Weil er stottert: 14-Jährigen diskriminiert

Schul-Praktikum vom Chef eines Fachhandels nach nur einer Stunde abgebrochen

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Altlandkreis – „Es ist einfach nur traurig. Unser Bub hatte von Anfang an eigentlich keine Chance. Und das nur, weil er stottert.“ Die Mutter des 14-jährigen Max (Name von der Reaktion geändert) ist zutiefst traurig. Ihr Sohn hatte einen Praktikumsplatz in einem großen Fachgeschäft im Altlandkreis Wasserburg. Er sollte dort einen Einblick in den Beruf des Einzelhandelskaufmanns bekommen. Doch schon nach einer Stunde setzte ihn der Geschäftsführer wieder vor die Türe …

Der 14-Jährige besucht derzeit eine Förderschule. Es ging um das Praktikum für alle, bei dem die Schüler innerhalb von zwei Wochen einen Einblick in ein von ihnen gewähltes Berufsfeld und den dortigen Arbeitsalltag bekommen sollen.

Für sein Praktikum hatte sich Max aus Wasserburg einen großen Fachhandel in Altlandkreis ausgesucht, wo er den Beruf eines Verkäufers kennenlernen wollte. Er hatte sich darauf gefreut. Die Stelle war der Familie von dem Geschäftsleiter nach einer Kurzbewerbung und einem Telefonat zugesagt worden.

Bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch wurde ihm mitgeteilt, dass er aufgrund seiner Sprachprobleme für den Beruf zwar ungeeignet sei, jedoch für vier Tage – nicht 14 Tage – beschäftigt werde. Immerhin galt die Familie ja als treue Kundschaft.

Voller Optimismus startete der junge Praktikant so an seinem ersten Tag pünktlich am Vormittag. Doch schon eine Stunde später bekam die Mutter einen Anruf vom Lehrer ihres Sohnes. Der Geschäftsleiter hatte in der Schule angerufen und dem zuständigen Pädagogen erklärt, dass das Praktikum umgehend abgebrochen werden müsse. Der Praktikant stottere zu stark. Daraufhin stellten die Eltern den Geschäftsführer vor Ort zur Rede.

Dieser begründete es – nach einer Stunde Praktikum des Buben – damit, dass sich der Jugendliche aufgrund seiner Sprachschwierigkeiten nie ausreichend für den Beruf als Verkäufer qualifizieren werde können. Seiner Meinung nach wäre der 14-Jährige nicht in der Lage, sich mit anspruchsvollen Kunden zu verständigen.

Als der Vater das verstärkte Stottern von Max durch dessen Aufregung und Nervosität zu begründen versuchte, habe sich der Geschäftsführer abgewendet und ich auf keine weitere Diskussion eingelassen. Die enttäuschten Eltern verließen gemeinsam mit ihrem Kind den Laden.

„Wie soll mein Sohn den Erfahrungen für die Zukunft machen, wenn man im ihm nicht die Gelegenheit dazu gibt, sich zu beweisen? Man hat ihm von Anfang an keine Chance gegeben“, so die Mutter in ihrem Schreiben an unsere Redaktion – und dieser Begründung, warum sie sich überhaupt an die Öffentlichkeit wendet: „Auch wenn man ein Defizit hat, muss man eine Chance bekommen, dass man in dieser Welt bestehen kann.“

Trost für Max kam jetzt von anderer Seite: Die Leiterin des Hammermarktes in Edling, Martha Rauer-Tézsla, war von der Geschichte des Jugendlichen so gerührt, dass sie ihm spontan einen Praktikumsplatz als Verkäufer sofort für zwei Tage zur Verfügung gestellt hat.

HF/Foto: Fotolia

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23 Gedanken zu „Weil er stottert: 14-Jährigen diskriminiert

  1. Dieses „Fachgeschäft“ wird ab nun gemieden! Shame on you

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    1. Wir – der Hammermarkt in Edling – sind gerne „eingesprungen“.

      „Max“ war wirklich fleißig, interessiert und einfach sehr, sehr nett und höflich.

      Wir gratulieren der Mutter, dass sie sich dazu durchgerungen hat, diese Geschichte zu veröffentlichen. Das war sicher keine einfache Entscheidung.

      Für uns zählt der Mensch. Punkt.

