Thema Asyl: Große Ängste und Sorgen in Forsting!

Diskussion gestern mit Dr. Diller vom Landratsamt und Wasserburgs neuem Polizeichef

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1Die Ängste und Sorgen der Bevölkerung im kleinen Ortsteil Forsting in der Gemeinde Pfaffing sind groß. Das wurde gestern am Abend bei der Info-Veranstaltung beim Wirt zum Thema Asyl – und konkret zum künftigen Container-Modul im Gewerbegebiet gegenüber der BayWa – mehr als deutlich. 48 Menschen werden dort voraussichtlich Ende März einziehen. Zu Gast war gestern nicht nur der Haupt-Koordinator im Landkreis, bei dem alle Fäden seit Monaten zusammenlaufen, Dr. Manuel Diller, sondern erstmals auch der neue Wasserburger Polizeichef …

… Markus Steinmaßl, um den Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Pfaffings Bürgermeister Lorenz Ostermaier bedankte sich dafür.

Die konkreten Zahlen für Pfaffing zu Beginn:

3Bis Ende des Jahres, also zum Dezember 2016, sollen 133 Flüchtlinge von der Gemeinde aufgenommen sein, bis Ende 2017 dann insgesamt 186. So sei derzeit der Verteilungs-Schlüssel im Landkreis. Seit Monaten ist die Gemeinde deshalb händeringend auf der Suche nach privatem Wohnraum. In insgesamt drei Häusern in Pfaffing leben derzeit 27 Asylbewerber.

Ernste Gesichter in Forsting: Zahlreich waren die Wortmeldungen mit großen Bedenken, die vom Versicherungsschaden am Auto, noch mehr überfüllten Schulbussen durch Flüchtlings-Kinder bis hin zu familiär-internen Verboten für eine 17-jährige Tochter – überhaupt noch mit dem Zug nach Wasserburg zu fahren – reichten. Besorgte Mütter, Frauen („Ich trau mich nicht mehr vom Bahnhof alleine nach Hause zu gehen“) und Großeltern meldeten sich ebenso zu Wort wie Firmenchefs aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Container-Standortes.

„Es kommen Menschen, keine Monster!“

2Gegen Ende der Veranstaltung reichte es einer Besucherin sichtlich, es war die zweite Bürgermeisterin der Nachbar-Gemeinde Steinhöring, Martina Lietsch aus Tulling (auf unserem Foto links Bildmitte). Sie stand auf und forderte die Forstinger dazu auf, doch bitte offener an das Thema Flüchtlinge heranzugehen – bei allen Ängsten, bitte eins nicht zu vergessen: Es seien einfach Menschen, keine Monster, die da kommen werden! Es gehe hier und jetzt darum für eine Ortschaft wie Forsting, menschenwürdig damit umzugehen.

Doch zuvor konnten die Wogen der Diskussion kaum geglättet werden. Ganz grundsätzlich kritisierte Forstings Gemeinderat Klaus Wagenstetter die Zuteilung für die kleine Ortschaft Forsting. Bei 411 Bewohnern bedeuten 48 Asylbewerber in Zukunft, dass jeder achte Bürger Forstings ein Asylant ist, rechnete er vor. Da müsse man verstehen, dass die Akzeptanz in der Ortschaft nicht groß sei. Einige Bürger bezeichneten gestern am Abend das ‚Bauvorhaben‘ zum Container-Modul in der gemeindlichen Vorgehensweise als fehlerhaft und anfechtbar. Dr. Diller fühlte sich hier als Jurist angesprochen und erklärte am Mikro, er sehe hier kein fehlerhaftes Vorgehen.

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Dr. Diller (am Rednerpult) versuchte auf jede Frage, auf jede Angst, beruhigend einzuwirken. Auch Ortschaften wie Aham mit nur 90 Einwohnern hätten bereits 22 Flüchtlinge zu verkraften – was sehr gut funktioniere, betonte er. Aber er sagte auch immer wieder, er könne Forsting natürlich auch nicht garantieren, dass es keinen schweren Fall bekommen werde. Die würde es auch geben, da müsse man sich nichts vormachen. Aber es seien absolute Einzelfälle.

