Vom Dengeln und Mähen mit der Sense

Großer Andrang beim Kurs im Bauernhausmuseum Amerang

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Man nehme eine Sense, ziehe sie übers Gras – und schon ist die Wiese weg? Weit gefehlt! Sensenmähen ist schwieriger, als viele denken. Auch auf die richtige Körperhaltung kommt’s an (siehe unser Foto). Vor allem aber: Das „Dengeln“ muss gelernt sein, damit man die Sense auch mit einer scharfen Klinge schwingen kann. Das erfuhren die Teilnehmer am Sensen-Mähkurs im Bauernhausmuseum Amerang  im wahrsten Sinne des Wortes eigenhändig. Da musste man klopfen, hämmern, schleifen …

… was das Zeug beziehungsweise das Sensenblatt hergab.

„Insgesamt fängt gutes Mähen mit einer guten Sense an“, stimmt Kursleiter Richard Bals seine Teilnehmer ein. „Am besten eignet sich der Sensenbaum aus Holz, die aus Blech taugen meist nicht viel.“ Ein Sensenblatt mit 60 Zentimeter Länge ist ideal für eine Frau, eines mit 80 cm eher für einen Mann.
Bevor es ans Mähen geht, wird gedengelt, oder „gedanglt“, wie Richard Bals sagt. Darunter versteht man das Schärfen, ein Dengel oder Dangel ist die Schneide des Sensenblattes. „Die muss fünf Millimeter breit sein und nach untenhin immer schärfer werden“. Das macht man mit Hämmern – entweder manuell oder mit einer Maschine in drei Durchgängen. Harte Arbeit! Toni Urgibl aus Forstern kommt beim Hämmern mächtig ins Schwitzen. „Ich bin beim Sensenmähen schon ganz gut“, erzählt er.

„Doch das Dengeln kann ich nicht. Wir haben daheim einen großen Garten, und mit dem Rasenmäher schaffe ich das nicht mehr. Ich mähe lieber mit der Sense. Das Gras lasse ich dann trocknen. Unsere Nachbarskinder haben Hasen, die freuen sich dann über das Heu.“ Richard Bals gefällt das Hämmern von Toni Urgibl noch nicht. „Du musst in aller Ruhe schlagen, nicht so schnell. Schlag für Schlag, in aller Ruhe.“

Nur so wird die „Schneid“ auch wirklich gleichmäßig scharf. Außerdem darf man nur ganz am Rand auf das Sensenblatt schlagen, weil es sonst verbogen ist. „Dann ist nichts mehr zu retten, die Sense taugt nicht mehr viel“, ergänzt der Kursleiter. Ist man mit dem Hämmern fertig, wird die Schneide noch mit Schleifpapier bearbeitet.
An der Dengelmaschine sitzt unterdessen eine Hobbygärtnerin. „Dieser Kurs hat mich gleich gereizt, weil ich früher schon gemeinsam mit meinem Vater mit Sensen gemäht habe“, erzählt sie. „Aber Dengeln konnte ich nicht. Das hat mir mein Vater leider nicht vermittelt. Jetzt will ich das perfekt lernen und dann auch meinen Kindern weiter geben.“
Richard Bals begutachtet die fertig gedengelten Sensenblätter kritisch. „Anfangs dauert es einfach länger. Man muss viel Geduld haben, sich wirklich Zeit lassen, bis alles passt. Doch mit der Zeit geht es immer schneller.“ Auch das Mähen ist nicht so leicht, wie es aussieht. „Haltung! Aufrechte Haltung!“ das ist die richtige Ausgangsposition. Man muss breitbeinig auf der Wiese stehen. „Den rechten Fuß eine halbe Schuhlänge nach vorne, dann mit der rechten Hand an den unteren Griff, mit der linken an den oberen.“ Nicht vergessen: Locker in der Hüfte schwingen! „Unser Hüftschwung ist wie die Unruh in einem Uhrwerk – also locker nach rechts und links drehen.“

Der ultimative Tipp aber heißt: „Die linke Hand zieht – die rechte Hand führt!“ Genau das machen die meisten aber verkehrt, ergänzt Bals. „Sie schieben mit der linken Hand an. Dann geht die Sense immer wieder in den Boden. Das kostet zu viel Kraft und macht auch keine Freude.“ Jede Wette: den Spaß beim Sensenmähen werden künftig alle Teilnehmer des Kurses haben. „Ich wusste nicht genau, wie man mit der Sense umgeht“, meint Toni Urgibl. „Aber wenn man die richtige Haltung hat, kann man ohne Kraftaufwand wunderbar mähen.“

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