      Martha Rauer-Tézsla

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    2. Dazu müsste man allerdings wissen, welches Geschäft es war

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    3. Eine Frechheit des Geschäftsführers.
      Wenn der Schüler so fleißig, interessiert, sehr sehr nett und höflich war wie Frau Rauer-Tezsla schreibt, dann frage ich mich, warum er nur zwei Tage bleiben durfte.

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      1. da waidler

        Bei uns wurde nur für 2 Tage angefragt.

        Der Hammermarkt, Edling

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        1. Danke für Ihre Antwort und Ihre Hilfe. Im Artikel war von einem zweiwöchigen Praktikum die Rede.

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      2. Rupert Martl

        @da waidler
        Vielleicht deshalb, weil auch Frau Rauer-Tézsla nicht die Last der Welt tragen kann! Das liest sich ja, als wäre sie jetzt hier die Böse?
        Gez. mit Klarnamen
        Rupert Martl

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      3. @da waidler: Immer wieder das Gleiche. Da tut jemand etwas (Hammer-Markt) und augenblicklich findet sich jemand, der daran was auszusetzen findet. Meine Erfahrung: Fragt man die Meckerer, was sie denn selbst tun, kommt ……. NIX!

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  2. Toni Wegmaier

    Eine absolute Unverschämtheit – das Verhalten des Geschäftsführers.
    Wie soll denn so ein junger Mensch Selbstvertrauen und Erfahrung fürs Leben sammeln, wenn man ihn so behandelt …

    Erfahrung ja, aber doch nicht so. „Max“, Kopf hoch, es gibt auch andere Menschen …….
    Respekt—Hammermarkt—weiter so.

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  3. Da fehlen heutzutage einem die Worte.

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    1. Gisela Mijic

      Sowas ist einfach grausam, wie kann man einem Kind so etwas antun? Schämen Sie sich, Herr “ Geschäftsführer “ , wenn ich wüsste, welcher Markt es war, würde ich dort nicht mehr einkaufen. So was ist eine Schande !!!!!!

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    2. Sei nicht traurig, Max. George VI. hatte ganz andere Aufgaben zu stemmen – und hat es geschafft. Das kriegst Du mindestens genauso gut hin!!!

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    3. Der Geschäftsführer ist scheinbar sehr sozial-kompetent. Hoffentlich meide ich den Laden mit seiner anspruchsvollen Kundschaft von Haus aus.
      Dem Hammermarkt und Spexx ein ganz großes DANKESCHÖN. Es kann jungen Menschen nur geholfen werden, wenn Ihnen die Chance gegeben wird!

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  4. Haubelinchen

    Würde gerne wissen welcher Laden das war – grrrrrrrrr.
    Dem Geschäftsführer wünsche ich – sag ich nicht – aber nichts Gutes!!!!!!!
    Max, dir wünsch ich alles Gute!

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  5. Lieber Max, Kopf hoch, es wird immer dumme Menschen geben, die Dir über den Weg laufen.

    Und hier noch ein kleiner Denkanstoß: „Habe immer mehr Träume, als die Realität zerstören kann.“

    Alles Gute für Deine Zukunft.

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  6. Anonym im Netz zu lästern ist einfach. Hat sich schon einer bemüht, auch die andere Seite zu kontaktieren und dessen Version zu hören?

    Aus dem Bericht kann ich nichts erkennen, anscheinend gibt sich die Redaktion auch nicht viel Mühe für eine objektive Berichterstattung. Schade!

    Max Held

    Anmerkung der Redaktion:

    Nun, immerhin geben wir uns die Mühe, eine vermeintlich geschäftsschädigende Wirkung durch die öffentliche Nennung des Geschäfts-Namens hier im Altlandkreis zu vermeiden.

    Uns ist der Name nämlich bekannt.

    Eine ‚Entlassung‘ des Jugendlichen nach nur einer Stunde kann der Geschäftsführer ja gerne öffentlich ‚rechtfertigen‘ bei uns, nur: Er müsste seinen Namen nennen oder zumindest den Namen des Geschäfts.

    Und auf eine ANONYME Rechtfertigung dieser ‚Entlassung‘ können wir gerne verzichten und Sie als Leser – so denken wir – auch!