Und zum Thema oder genauer zum Vorwurf der Bürger ‚mangelnde Infrastruktur in Forsting‘ betonte er, dass diese Menschen Tausende von Kilometern zu Fuß hier her gekommen seien, das dürfe man nicht vergessen – die würden künftig auch gerne zu Fuß nach Pfaffing zum Einkaufen gehen.

5Der neue Polizeichef Markus Steinmaßl (unser Foto) sagte am Mikro zum Thema Sicherheit, dass die Bürger nicht vergessen sollten, dass die meisten Einsätze im ‚Innen-Verhältnis‘ seien, das heiße, Taten geschehen untereinander unter den Flüchtlingen häufiger – auch im Landkreis.

Als er in Forsting zu den Vorfällen am Silvesterabend in Köln angesprochen wurde und zur Reaktion der Polizei verbal angegriffen wurde, betonte Steinmaßl, er könne nicht für den Polizeichef von Köln sprechen. Auf die Vorwürfe von Besuchern des Abends, es dauere doch viel zu lange, bis die Wasserburger Polizei im Notfall dann wirklich da sei, räumte Steinmaßl ein, dass es durchaus – bekannterweise – an Personal fehle in der Dienststelle. Aber zu Einsatzstärken und -verstärkungen im Notfall dürfe er hier an dieser Stelle nichts sagen, da bat er um Verständnis.

„Der Landkreis muss jede Woche 129 Menschen unterbringen“

Auch verbale Angriffe gab es gegen Dr. Diller zur großen Bundespolitik, er wehrte diese wiederum einige Male ab. Es gehe hier und heute in Forsting nicht um die Merkels dieser Welt, es gehe darum, dass der Landkreis Woche für Woche jeweils 129 Menschen unterbringen müsse. Es gehe um ein Dach über den Kopf, um eine Not-Situation seit Monaten. Er habe auf Fakten zu reagieren – und auf die Solidarität der Gemeinden im Landkreis zu hoffen.

7Rabea Schall, Sozialarbeiterin bei der Caritas (Foto rechts) und ab sofort als Betreuerin der Asylbewerber im Raum Pfaffing und Albaching mit eingesetzt, sagte, sie habe bislang als junge Frau nur positive Erfahrungen gemacht – selbst wenn sie 30 junge Männer zu betreuen hatte.

Ganz grundsätzlich seien die Flüchtlinge nicht krimineller, als die Menschen, die hier wohnen, wiederum betonte Dr. Diller. Und jeder wisse auch, dass er bei dem geringsten Vorfall sein Asylverfahren gefährde. Die Fragen zur Kriminalität der Flüchtlinge im Land schloss Dr. Diller auch in Forsting mit der Bemerkung: Derzeit sei es so, dass die Molotowcocktails in die Container hinein geworfen würden – und nicht heraus!

Die Koordinatorin des Pfaffinger Helferkreises Asyl, Elisabeth Gralka, berichtete am Rednerpult vom derzeitigen Stand, dass 55 Bürger bereits mit anpacken oder anpacken wollen, neun davon seien aus Forsting.

Viel habe man sich vorgenommen – in allen Sparten vom Deutsch-Unterricht über die Freizeit-Gestaltung bis zur ehrenamtlichen Vermittlung von Arbeitsstellen. Das ganze Team sei dankbar für jede helfende Hand – vor allem auch aus Forsting. Ähnlich formulierte es Monika Kaspar, die für die eigens gegründete AG Asyl des Gemeinderates sprach. Der Tenor der beiden Frauen als Appell an alle: Gemeinsam werden wir es schaffen.“

 

DSCN1542Welche Routen nehmen die Flüchtlinge, was sind das für Menschen, die da kommen, welchen Gesundheitsstatus haben sie, welche Traumatas, welche Wünsche und Träume, wie überhaupt sind die genauen Abläufe für den Landkreis – und vor allem: Wie geht er, der Weg? Neben den Ausführungen von Dr. Manuel Diller vom Landratsamt über die aktuelle Lage in der ganzen Region, sprach zuvor auch Lothar Thaler als Ehrenamtskoordinator des Landkreises (Foto links). Er bot dem Helferkreis gerne seine Unterstützung an. 

