird halt immer noch eins drauf gepackt“

Dieser Wert gelte bei ungehinderter Ausbreitung der Funkwellen (Freifeld) und werde durch eine Bebauung weiter abgeschwächt. Man unterschreite nicht nur deutlich den deutschen Grenzwert, sondern auch den viel strengeren der Schweiz. Pfaffings Bürgermeister Lorenz Ostermaier bat schon vor einem Jahr hier um Verständnis besorgter Bürger. Man dürfe nicht vergessen, dass strahlungstechnisch immer noch eins drauf gesetzt werde – zu allen Belastungen, die man schon habe, komme halt nun noch einmal was „drauf gepackt“ durch den Digitalfunk.

Nicht zu vergessen: Geradezu einen „Antennenwald“ haben die Forstinger bereits auf ihrem Baywa-Gebäude ...

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Informierte vor einem Jahr im Feuerwehrhaus Pfaffing: Polizeihauptkommissar Markus Gibis vom Bayerischen Innenministerium.

Wie wichtig der Tetrafunk aber für die Hilfsorganisationen sei, versuchte Polizeihauptkommissar Markus Gibis vom Innenministerium in Pfaffing vor einem Jahr zu verdeutlichen: „Wenn Sie helfen müssen und Sie stehen in einem Oktoberfestzelt und können eigentlich gar nicht helfen, weil Sie vor Menschengegröle und lauter Musik am Telefon fast nichts verstehen – dann wünschen Sie sich nichts mehr als eine Technik, die nur die Sprache des Partners am Telefon ohne Nebengeräusche vermittelt.“ Digitaler Funk helfe einfach sehr beim Helfen …

In Deutschland wird das neue Funksystem seit 2007 eingeführt. Von den rund 4.500 benötigten Sendeanlagen sind bisher mehr als 3.600 errichtet. 72 Prozent der bundesdeutschen Fläche sind mit Digitalfunk versorgt. Bayern stehe am Ende dieser Entwicklung, lediglich in der Landeshauptstadt München funktionieren die neuen Funkgeräte. Nach Auskunft der Experten sind im flächenmäßig größten Bundesland mehr als 900 Standorte für Sendemasten nötig, um eine optimale Funkversorgung zu ermöglichen. Ein Standort davon ist Forsting.

22 insgesamt entfallen auf die Stadt und den Landkreis Rosenheim. Mit Beginn der Testphase im Januar 2015 sollen Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste nach Möglichkeit den Digitalfunk nutzen, um Probleme feststellen und beseitigen zu können. Parallel dazu stehe die analoge Funktechnik für alle Fälle noch zur Verfügung.

Foto ganz oben: stehend Pfaffings Kämmerer Bernhard Koblechner, am Mikro Christian Grombach und seine Frau Christine – vorne rechts der frühere 2. Bürgermeister der Gemeinde Pfaffing, Josef Mayerhofer.      Fotos: Renate Drax

 

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