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    1. ich hätte meiner tochter , die auch stotterte, nie zugemutet als praktikantin in den verkauf zu gehen . das musste schief gehen . man sollte den jungen in seinen stärken fördern und nicht ihm seine schwächen tagtäglich zeigen . wenn sein charakter einige jahre später stark genug ist , kann er sich immer noch den problemen stellen .

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  7. Also da fällt mir echt absolut nichts mehr ein. Der Geschäftsführer sollte angezeigt werden wegen Diskrimminierung gemäß AGG. Max lass dich nicht unterkriegen verfolge deinen Traum weiter und gib nicht auf. Ich selber bin auch starker Stotterer und habe nach Hauptschule, Realschule und Fachabitur auch noch eine Ausbildung als Kaufmann im Einzelhandel abgelegt. Ich habe jeden Tag mit Kundschaft zu tun und es klappt sehr gut momentan arbeite ich im Bereich Kundenservice und Kundenmanagenent habe auch noch ein Betriebswirtschaftliches Studium abgelegt. Also das geht schon und ein großes Lob nach Erding das war super.

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    1. An alle die einen Daumen nach unten geben. Ich wünsche euch von ganzem Herzen das ihr auch in eine solche Situation mal kommt. Ich spreche aus Erfahrung da ich selber auch Stotterer bin. Für Menschen die keine Integration zeigen vorallen in einem solchen Fall hab ich absolut kein Verständnis man muss solche Menschen stärken und nicht noch mehr demütigen.

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      1. Ich bin erstaunt und vorallem entzetzt, dass es hier Personen gibt die dem Geschäftsführer recht geben und die Kommentare mit einem Daumen nach unten kennzeichnen.
        Sind wir wieder so weit das Menschen mit einem Problem egal ob physisch oder psychisch (alle für die mit dem Daumen nach unten das heist Körperlich oder Geistig) beanchteiligt sind abgegrenzt werden. Na Danke
        Und auch wenn Stottern eine benachteiligung ist sind das oft ziemlich clevere Menschen, die haben einfach das Problem sich nicht so auszudrücken und werden durch solche Personen (Menschen mag ich garnicht schreiben) unter druck gesetzt und verhöhnt. Ich könnte gerade merh ko…. als ich gegessen habe.
        Für alle Stotter Kopf hoch Ihr seit genauso viel wert wie jeder andere, ihr braucht nur ein bischen länger uns das zu sagen.

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  8. Bei einem Praktikum, oder reinschnuppern lässt ein erfahrener Verkäufer keinen Praktikanten allein mit der Kundschaft. So etwas muss auch ein Geschäftsführer wissen. Es gibt genügend andere Dinge die man einen Praktikanten beibringen kann, die mit dem Einzelhandel zu tun haben. Ware verräumen, Bestellung machen, auch putzen gehört dazu. Die Kundschaft ordentlich bedienen geht eh nur wenn man sich auskennt in der Materie und vor allem den Laden kennt in dem man arbeitet. Also hat der Geschäftsführer schon mal null Ahnung von Führung und Förderung von Mitarbeitern. Kopf hoch lieber Max, schade das ich mich vom Einzelhandel distanziert habe, ich hätte mich rührend um Dich gekümmert und Dir alles wichtige bei gebracht ( 25 Jahre Erfahrung im Einzelhandel)

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    1. Da platzt einem doch glatt der Kragen. Schade, dass der Name dieses „netten“ Geschäftes nicht veröffentlicht werden darf. Dem Geschäftsführer gehört das Grundgessetz um die Ohren gepfeffert, wo es im § 1 so schön heißt: Die Würde des Menscchen ist unantastbar. Die Würde dieses Jungen wurde aber zutiefst verletzt. Und an all die Daumen runter Leser: Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie einmal in eine Situation kommen, in der Sie solch eine Erfahrung machen müssen, wie der Junge. Und eines kann ich Ihnen versichern, kein Mensch ist unfehlbar. Man kann immer etwas zum Aussetzen finden und ich bin sicher, dass es auch bei den Negativlern eine Menge zu finden gäbe, zum Beispiel Unmenschlichkeit.

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  9. Es macht mich so traurig und wütend!
    Jeder sollte die Chance bekommen, das zu tun, was sein Herzenswunsch ist!
    Aus mir ist auch eine Sozialpädagogin mit Masterabschluss geworden, „obwohl“ ich stottere!

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