Am Ende meldete sich Pfaffings 2. Bürgermeister Tobias Forstner zu Wort. Es gehe nun mal gar nicht, dass sich Verantwortliche wie Dr. Diller und der neue Polizeichef hier freundlicherweise den Fragen der Bürger, der Diskussion stellen und permanent angegriffen würden. Bislang habe es doch nur negative Wortbeiträge gegeben.

Deshalb auch bedankte sich Werner Thüring vom Pfaffinger Helferkreis eigens öffentlich bei der 2. Bürgermeisterin von Steinhöring für ihre Worte. Er berichtete kurz von seiner Arbeit als Pate und betonte, es mache Freude, mit diesen Menschen zu arbeiten. Mehr könne er nicht mit auf diesen Weg geben. Ablehnung würde noch viel mehr Ängste schüren. Forsting solle ein offenes Gesicht zeigen, es seien normale Leute, die Schlimmstes hinter sich hätten.

Bernhard Brosig vom Helferkreis zeigte auch Verständnis für die großen Sorgen der Bürger, auch er habe Kinder. Auch er mache sich viele Gedanken. Doch es gehe darum, es gemeinsam in Frieden anzupacken, Vorurteile abzubauen, in dem man den Menschen ein Gesicht gebe, einen Namen – selbst wenn unter 48 Menschen zwei Grattler seien.

Wenn er sich hier umsehe im Saal, sehe er so viele Menschen die Talente haben, mithelfen könnten, hier und dort mit anpacken könnten – und sei es nur eine halbe Stunde in einem Monat.

Sicher gehe ihm wegen seiner Kinder auch vieles durch den Kopf. Aber seine 21-jährige Tochter, die in Frankfurt an der Oder wohne, sagt, sie habe keine Angst vor den Flüchtlingen – Angst habe sie da, wo sie sei, weil ein in Deutschland bekannter Neonazi nahe ihrer Wohnung lebe.

rd

Fotos: Renate Drax

 

 

 

 

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17 Gedanken zu „Thema Asyl: Große Ängste und Sorgen in Forsting!

  1. Großes Lob an die Sprecher, dem Gegenwind die Stirn zu bieten und die unfreundlichen Worte auszuhalten.
    Ich hoffe, dass zumindest ein Teil der Aufklärungsversuche auf offene Ohren und Verstand getroffen ist.

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    1. Veranstaltungsbesucher

      Die Sprecher waren alle Angestellte sowie Beamte und sind ihrer Aufgabe in ihrer Arbeitszeit nachgegangen.
      Aus der Politik war dazu keiner anwesend.
      Wahrheit, Menschlichkeit und Realität sind kein Gegenwind.

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    2. Vor allem waren die angegriffenen Personen ja auch nur „Opfer“ der großen Politik in Berlin und Brüssel. Sie müssen das Umsetzen, was Ihnen vorgegeben wird.
      Und dann müssen die sich auch noch der Öffentlichkeit stellen und den ganzen Frust abbekommen. Die eigentlichen Verantwortlichen sitzen weit weg in ihrem warmen Bürostuhl.
      Auch von mir ein großes Lob an alle Sprecher, die sich ihrer Verantwortung stellten.
      An alle Kritiker: Richtet doch bitte Euren Frust an die verantwortlichen Politiker.

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    3. Gegenwind – von welcher Seite?
      Hier fehlt noch viel Aufklärung, für beide Seiten.
      Natürlich muss den Menschen geholfen werden, da reicht es aber nicht, diesen Strom einfach aufzunehmen.

      Außerdem sind nicht alle Menschen, die hier zu uns kommen, auch wirkliche Flüchtlinge, die um ihre Existenz bangen müssen.

      Wer glaubt, solche Massen in wenigen Jahren dauerhaft integrieren zu können, der sollte langsam aufwachen.
      Unsere Politiker wissen doch selber nicht, was sie da eigentlich machen.

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  2. Christa Meindl

    Jeder sagt, man muss den Flüchtlingen helfen, klar, aber bitte nicht vor meiner Tür. Ist schon eine seltsame Einstellung, sorry.

