„Windpotential nicht das Allerhöchste“

Kleine Anlagen untersucht - Erfahrungen eines Landwirts

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Landkreis – Es wird diskutiert in Bayern über große Windkraftanlagen. Dabei wird manchmal übersehen, dass es auch kleine Anlagen gibt. In einer gemeinsamen Veranstaltung von Landkreis und „Energiezukunft Rosenheim“ zum Thema Windkraft wurde jetzt deutlich, dass wirklich alle Bedingungen stimmen müssen. Das Windpotential in Bayern sei nicht das Allerhöchste. Ein Landwirt berichtete von seinen ersten Erfahrungen.

Richard Weißenbacher von der Wirtschaftsförderstelle des Landratsamtes und Professor Dr. Dominikus Bücker von der Initiative Energiezukunft Rosenheim hatten fünf Fachleute eingeladen, die das Thema „Kleine Windkraftanlangen“ umfassend beleuchteten.

Maximal 50 Meter hoch

Diese Anlagen sind maximal 50 Meter hoch, die Rotorfläche liegt unter 200 Quadratmeter und die Anlageleistung beträgt höchstens 100 Kilowatt. Soweit die Theorie – in der Praxis sind die fünf bis 30 KW-Anlagen die Interessantesten, sagte Maria Kopfinger. Das liege vor allem daran, dass der mit Wind erzeugte Strom den eigenen Bedarf decken solle. Alle Referenten stimmten darin überein, dass sich eine Einspeisung in das allgemeine Stromnetz nicht rentiere, weil der Preis von 8,8 Cent pro Kilowattstunde zu niedrig sei

Das Windpotential sei in Bayern nicht das Allerhöchste. Maria Kopfinger riet daher, an jedem angedachten Standort für eine kleine Windkraftanlage zuvor das Windpotential zu prüfen. Unter drei Meter Windgeschwindigkeit brauche man nicht nachdenken, so Kopfinger. Gemessen werde der Wind zehn Meter über dem Boden, eine Messstation solle dort oben mindestens ein Jahr messen, um die Windverhältnisse zu allen Jahreszeiten zu kennen.

Mindestens genauso wichtig sei die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Kopfinger präsentierte drei Modelle. Sie ging von einer 10 Kilowatt-Anlage mit einem Rotordurchmesser von zwölf Metern und einer Investitionssumme von 70.000 Euro aus. Bei drei Meter Windgeschwindigkeit seien nach ihren Angaben, die Erträge so niedrig, dass man nicht annähernd an eine Wirtschaftlichkeit denken könne. Bei vier Meter Wind pro Sekunde und komplettem Eigenverbrauch sei die Anlage nach 15einhalb Jahren abbezahlt. In ihrer dritten Berechnung ging sie von fünf Metern pro Sekunde aus. Wenn die Hälfte des erzeugten Stroms selbst verbraucht werde und die zweite Hälfte ins Netz eingespeist werde, dauere das Abbezahlen noch 13 Jahre.

Ein Problem seien derzeit die Speichermöglichkeiten. Wie Kopfinger ausführte, seien die Betriebskosten zur Speicherung pro Kilowattstunde höher als die Stromkosten aus dem Netz. Die Fachfrau schließt daraus, dass es im Moment sinnvoll sei, die Windkraftanlage auf die Grundlast, also die immer benötigte Strommenge des Nutzers, auszulegen.

Erfahrungsbericht eines Landwirts

Aus der Praxis konnte der Rosenheimer Markus Schmid berichten. Der Landwirt aus Aising stellte vor Monaten eine Anlage mit einer Turmhöhe von 22 Metern auf. Allerdings läuft sie erst seit 14 Tagen zufriedenstellend. Schmid entschied sich bewusst gegen eine Photovoltaikanlage, er wollte auch in der Nacht Strom produzieren. Die Suche nach einem Hersteller gestaltete sich schwierig, weil viele nur auf große Windkraftanlagen spezialisiert sind. Nach dem Aufbau stellte sich heraus, dass der Turm bei starkem Wind enorm schwankte. Die montierten Rotorblätter mussten deshalb gegen kleinere ausgetauscht werden. Zudem sorgten Softwareprobleme immer wieder für Stillstand.

Empfehlung: dänisches Modell

Ob sich die Anlage rechnet, konnte der Landwirt noch nicht sagen. Sicher ist er sich aber, dass sich das Einspeisen ins Netz bei einer Investition von 120.000 Euro in 100 Jahren nicht rechnet. Schmid schlug deshalb vor, das dänische Modell auf Deutschland zu übertragen. Wenn dort Strom aus Windkraft ins Netz eingespeist wird, läuft der eigene Stromzähler rückwärts, nur wenn man Strom aus dem Netz braucht, läuft er vorwärts. Probleme mit Rotorgeräuschen, Vereisung oder Kollisionen mit Vögeln kennt Schmid nicht. Allerdings, so sagte er, sollte man den Schattenwurf nicht unterschätzen.

Mit der Genehmigung von kleinen Windkraftanlagen beschäftigte sich Kornelia Walter von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim. Anlagen bis zehn Meter Höhe sind genehmigungsfrei, bis 50 Meter Höhe braucht es eine Baugenehmigung. Walter empfahl, bei der Standortfrage frühzeitig Kontakt mit der Genehmigungsbehörde aufzunehmen und wichtige Punkte wie Landschaftsbild oder Gefährdungen für Vögel und Fledermäuse im Vorfeld zu klären.

Während die RWG Erdinger Land auf die überall eingesetzte und daher bekannte Form von Windrädern anbietet, setzt die Envento Windernergie GmbH aus dem Landkreis Traunstein auf ein anderes Prinzip. Sie baut Vertikalwindenergieanlagen. Die Rotorblätter sind nicht senkrecht am Turm montiert, sondern haben eine andere Form und liegen waagrecht auf dem Turm. Laut Dr. Lars Matthes bietet Envento zwei Versionen an: Eine 3 KW-Anlage mit knapp zehn Metern Höhe und eine 10 KW-Anlage mit knapp 15 Metern Höhe.

Bei der abschließenden intensiven Diskussion wurde deutlich, dass es im Landkreis Rosenheim einige Interessenten für kleine Windkraftanlagen gibt. Im Übrigen wurde im Landkreis bisher kein Antrag für den Bau einer großen, also über 50 Meter hohen Windkraftanlage gestellt.

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