„Spitzensport – ein Blick hinter die Kulissen“

Gelungene Auftaktveranstaltung der DBBCampus-Gespräche

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Campus Gespraeche Podium 1Auf große Resonanz stieß eine Diskussionsrunde des Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus & Deutsche Sport Privatschule rund um das Thema „Spitzensport – ein Blick hinter die Kulissen“ am 29. Juni in Bad Aibling auf dem B&O Parkgelände. Sie stellte die Auftaktveranstaltung zu einer Serie von Campus-Gesprächen dar, mit der die evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Schulen auch zukünftig ihre gesellschaftliche und soziale Verantwortung zeigen und unterstreichen will.Seit dem Trägerwechsel im Frühjahr dieses Jahres, hat sich das Angebot nicht nur bei den Schulformen, sondern auch bei den Schwerpunkten verbreitert (siehe Info am Schluss).
Hohes Interesse trotz herrlichem Biergartenwetter
Ein Blick in die Welt des Spitzensports zu tun, traf offensichtlich den Nerv der Zeit punktgenau. Das Thema war zur EM auch klug gewählt, sind doch Fußball und Höchstleistung derzeit die beherrschenden Themen. Erst recht seit Island gezeigt hat, was Mannschaftsgeist und Begeisterung bewegen können. Eigentlich ließ das herrliche Wetter im Vorfeld nicht auf eine hohe Teilnehmerzahl schließen. Hoteldirektor Volker Aust tat daher alles um das Sommerfeeling in die Bar zu holen: Coole Lounge-Musik, Getränke, Snacks, geöffnete Flügeltüren hin zur Terrasse und Pool.
Die Wetter-Pessimisten wurden eines Besseren belehrt. Die Campusbar des B&O Hotels war bis auf den letzten Platz gefüllt. Eigentlich kein Wunder: Die Teilnehmer auf dem Podium waren nicht nur sorgfältig ausgewählt, sondern hatten auch aus eigener Erfahrung viel Spannendes zu erzählen: Jonas Hummels, bis Endes Juni Kapitän der Spielvereinigung Unterhaching und Bruder von Nationalspieler Mats Hummels, Kamilo Kolarz, Unternehmer und Gründer der Youth Education Sport – kurz YES – Stiftung, Hans Weigl, Vater von Fußball-Nationalspieler Julian Weigl, Simon Hafner, ehemaliger Fußballer bei 1860 München, inzwischen selbständiger Handwerkermeister und Betriebswirt sowie Klaus Beckmann, Personaltrainer für Spitzensportler aus den Bereichen Motorsport, Fußball oder Rennrodeln. Die Moderation übernahm die Wirtschaftsjournalistin Beatrix Boutonnet.
Was hat Wirtschaft mit Sport zu tun?
„Sehr viel“, sagte Boutonnet bei ihrer Einleitung schmunzelnd, meinte es aber durchaus ernst. Eine Investition in Bildung und Wissen bringe – nicht nur im derzeitigen Niedrigzinsumfeld – langfristig die besten Renditen. Und Sport gehöre zur Bildung mit dazu, vermittelt er doch so wichtige Eigenschaften wie Teamgeist, Disziplin, Durchhaltevermögen, aber auch Fair Play. Genau das werde in der Wirtschaft heute händeringend gesucht.
Immer einen Plan B in der Tasche haben
Wie nicht anders zu erwarten, rissen die Fragen nicht ab. Vieles drehte sich um Fußball und die sportlichen Interessen der Podiumsteilnehmer, ihren Lieblingsverein (das bleibt ein Geheimnis der Anwesenden), Ernährungsgewohnheiten/-sünden. Aber auch auf persönliche Fragen, wie beispielsweise die Beziehung der Hummels-Brüder untereinander und das Vater-Sohn-Verhältnis bei Familie Weigl war Thema, das sie authentisch und ehrlich beantworteten. Wie es denn so sei mit dem Mats und ob ihn der ständige Vergleich nicht nerve, interessierte natürlich besonders die jungen Fußball-Talente des dfi Fußballinternats. Sie zeigten mit ihren zehn und elf Jahren wenig Scheu und fragten munter darauf los. Wann hat man denn sonst schon einmal Gelegenheit zu erfahren, wie das denn mit dem Trikot-Tausch sei? Jonas Hummels kann es gut mit Menschen, das merkt man schnell und erzählte den Jungs ganz locker, dass er natürlich zu seinem Bruder einen sehr engen Draht habe, schließlich kenne er ihn schon sein ganzes Leben. Für ihn sei er aber einfach sein Bruder – Nationalspieler hin oder her.