    Bei uns in Wasserburg leben fast 100 Nationen und eine Zahl an Flüchtlingen. Es gibt auch immer mal Probleme, aber damit kann man leben.

    Es sind Einzelfälle und das ganze Leben ist Glückssache, war schon immer so.

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  3. Christa Meindl

    Noch ein Nachtrag zu meinem ersten Kommentar:
    Ich bin auch der Meinung, dass die Flüchtlingspolitik falsch läuft, das ändert aber nichts daran, dass die Menschen momentan Hilfe brauchen.

    Ob Mutti Merkel das schon begriffen hat, glaub ich nicht!

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    1. Versammlungsgast

      Wer heute noch sagt, gemeinsam schaffen wir das, muss endlich aufwachen aus seiner rosaroten Welt und wenn der Hr. Dr. Diller sagt, man solle seine Unzufriedenheit beim Thema Asylpolitik bei der nächsten Wahl sprechen lassen, dann rät er indirekt radikal zu wählen.

      In der Versammlung wurde oft gesagt, dazu möchte und darf ich nichts sagen, warum kommen dann keine Leute, die was sagen möchten und dürfen?

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      1. Ihr Asylgegner sprecht nur so, weil ihr auf der sicheren und reichen Seite steht.

        Wie wäre es, wenn ihr euch mal die Lage andersrum vorstellen würdet. Bei uns wäre Krieg, Tod, Hunger. Eure Söhne und Männer müsstet ihr in einen hoffnungslosen Krieg ohne Sinn ziehen lassen.

        Eure Männer und Kinder und auch ihr selbst wäret bedroht von Fassbomben. Ihr müsstet eure geliebte Heimat, Kultur, Freunde verlassen, ihr müsstet eure Wurzeln absägen und in die Fremde ziehen, um eure Kinder, Söhne, Töchter, Frauen und Männer durchzubringen.

        Oder vielleicht gebt ihr auch euren Söhnen euer ganzes Geld, damit diese das Land verlassen können, und eben nicht sinnlos morden müssen und gemordet werden.

        Stell dir das mal ganz fest vor. Und dann kommst du in ein Land, eines der sichersten, reichsten der Welt. Und dann sagt ein Nachbar zu dir „ich will nicht, dass du neben mir wohnst! Ich habe Angst, dass du mir mein Essen wegisst, dass du mir meine Arbeit wegnimmst, dass du mich vergewaltigst, dass du mein Land zerstörst.“

        Bis jetzt ist es mit uns nicht bergab gegangen. Kein Deutscher musste bis jetzt auch nur auf eine Wurstsemmel verzichten, weil Flüchtlinge kommen.

        Die Renten wurden sogar mehr als sonst erhöht. Können wir nicht wirklich etwas von unserem Wohlstand abgeben, damit wir verzweifelten Menschen helfen können?

        Bitte, versetzt euch mal in die Lage eines Kriegsflüchtlings und überlegt, wie ihr euch wünscht, aufgenommen zu werden.

        Oder überlegt euch, wie ihr wünscht, dass eure Söhne und Männer, die vor dem Krieg fliehen, aufgenommen werden.

        Ich arbeite viel mit Geflüchteten und ich kann euch sagen, dass diese Menschen genauso nett und freundlich, hilfsbereit und ehrlich sind wie meine deutschen Freunde und Nachbarn.

        Einige sind aber auch genauso eigen, komisch (aus meiner Sicht) und stur wie meine deutschen Freunde, Bekannten und Nachbarn.

        Wir sind eine Menschheitsfamilie. Wir sind aus einer Evolution entstanden oder wir stammen alle von Eva und Adam ab. So weit ich weiß, auch die Moslems.

        Der Pfarrer spricht in der Kirche immer von Brüdern und Schwestern und irgendwie sind wir das nach unserer Abstammung dann auch. Eine große Menschheitsfamilie. Stell dir vor, der Hilfesuchende, egal ob kranker, hilfsbedürftiger Nachbar oder fremder Flüchtling, der dir auf deinem Lebensweg begegnet, ist dein Bruder oder deine Schwester. Hilf ihm, als wäre es deine Schwester.

