„Warum fragt man nicht die Schüler?“

Heiße Diskussion in Pfaffing zum Thema Bus-Bahn

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Foto 6Pfaffing – Nein, man will sich nicht gegenseitig die Fahrgäste wegschnappen – man will kooperieren. Das ist ein positives Fazit, das man am Montagabend zwischen Bahn und Bus im Pfaffinger Gemeindesaal ziehen konnte (wir berichteten). Aber die Vorstellung, dass Pfaffinger Schüler erst mit dem Bus nach Forsting fahren, dann von dort mit dem Zug nach Reitmehring und von dort wiederum mit dem Bus in die Stadt zu den Schulen – das alles hielt Bürgermeister Lorenz Ostermaier für absolut nicht praktikabel. „Da seh ich jetzt schon den Elternsturm auf mich zukommen“, so Ostermaier.

Als Schülersprecher der Wasserburger FOS ergriff Sebastian Kurzmeier (Foto ganz oben) das Wort.

"Hier werd scho um den heißen Brei geredet!"   Fotos: Renate Drax

„Hier werd scho um den heißen Brei geredet!“ Fotos: Renate Drax

Er sehe das so, dass viele Schüler und vor allem, die von etwas weiter weg, sehr gerne mit dem Zug fahren würden. Weil’s viel entspannter wäre und letztendlich schneller. Mit dem Bus sei man gerade im Berufsverkehr für ein paar Kilometer eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. Aber die Schüler, obwohl es in Wasserburg Tausende gäbe, würden doch gar nicht gefragt, kritisierte Kurzmeier.

Während Ostermaier betonte, er sei strikt dagegen, an den Schulbus-Einsätzen in Richtung Wasserburg etwas zu ändern, meinte Matthias Krause von der Südostbayernbahn, dass das sowieso zwei paar Stiefel seien. Seiner Ansicht nach gehöre der Schülerverkehr getrennt abgewickelt. Den sollte man nicht anlangen. Hans Zagler wiederum von der ROVG (Rosenheimer Verkehrsgesellschaft) war der Ansicht, man dürfe das auf gar keinen Fall trennen…

Ein Besucher, der Steinhöring als positives beispiel von einer Anbindung zwischen Bus und Bahn anführte.

Ein Besucher, der Steinhöring als positives Beispiel einer Anbindung zwischen Bus und Bahn anführte.

Dr. Korbinian Höchstetter aus Nederndorf ergriff das Mikro als Zuhörer. Er schlug zur Anbindung der Ortschaften wie Pfaffing oder Albaching an die Zugstrecke vor, auch über Alternativen nachzudenken wie Mobilstationen, Kleinbusse, die von den Kommunen mitfinanziert werden usw. Großbusse permanent einzusetzen sei doch auch eine Illusion, dass die mal voll besetzt seien. Und Dr. Burkhard Müller von der Agenda 21 aus Pfaffing ergänzte, dass auch über ein privat organisiertes Bürgerbus-Modell nachgedacht werden müsse.

Mahnung zu kleinen Schritten

Immer wieder scheiterten Diskussionspunkte am Thema Geld. Deshalb mahnte Thomas Kauderer von der Pro Bahn zu kleinen Schritten, das habe er in vielen Jahren seiner Arbeit für Pro Bahn gelernt. Ein Schritt nach dem anderen – was sei realistisch, was sei bezahlbar! Claus Reisert aus Pfaffing erinnerte aber daran, bei Kostenrechnungen auch zu berücksichtigen, dass man durch die Bahnnutzung ja die Autos von der Straße bringe und diesen Umweltaspekt gelte es ebenfalls positiv mit einzuberechnen.

Claus Reisert aus Pfaffing möchte den Umweltaspekt einer Bahn in allen Finanzierungsberechnungen höher bewertet sehen.

Claus Reisert aus Pfaffing möchte den Umweltaspekt einer Bahn in allen Finanzierungsberechnungen höher bewertet sehen.

Ein positives Beispiel aus Steinhöring wurde angeführt, wo die sogenannte Schüler-Zulieferung zum Zug bestens funktioniere.

Der Baubeginn der Begegnungsstrecke in Steinhöring sei übrigens im kommenden Mai! Hans Zagler meinte zu dem Wunsch, den MVV bis Tulling bzw. Reitmehring fortzusetzen. darüber müsse der Kreistag demnächst abstimmen und es werde sich dabei rausstellen, ob sich der Landkreis das leisten könne. Denn das sei finanziell schwer zu stemmen.

Die Sorge eines Bürgers, ob die Buslinie 9421 ab Dezember gecancelt werde, konnte von den Herren am Podium ausgeräumt werden. Selbige sei unverzichtbar, hieß es unisono. Und Klaus Wagenstetter aus Forsting erinnerte daran, dass an anderen Stellen so viel Geld ausgegeben würde und geradezu verschwendet, dass man doch auch mal vernünftig im Sinne der Bürger – und hier vor allem im Sinne der Pendler – etwas guten Gewissens finanzieren dürfe.

Foto 11Zum Bahnübergang in Reitmehring meinte Krause, er müsse schon sagen, dass sich ab Dezember der Verkehr dort verdichten werde. Mehr Züge, ein anderer Takt und die Erhöhung der Geschwindigkeit von 50 auf 80 km/h. Auf die Anfrage von Sepp Baumann, Landratskandidat aus Wasserburg, ob Reitmehring einen zweiten Fahrkarten-Automaten erhalte, meinte Krause, der komme definitiv nicht. Das könne er gleich sagen. Wenn man keine Karte mehr erhalte, könne man das auch dem Lokführer im Zug sagen und dann dort bezahlen.

Siehe auch Wer hat den Schlüssel zum Bahn-Bus-Erfolg? und unseren Kommentar unter ‚Des moanan mia‘ – De Schüler ned einfach vagessn …“

 

 

 

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