Was die Großeltern noch konnten

Zum Brauchtum vergangener Zeiten - Diesmal: Schuhe von Hand anfertigen!

image_pdfimage_print

Beim Bauern Milch holen, Socken stopfen, ein Feld mit der Hand pflügen – Oma und Opa wussten sich noch selbst zu helfen! ,,Was die Großeltern noch konnten“, so heißt unser Serie rund um die Handwerkskünste, Bräuche und Gepflogenheiten der Generation der Großeltern. In der heutigen Ausgabe erzählt Jiri Machacek aus Wasserburg vom Handwerk des Schuhmachers.

In einer Zeit, in der Schuhe beim Discounter erhältlich sind und es nicht mehr üblich ist, für die Reparatur kaputten Schuhwerks teures Geld zu bezahlen, ist der Beruf des Schuhmachers am Aussterben. Besonders der Wegwerfgesellschaft und günstigen Neupreisen ist geschuldet, dass Handwerker wie Jiri Machacek ihr Geschäftsfeld immer weiter ausweiten müssen, um sich halten zu können.

 

Seit 1981 betreibt Jiri Machacek seinen kleinen Schuhmacherladen in der Ledererzeile in Wasserburg. Ein Jahr zuvor hatte er ein Geschäft in Frankfurt eröffnet – doch die Wasserburger und die Berge fehlten ihm und seiner Frau so sehr, dass sie nach nur einem Jahr zurück an die Innschleife zogen.

Bild unten: Eine Woche nach der Eröffnung hatte der Familienbetrieb rund 500 Aufträge, die abgearbeitet werden mussten

Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt auf der Reparatur am hochwertigen Schuh: Rahmengenähte Fußbekleidung, die neu bis zu 1000 Euro pro Paar kostet, wird hier noch per Hand geflickt und hergerichtet.

 

Machacek wurde 1947 in Prag geboren. Trotz seiner Ausbildung zum Werkzeugmacher pflegte er immer eine besondere Beziehung zum schönen Schuh: „Ich habe schon immer gerne Maßschuhe getragen.“ Seit seinem Umzug nach Deutschland verrichtete Machacek mehrere Tätigkeiten, machte unter anderem eine Ausbildung zum Tauch- und Skilehrer und arbeitete im Fernverkehr.

Doch als Therese Machacek sich in München einen Absatz von einer dortigen Reparatur-Kette schustern ließ, kam ihrem Mann der Gedanke: „Das kann ich auch! Ich habe mir das Handwerk selbst beigebracht. Wenn man nur vorgefertigte Absätze und Sohlen verwendet, benötigt man keinen Meisterschein.“

 

 

Erst befand sich die Werkstatt von Therese und Jiri Mahaceck (Bild oben) im „Alueda“, im ehemaligen Wendelstein-Zentrum. „Das hat immer um 18 Uhr zu gemacht. Dann haben wir alle Schuhe eingepackt und zuhause auf dem Küchentisch weitergearbeitet“, berichtet die gebürtige Wasserburgerin. Später konnte sich die Familie eine Werkstatt am „Waghäusl“ dazumieten.

1981 konnte der Betrieb sein Geschäft schließlich in die Ledererzeile verlagern. Ein Jahr nach der Geschäftseröffnung entschloss sich Machacek noch dazu, den Meisterbrief abzulegen. „Dafür musste ich oft nach München fahren, nebenbei hatten wir den Laden zu Hause. Das war sehr anstrengend.“

 

Nach einigen Jahren musste Machacek die Anfertigung von Maßschuhen aufgeben – der Absatz war zu gering und die Reparaturarbeiten hielten den Familienbetrieb vollständig auf Trab. „Das war schade – einen Schuh anzufertigen, das ist eine schöne Arbeit. Aber sehr zeitaufwendig – für einen Rahmengenähten Schuh brauche ich im Schnitt vier Tage. Heutzutage möchte jeder günstige Schuhe kaufen, nicht lange darauf warten müssen und was kaputt ist, wird eben weggeworfen.“

 

Doch noch immer hat der Familienbetrieb treue Kunden – und das international: „Besonders ältere Leute möchten sich Schuhe, die einfach gut passen, gerne wieder reparieren lassen. Da probieren wir dann auch alles, was geht. Einige sind direkt hier aus der Region, aber viele unserer Kunden kommen aus München, Norddeutschland, der Schweiz und Frankreich“, berichtet der Schuster.

 

Bild unten und Titelbild: Julian, der Enkel von Jiri und Therese Machacek. Auch er teilt bereits jetzt die Passion seiner Großeltern für schönes Schuhwerk.

 

Das Schönste an meinem Beruf? Wenn ein Schuh, der vollkommen kaputt war, nachher aussieht wie neu und der Kunde sich freut„, schwärmt Machaceck. Obwohl zu den Reparaturarbeiten Gravur und Schlüsselanfertigungen kommen, bleibt die Passion des gebürtigen Tschechen und seiner Familie das Schuhmacher-Handwerk. Die hat er auch an seinen Sohn Philipp weitergegeben, der als gelernter Orthopädie-Schuhmacher das Geschäft seines Vaters demnächst übernehmen möchte. HF

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.