Campusgespraeche - Campusbar
Eltern, Freunde und die richtigen Trainer spielen eine zentrale Rolle
Recht offen beleuchteten das Podium auch die eigenen Stärken und Schwächen ihrer Profikarriere. Sich einzugestehen, dass es nicht läuft, wie man es sich vorgestellt hat, brauche durchaus viel mentale Kraft. Besonders seien neben einigen Techniken dann die Eltern und der Freundeskreis wichtig, so die Sportler unisono. Durch sie gelänge es auch auf dem Boden zu bleiben und aufgefangen zu werden, wenn es mal nicht läuft. Kritisch zu sehen – auch das kam deutlich zur Sprache – sei der Voyeurismus der Medien. Keinen Schritt mehr unbeobachtet tun zu können, sei gerade für junge Spieler oft schwierig.
In Profivereinen herrscht oft ein rauer Wind
Der Wechsel vom Heimatverein zu einem Profiverein gilt es zu verkraften, da dort der Konkurrenzkampf um ein vielfaches höher sei, erklärte Simon Hafner. Er musst bereits mit 14 Jahren höchste Disziplin zeigen, um seinen strukturierten Tagesablauf erledigen zu können: Vormittags Schule, nachmittags während der Zugfahrt nach München lernen, dann ab 18 Uhr Training bei 1860 München. Zu Hause war er selten vor 22 Uhr. Trotz seines enormen sportlichen Einsatzes kam für ihn mit 17 die Einsicht, dass sein persönliches Potential in Bezug auf Sport ausgeschöpft sei. Er machte den Realabschluss und eine Ausbildung, reiste durch Australien, hängte die Meisterprüfung und den Betriebswirt des Handwerks an und führt nun das eigene Unternehmen. „Es gibt auch ein Leben nach dem Spitzensport“, sagte er lachend. Und man glaubt es ihm sofort. Jetzt gehe er in seinem Beruf als Malermeister auf und sei glücklich mit seiner damaligen Entscheidung.
Einen Plan B in der Tasche hatten alle. Auch Jonas Hummels. „Drei Tage kann ich noch Autogramme geben, danach sind sie nichts mehr wert“, so der Kapitän des SpVgg Unterhaching mit selbstironischem Zwinkern. Wegen gesundheitlicher Probleme, ausgelöst durch sein enormes Verletzungspech, wird er zum Saisonende 2015/16 seine aktive Karriere beenden. So sehr er Fußball auch liebt, das ist im Gespräch immer wieder herauszuhören, wirft ihn diese Entscheidung nicht um, denn Hummels kann auf sein zweites Standbein zurückgreifen. Mit seinem Psychologiestudium, das er bereits parallel zu seiner Fußballkarriere begonnen hat und an das er nun den Master anschließen will, stehen ihm alle Türen offen, sich der Welt außerhalb des Fußballs zu erobern.
Die Wurzeln nie vergessen und bodenständig bleiben
Manche Tage bleiben uns auf ewig im Gedächtnis. Der Tag mit der Meldung „Löw gibt den EM-Kader bekannt – Julian Weigl im Mittelfeld eingesetzt.“ dürfte für Hans Weigl einer von diesen gewesen sein. Natürlich sei man stolz als Vater, aber man sehe auch die Kehrseite der Medaille. Und so ist es ihm trotz der Ernennung seines Sohnes zum Nationalspieler wichtig, nach all den positiven Erfahrungen und auch den Ängsten, die mit einer Fußballkarriere verbunden sind, dass sein Sohn dennoch bodenständig bleibt und seine Herkunft nicht vergisst.
In Bildung investieren heißt Verantwortung leben
Verantwortlich und engagiert zu handeln ist ein großes Thema gerade im Spitzensport, sagt Kamilo Kolarz. Nach seinen sportlichen Erfolgen in unterschiedlichen Disziplinen wie Squash, Eishockey, Handball und Fußball, musste er aufgrund einer schweren Verletzung seine sportliche Karriere an den Nagel hängen. Er wurde als Unternehmer sehr erfolgreich, seine sportliche Begeisterung aber vergaß er nie. Bereits über zwanzig Jahre engagiert er sich für die Umsetzung eines ganzheitlichen schulischen Ausbildungskonzeptes. Seit 2012 unterstützt die YES-Stiftung in diesem Sinne auch die Deutsche Sport Privatschule. Verantwortlich leben, das geht über das rein strategische, aber auch das emotionale Handeln hinaus. Es bedeutet, den Anderen als gleichwertig anzuerkennen. Eine Eigenschaft, die heute wichtiger denn je ist.
Ohne mentale Stärke und vernünftige Ernährung geht es nicht
Bildung und Sport helfen jungen Menschen, die Fähigkeit zu entwickeln, mit schwierigen Situationen umzugehen zu können. Diese Kompetenz und die dafür notwendige Stärke könne erlernt werden wie das Dribbeln, so Klaus Beckmanns Fazit. Wichtig sei aber auch eine vernünftige Ernährung. Beim Auto nehme man das teuerste Öl, beim eigenen Essen wird oft wahllos eingekauft. Das sei nicht gut. Auf die Frage, ob denn jetzt der Hamburger völlig tabu sei, muss auch er lachen. Natürlich nicht, so der Coach, aber eben mit Maß und Ziel.
Spaß, Disziplin und eine gute schulische Ausbildung
Und das Fazit? Bei allen Teilnehmern der Diskussionsrunde, insbesondere bei den beiden aktiven Spielern Hummels und Hafner, kristallisierte sich als wichtiger Punkt die Ganzheitlichkeit zwischen Schule und sportlichem Werdegang heraus. Sport müsse Spaß machen. Und mit der richtigen Disziplin betrieben werden. Natürlich sei es wichtig, dass die Kinder sich selbst und ihre Träume verwirklichen, dennoch solle die schulische Ausbildung nicht aus den Augen verloren werden, da es nur bei einem geringen Anteil der Sportler zur Profikarriere reicht. Doch auch das Leben danach ist bunt.

INFO:
Auf dem DBBC Campus wird es ab dem neuen Schuljahr neben der Realschule und FOS auch eine Mittelschule und neben dem Fußball, Basketball und Eishockey auch fünf weitere Schwerpunkte geben: Ballett/Tanz, Golf, Berufsorientierung Plus, Individuelle Talentschmiede und Sprachen. Infos unter www.dbbc-bayern.de und facebook.com/dbbcampus

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