Unwetter droht – Hagelflieger in Bereitschaft

Wetterexperten rechnen heute auch mit schweren Sturmböen und Starkregen

image_pdfimage_print

Hagel 1Landkreis –  Erfolg ist, wenn es nicht hagelt im Landkreis: Die Hagelflieger stehen in Bereitschaft am heutigen Mittwoch. Viele Bürger sind geschockt von den Bildern, die gestern alle aus Nordrhein-Westfalen erreichten. Hagel und extremste Unwetter in Deutschland – auch in der Region könnte es heute ab dem Nachmittag heftige Gewitter geben, heißt es von Wetterexperten. Die offizielle Meldung: „Heute im Laufe des Tages (Mittwoch) muss mit heftigen Gewittern gerechnet werden. Die Gewitter können mit Starkregen über 25 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde, schweren Sturmböen um 100 km/h und Hagel mit Korngrößen über …

… drei Zentimetern einhergehen. Die Gewitter können zum Teil bis in die Nacht zum Donnerstag anhalten.“ Dies sei ein erster Hinweis auf erwartete Unwetter. Er soll die rechtzeitige Vorbereitung von Schutzmaßnahmen ermöglichen. „Bitte verfolgen Sie die weiteren Wettervorhersagen mit besonderer Aufmerk.“

Diese heftigen Gewitter entstehen vorwiegend in den Bergen, weil es hier noch genug Feuchtigkeit gibt, die verdunsten kann. Aber auch durch die Seen im Flachland gebe es Feuchtigkeit, allerdings sei das Wasser in der Regel kühler als die Umgebung.

cockpit_2Mit 300 Stundenkilometern fliegen die Hagelflieger-Piloten in ihren Partenavia-Maschinen in 1.000 Metern Höhe und pirschen sich heran. Die dunkelste Stelle in einer bedrohlichen Gewitterwolke ist das Ziel von Georg Vogl und seinen fünf Kollegen der Hagelflieger. Ihr Einsatzgebiet ist recht groß. Es umfasst eine Fläche von 4.400 Quadratkilometern und erstreckt sich über die Stadt und den Landkreis Rosenheim, die Landkreise Miesbach und Traunstein sowie seit dem Jahr 2000 auch über 13 angrenzende Gemeinden des Bezirks Kufstein auf österreichischer Seite.

Mitten hinein in die Wolke soll ihre Ladung. Die Flugzeuge tragen an ihren Flügelenden raketenförmige Behälter, gefüllt mit einem Gemisch aus Aceton und Silberjodid. Dieses Gemisch wird in eine Brennkammer gespritzt und auf Knopfdruck des Piloten, der in den Aufwindbereich der Gewitterzelle fliegt, gezündet.

Genau ins Zentrum sollten die Silberjodid-Ionen gelangen, sodass die Hagelentstehung gestoppt oder von Haus aus vermieden wird. Die nach oben ins Zentrum strömende Luft reißt die Ionen mit. Diese bieten den Wassermolekülen in den Wolken Andockstellen, so dass dann Wassertröpfchen oder Hagelkörnchen entspringen. „Je mehr solcher Keimzellen in der Wolke sind, desto mehr entstehen die zahlreichen kleinen und somit harmlosen Hagelkörner, die sich auf dem Weg zum Boden meist in harmlosen Regen zurückverwandeln“, weiß Vogl.

Das Prinzip

In mit Silberjodid „geimpften“ Wolken bilden sich Löcher und sogar das Ausfallen von Schnee und Graupelschauern kann beobachtet werden. Zerstörerische Hagelschläge können so ohne schädliche Auswirkungen für Mensch und Umwelt abgewendet werden.

Aus dem Silberjodid entstehen Milliarden winziger Eiskeime, auf denen sich das unterkühlte Wasser der Gewitterwolke ablagert. Anstelle weniger, großer Hagelkörner bilden sich viele kleine Eiskristall-Körnchen, die bei erfolgreicher Impfung in den bodennahen Luftschichten zu Regentropfen schmelzen und höchstens einen „überraschenden Graupelschauer im Sommer“ verursachen. Aufgrund der extrem geringen Konzentration kann das eingesetzte Silberjodid nicht mehr im Boden nachgewiesen werden.

Silberjodid (AgJ) besitzt eine dem Eis sehr ähnliche kristalline Struktur. In Wolkenkammer-Experimenten fand man um 1950 heraus, dass Silberjodid bereits bei -3° Celsius als künstlicher Eis-Keim wirksam wird, d.h. auf seiner Oberfläche lagern sich dann vermehrt Wassermoleküle (H2O) an, die anschließend zu winzigen Eiskristallen gefrieren. Weitere Tests ergaben, dass diese Erkenntnisse auch auf natürliche, atmosphärische Bedingungen übertragbar sind.

In der Bevölkerung genießen die Hagelabwehr und der 1994 gegründete Hagelforscherverein großen Rückhalt. Als in den 1990er-Jahren von Seiten einiger Wissenschaftler Kritik an der Wirksamkeit der Maßnahmen laut wurde, stärkte die Bevölkerung der Hagelabwehr mit einer spontanen Unterschriftenaktion den Rücken. Per Kreistagsbeschluss wurde daraufhin die Fortführung der Maßnahmen beschlossen. Heute unterstützen über 8.000 Vereinsmitglieder den Fortbestand des Vereins. Finanzmittel sind auch mehr als notwendig. Allein die Fixkosten betragen jedes Jahr rund 220.000 Euro.

Offenbar erwartet die Bevölkerung, dass die Hagelabwehr hundertprozentigen Erfolg hat. Laut Vogl kann man jedoch nur versuchen, die Hagelkörner relativ klein zu halten …

Quelle: Hagelabwehr Rosenheim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.