        Alles, was er selbst machen kann, lass ihn selbst machen.

        Und alles, was er nicht kann, das hilf ihm zu lernen.

        Zeig ihm, wie er alleine ein Zugticket kauft, wie er Anträge ausfüllt, wie er Deutsch lernen und sprechen kann und wo er seine Arbeitskraft zu seinem Unterhalt und auch für Deutschland in Form von Steuern einsetzen kann.

        Ihr werdet sehen, es macht Freude, so andere Kulturen, etwas Neues und Fremdes kennenzulernen.

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        1. eine Anwohnerin

          Ich finde diesen Kommentar gut und richtig, aber auf Dauer gesehen, ist das keine Lösung.

          Wir können nicht unbegrenzt Menschen aufnehmen. Das ginge evtl., wenn die anderen Länder mitziehen würden. Was bei uns getan wird, um den Menschen zu helfen, ist beispiellos. Aber es ist halt auch leider so, dass viele Asylanten die Situation ausnutzen, siehe Köln, oder auch anderswo.

          Es ist mehr als normal, dass man jetzt Angst bekommt vor der Flut an Flüchtlingen.

          Es kommen nach wie vor jeden Tag Tausende, man weiß ja jetzt schon nicht mehr, wohin damit.

          Es wird bei uns schon noch erlaubt sein, seine Bedenken zu äußern, ohne dass man etwas gegen Flüchtlinge hat.

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          1. Ja, auf Dauer gesehen kann es so nicht weiter gehen.

            Aber Frau Merkel versucht ja, die Flüchtlingscamps in den Nachbarländern Syriens zu unterstützen.

            Den Menschen dort bleibt fast nichts anderes übrig, als Richtung Europa aufzubrechen, weil es da, wo sie sind, kein Essen und Schulbildung gibt. Dabei würde es pro Person nur ein Zehntel davon kosten, was es hier in Deutschland kostet.

            Es werden auch immer mehr Länder zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt. In vielen afrikanischen Ländern und z.B. Afghanistan werden Aufklärungskampagnen gestartet, um die Bevölkerung über Deutschland aufzuklären, um ihnen zu sagen, dass Deutschland nicht das erwartete Schralaffenland ist.

            Natürlich gibt es Grenzen an Flüchtlingen, die eine Gemeinde, eine Stadt, ein Landkreis gesund verträgt. Doch am meisten fürchen sich ja die, die noch keine Flüchtlinge haben.

            Die Angst entsteht aus den Medien, den Geschichten, die man so hört und den Phantasien, wie man es sich dann so ausmalt.

            Wenn dann ganz konkret Flüchtlinge neben einem einziehen, wenn man sie kennen- und einzuschätzen lernt, schwindet die Angst.

            Wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe, bekomme ich auch Angst. Angst vor Überforderung unseres Landes, Angst vor der Gewalt der in Turnhallen eingepferchten, alkoholisierten Menschen und auch Angst vor Deutschen, die mit gemeinen Worten, Feuer, Handgranaten und Gewehren gegen andere Menschen vorgehen.

            Da denke ich mir, das ist Krieg, oder so geht er zumindest an.

            Wenn ich aber mit unseren 54 Flüchtlingen am Ort täglich in Berührung komme, weil sie Formulare auszufüllen haben, weil sie krank sind, weil ich für sie einen Termin machen muss und tausend andere Dinge, da habe ich absolut keine Angst.

            Ich kenne sie alle und sie bringen mir sehr viel Wohlwollen entgegen. Sie sagen, du bist wirklich meine Schwester.

            Die Regierung versucht, den Krieg in Syrien zu beenden, was bestimmt nicht einfach wird. Wir dürfen keine Waffen mehr an dubiose Staaten exportieren. Auch müssen die Subventionen für die Lebensmittelherstellung in Deutschland abgeschafft werden, damit nicht unendlich billige Erzeugnisse den Markt in Afrika vernichten.

