Unfallstelle: Tempolimit wegen Kröten

Schonstett: Anwohner nach tragischem Unfall verärgert und fassungslos

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kroeten_kkSchonstett – Noch immer beschäftigt der tödliche Unfall vom 24. November vergangenen Jahres die Menschen in der Region. Damals wurde ein neunjähriger Bub auf dem Weg zur Schulbushaltestelle bei Schonstett beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst und getötet. Vergeblich bemühten sich daraufhin Bürger und Gemeinden um ein allgemeines Tempolimit an dieser Stelle. Gesetz ist Gesetz, hieß es aus der Regierung Oberbayerns. Und das sieht keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung vor Bushaltestellen vor. Seit einigen Tagen ist dies jedoch ganz anders …

Die Krötenwanderung hat eingesetzt und mancher Autofahrer mag sich die Augen reiben, wenn er jetzt an dieser Stelle vorbeifährt. Zu dem Warnschild, das auf die Kröten verweist, gibt es auch ein Tempolimit: Die nächste Zeit dürfen hier nur 60 km/h gefahren werden.

Die Schonstetter sind entrüstet. Einige meldeten sich auch telefonisch in unserer Redaktion. Tenor: „Nichts gegen die Tiere. Aber warum geht ein Tempolimit für Kröten und für Schüler nicht?“ Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts Rosenheim, stellt dazu klar: „Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist nicht für die Kröten gedacht. Sondern sie soll die freiwilligen Helfer schützen, die täglich am Straßenrand stehen und die Tiere einsammeln.“

Frank Ruckdäschel vom Straßenbauamt erklärt: „Wir haben es hier mit zwei Situationen zu tun. Zum einen ist da die Bushaltestelle und zum anderen die Amphibienwanderung. Während man voraussetzen kann, dass jemand, der für den Bus die Straße überqueren will, seine Aufmerksamkeit für kurze Zeit ganz dem Straßenverkehr widmet, so ist das bei den Freiwilligen, die jetzt am Straßenrand die Kröten an den Fangnetzen einsammeln, nicht der Fall. Sie können sich nicht die ganze Zeit um den Verkehr kümmern.“ Deshalb gelte überall, wo Fangnetze und Freiwillige bei Krötenwanderungen zusammen gekommen, dieses temporäre Tempolimit. „Dass dies hier an der Unfallstelle unglücklich zusammenfällt, gebe ich zu“,  sagt Ruckdäschel.

Dennoch sind ihm und den anderen Mitarbeitern des Landratsamtes die Hände gebunden. „Eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung ist ein Eingriff in die Straßenverkehrsordnung, und das wird beim Bund in Berlin entschieden“, sagt Michael Fischer. Gemeinsam mit der Polizei werde dann  im Einzelfall geprüft, ob eine Stelle unübersichtlich ist und ein Limit rechtfertigt. Das trifft wohl in Schonstett nicht zu. Zudem appelliert der Gesetzgeber an Schulbushaltestellen auch an die Eigenverantwortung der Autofahrer und die Aufsichtspflicht der Eltern. Laut Bundesregierung müssten diese Bestimmungen ausreichen.

Und so bietet sich den Verkehrsteilnehmern auf der Staatsstraße zwischen Eiselfing und Schonstett noch einige Zeit ein makabrer Anblick: Auf der einen Seite das Marterl, das an den verunglückten Buben erinnert, und auf der anderen Seite das Tempolimit, das nach der Krötenwanderzeit wieder abgebaut wird.

Andreas Fallscheer

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Die Unfallstelle auf der Straße zwischen Schonstett und Alteiselfing. Links, das Marterl für den verunglückten Buben, im Winter geschützt durch einen Holzzaun. Foto: RED

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6 Gedanken zu „Unfallstelle: Tempolimit wegen Kröten

  1. Diese Beschränkung zur Krötenwanderung gibt es doch schon seit Jahren – wieso ist man jetzt plötzlich empört und überrascht?

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    1. Christian Huber Beitragsautor

      Weil sie für Schulkinder offenbar nicht möglich ist … Anm. d. Red.

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      1. Bauer Franz sen.

        Sind in unserer Ellbogengesellschaft Tiere beliebter als Kinder ?

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        1. Zwischen Edling und Albaching ist die RO42 auf einer Strecke von ca. 1 km sogar auf 30 km/h beschränkt, und das bereits seit Wochen.
          Ein Zaun für die Kröten ist bereits aufgestellt und Helfer habe ich hier noch nie gesehen. Kröten ebensowenig (nur 1x nachts, als es regnete – und ich muss sagen: mit 30 km/h fährt man die Tiere leider genauso tot). Man kann doch nicht ständig Schlangenlinien fahren. Oder ist das so angestrebt?
          Hier reicht doch in der Tat eine Warntafel mit ’ner Kröte drauf. Diese 30 km/h-Beschränkung ist eine schwachsinnige Bevormundung, die einen Fahranfänger zurück zur teuren Nachschulung bringen kann und den reiferen Autofahrer im Zweifel ein saftiges Bußgeld oder gar den Führerscheinverlust.

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  2. >Laut Bundesregierung müssten diese Bestimmungen ausreichen< Ah ja. Und wenn sie das – wie hier offensichtlich – nicht tun, reichen sie trotzdem. Vielen Dank, liebe Bundesregierung, dass es Dich gibt. Du erlaubst uns, nicht zu denken. Oder ist es die Regierung in Oberbayern?

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  3. … an die Herren Michael Fischer u. Frank Ruckdäschel … soll das heißen, dass die Krötensammler sich nicht um den Verkehr kümmern brauchen, Hauptsache den Kröten gehts gut? Für alles andere ist der dumme Autofahrer verantwortlich? Den Österreichern sind ihre Leute offensichtlich mehr wert, als eine Kröte. Im Ötztal sind an allen Bushaltestellen Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 60 km/h, einige sogar mit Blitzer ausgestattet. Hut ab. wie taktlos erscheint das Aufstellen der Kröten-Schilder genau an dieser Stelle.

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