            Ein Tomatenpflücker aus Afrika kann in seiner Heimat nicht von seiner Arbeit leben. Er geht nach Italien und arbeitet dort als Tomatenpflücker und kann davon leben. Da geht es auch bei uns an die Substanz, aber so lange wir unseren größtmöglichen Gewinn erzielen möchten und nicht darauf schauen, was dies in anderen Ländern bewirkt, verursachen wir Flüchtlinge.

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    2. Elisabeth Gralka

      Die Aussage „gemeinsam schaffen wir das“ stammt von mir.

      Und mit „das“ war gemeint, dass wir es schaffen, in einem Ortsteil wie Forsting 48 Personen kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und einen positiven Umgang mit ihnen zu pflegen.
      „Das“ funktioniert in Pfaffing Ort mit 27 Asylbewerbern hervorragend, also warum nicht mit 48 in Forsting?

      Ich behaupte nicht, dass wir es schaffen würden, alle 60 Millionen Menschen, die derzeit weltweit auf der Flucht sind, in Deutschland aufzunehmen und zu integrieren.
      Leider konnten viele der Versammlungsteilnehmer nicht unterscheiden, zwischen der vor Ort gegebenen Situation und der „großen Politik“, auf die wir, wenn überhaupt, nur mittelbaren Einfluß haben.

      Die Infoveranstaltung behandelte konkret die Situation in Forsting und nicht das Weltgeschehen. Dafür waren die bestmöglichen Ansprechpartner eingeladen.

      Dass ein Beamter der Exekutive (Landratsamt, Polizei) keine Antworten aus dem Bereich der Legislative bieten kann, sollte jedem klar sein, der ein bisschen Ahnung von Aufbau und Funktionsweise des eigenen Staates hat.

      Ansonsten: Regina, Du sprichst mir aus dem Herzen!

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  4. Sigurd Rellim

    Ich glaube, dass den meisten Unterstützern der aktuellen Asylpolitik nicht bewusst ist, was sie unterstützen.

    Auch sind sich die meisten der kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen nicht im klaren – vor allem nicht deren Auswirkungen !

    Solange die Gemeinden mitmachen, indem sie Räumlichkeiten etc. zur Verfügung stellen, wird die große Politik sich genau
    auf diese Emphatie berufen.

    Und genau dies will ich persönlich nicht, denn Frau Merkel und ihre Regierung hatte und hat kein Mandat, die Republik auf diese Weise zu verändern.

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  5. Sigurd Rellim

    Das Argument von „Regina“ ist kein gutes Argument, weil die persönliche Betroffenheit mit konkreten Personen stets zu Hilfe und Mitleid führt.
    Dies ist auch gut so. In Bezug auf die Asylpolitik ist es aber gerade notwendig vom Einzelschicksal abzusehen, weil sonst die Rechtsstaatlichkeit zugunsten einer willkürlichen Politik aufgegeben wird.
    Merkel hat auf dem CDU Parteitag im Dez. gesagt, ihr politisches Handeln sei von einem „humanitären Imperativ“ geleitet.
    Dies ist heuchlerisch : Gerade Frau Merkel hatte jahrelang Zeit, ihre Asyl-und Flüchtlingspolitk zu forcieren, Partner in Europa dafür zu finden und die unsägliche Dublin-Regel zu modifizieren. Genau dies hat sie nicht getan. Sie hat ‚Lampedusa‘ jahrelang b e w u ß t Hilfe verweigert – im übrigen ist zu sagen daß eine auf angeblicher Humanität gründenden Politik unglaubwürdig ist.

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    1. Was gibt es für uns Menschen für einen höheren Wert, als die Humanität?

      Die Versäumnisse, die du schreibst, sehe ich auch so. Aber wie sollen wir anders als lebenrettend handeln?

      Wenn auch uns der Mensch egal ist, dann hört Krieg nie auf und es geht so lange weiter, bis es eben auf der Welt keine Menschen mehr gibt.

      Ich persönlich kann auf die große Weltpolitik keinen Einfluss nehmen.

      Ich will keinen Krieg und das einzige, was ich persönlich machen kann, ist, dass ich denjenigen helfe, die vor Krieg geflohen sind.

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  6. Sigurd Rellim

    @Elisabeth Gralka : Es geht nicht darum ob wir das schaffen können, Frau Gralka ! Schaffen würde die Bundesrepublik auch deutlich mehr !
    Denken Sie mal an das Spendenaufkommen, das die Bundesbürger jedes Jahr bereit sind aufzubringen und so weiter….
    Es geht darum, was der Souverän (Volk) will, und ob der Bürger bereit ist, dieses politische Handeln mitzutragen.
    Sie sagen zurecht : wir haben mittelbar Einfluß darauf. Leider sind die gesamtdeutschen Wahlen noch weit entfernt.
    Deshalb ist es notwendig, daß die Bürgerinnen und Bürger zusammenstehen für eine solide, rechtstaatliche Asyl- und Einwanderungspolitik und nicht eine von den Gesetzen und der EU losgelöste und arrogante (wir sind die Guten) und ausschließlich auf die Person Merkel fokussierte Politik unterstützen.
    Schauen Sie sich doch um in Europa – Kein Mensch in der EU findet die deutsche Politik richtig – deshalb werden die EU-Regierungen auch keine Quoten akzeptieren ! Und das ist auch richtig so !
    Der dt. Alleingang hat alle vor den Kopf gestoßen. Lesen sie mal die ausländische Presse. Da werden Sie sehen, was man von der dt. Gutmenschentum-Mentalität hält. Selbst die Österreicher haben die Schnauze voll.

    Wir als Gemeindeglieder sind aufgerufen, von unten sozusagen, der großen Politik die Grenzen aufzuzeigen, denn diese Politik ist grundlegend falsch !
    Verstehen Sie mich richtig : die Politik ist falsch – nicht das Helfen ! Aber das eine ist vom anderen nicht zu trennen.

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    1. Ein Witz:
      Treffen sich Mars und Erde.
      Sagt der Mars zur Erde: „Wie geht´s dir, Erde?
      Antwort der Erde: „Mir geht`s sehr, sehr schlecht!“
      „Was hast du denn?“, fragt der Mars.
      „Ich habe den Homo sapiens!“
      Darauf der Mars: „Der vergeht schon wieder!“

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      1. Der sog. Homo sapiens ist gemäß der katholischen Soziallehre gar nicht so schlecht. Vielmehr ist es so, daß er einen sehr guten Kern hat. Dieser wird allerdings oft überdeckt. Da braucht man nicht lange raten, von was…
        Und dieser Homo sapiens lebte von Anbeginn im Ideal des Nationalstaates. Die Familie, die Sippe, der Stamm.
        Einflüsse von außen waren stets verbunden mit großen Konflikten. Doch interessant an der Diskussion in Deutschland ist, daß der Gedanke des Nationalstaats, der seit der Französischen Revolution idealisiert wurde, abhanden gekommen ist. Und dies obwohl die Menschen, die zu uns kommen, gerade aus jenen Gebieten stammen, in denen das Ideal des Nationalstaates noch immer existiert: Familie, Sippe, Stamm und so weiter.
        Daher sind wir zweierlei Unstimmigkeiten ausgesetzt: Zum einen beeinflußt der Zuzug die ethnische und kulturelle Gemeinschaft (Gemeinschaft im Sinne der Übereinstimmung) in Dtschl. massiv ( übrigens sind die Probleme in Ballungsgebieten bereits seit Jahrzehnten offensichtlich) und zum anderen leben jene Gruppen, die hierherziehen in genau diesen Verbänden von Großfamilie und Sippe. Dies muß bei der Diskussion um Integration bedacht werden.
        Es ist daher fahrlässig, die Frage der Integration von der Frage des Selbstverständnisses zu trennen.

        Der Gedanke des Nationalstaates ist bei uns manchmal negativ besetzt. In anderen europäischen Ländern ist dies nicht so. Weil sie eine andere Identität und Geschichte haben. Doch der Blick auf Staaten mit einer langen Tradition von Einwanderung kann helfen eine andere Sichtweise auf Immigration zu finden und offenbart die Schwierigkeiten, die damit ins Land immigrieren. Beispiel : Der Verwurf „Rassismus“ war bei uns bisher obsolet, gar unbekannt.

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